Freitag, 13. Februar 2009

Er steht einfach nicht auf dich

Warum machen es sich Frauen nur immer so schwer. Erfinden sie doch alle möglichen Ausreden, wenn er Ausreden erfindet, um sich nicht zu melden, nur um die Hoffnung nicht aufgeben zu müssen, wenigstens diesmal den Richtigen – oder zumindest einen Interessierten – gefunden zu haben. Dabei ist die Antwort oft so klar, wie Alex der ständig daneben greifenden Gigi erklärt: Ruft er nicht an, dann steht er vielleicht gar nicht auf dich. Die Möglichkeiten, dass er die Nummer verloren hat, vom Bus angefahren wurde oder ganz plötzlich zu einer Geschäftsreise fort gerufen wurde, sind zwar möglich – aber, Mädels, wir müssen es wohl einsehen – sehr unwahrscheinlich. In verschiedenen episodenhaften in einander verknüpften Geschichten erzählt „Er steht einfach nicht auf dich“ von Männern, die keinen Heiratsantrag machen und Frauen, die daran verzweifeln, von Männer, die lügen und fremdgehen und Frauen, die dadurch paranoid werden und auch von Frauen, die Männer manipulieren und hinhalten. Zum Glück aber erzählt „Er steht einfach nicht auf Dich“ auch, damit aus dem Publikum kein völlig romanzen-nihilistisches Pessimisten-Heer wird, von den süßen Ausnahmen, wo sich zwei Menschen doch verlieben und glücklich zusammen sind.SympathischesEnsemble
Im Mittelpunkt dieser hübschen Wendungen stehen Justin Long als abgeklärter Alex, der Ginnifer Goodwin als nach einem wahrhaft Interessierten suchender Gigi immer wieder rät, dass sie Reißaus nehmen soll. „Er steht einfach nicht auf dich“ glänzt durch eine Mischung aus ernsthaften, traurigen, brüllkomischen und intelligenten Einblicken in den Dschungel aus Verabredungen und Abfuhren. Dabei bestechen nicht nur die cleveren und herzerfrischenden Dialoge, sondern vor allem auch das sympathische Ensemble mit Jennifer Aniston, Jennifer Connelly, Bradley Cooper, Ben Affleck, Scarlett Johansson und Drew Barrymore.
Erschienen in der Dewezet am 14. Februar 2009.

Das Hundehotel

Ein gut gemeinter Rat unter Filmschaffenden lautet: Arbeite niemals mit Tieren – oder Kindern. Regieneuling Thor Freudenthal hat diese Tipps völlig ignoriert und bis zu fünfzig Tiere gleichzeitig durchs Bild toben lassen. Wie viel Nerven ihn das gekostet haben mag, will man sich gar nicht vorstellen. Das Ergebnis allerdings kann sich sehen lassen. Nicht nur, dass Freudenthal ein gutes Kinderensemble gefunden hat, um den Film zu tragen. Auch die Vierbeiner machen ihre Sache sehr überzeugend und unterhaltsam. Und darum geht’s: Bruce und seine ältere Schwester Andi haben ihre Eltern verloren und werden nun von einem Pflegeelternpaar zum nächsten geschickt. Weil zwei Kinder auf einmal zu vermitteln schon schwer genug ist, verstecken die beiden ihren Hund Friday. Als sie ein altes verlassenes Hotel mit bereits zwei tierischen Bewohnern finden, kommt den beiden eine Idee. Mit der Hilfe von zwei neuen Freunden und dem Einfallsreichtum des technisch hochbegabten Bruce entwickeln sie bald einen Ort, in dem Dutzende von herrenlosen Hunden ein Zuhause finden. So gibt es etwa einen Schuhautomaten für eine Bulldogge, die alles zerkaut, eine Tennisballwurfmaschine für Apportierfanatiker und einen Hydranten, der nach dem kleinen Geschäft automatisch abduscht. Auch die hütwütige Colliehündin bekommt eine ganz eigene Herde Schafe, die sie durchs Zimmer jagen kann. Dass diese Konstrukte auf alte Autoscooter montiert sind, das stört den Vierbeiner nicht die Bohne. „Das Hundehotel“ wartet immer wieder mit neuen liebevollen Einfällen auf. „Das Hundehotel“ ist ein charmanter Streifen, mit viel Herz. Dass das Ende etwas zu zuckersüß ausgefallen ist, verzeiht man nach so unterhaltsamen und herzerfrischenden eineinhalb Stunden gerne. Nicht nur für eingefleischte Hundefans ist der Film ein Leckerbissen. Aber: Es hilft, wenn man grundsätzlich ein Herz für die Vierbeiner hat.
Erschienen in der Dewezet am 12. Februar 2009.

Ein mutiger Weg

Anfang 2002, in den noch frischen Nachwehen des 11. Septembers, wurde in Pakistan der jüdische „Wall Street Journal“-Korrespondent Daniel Pearl entführt und einige Tage später geköpft. Seine Frau Mariane, ebenfalls eine Journalistin, hielt sich zu dem Zeitpunkt auch in Pakistan auf. Sie war hochschwanger. In „Ein mutiger Weg“ erzählt Regisseur Michael Winterbottom von der Zeit kurz vor der Entführung bis nach der Tötung des Journalisten. Der Film basiert auf einem Buch, das Mariane Pearl über diese Tage geschrieben hat.Anstatt auf emotionales Hollywood-Drama zu setzen über eine Frau, die um das Leben ihres Ehemanns bangt, spielt der schon als Dokumentarfilmer aufgefallene Winterbottom nur Mäuschen und beobachtet. Dabei setzt er erstaunlich wenig Musik ein. Angelina Jolie, die als Mariane eine ihrer bisher stärksten Rollen spielt, setzt auf eine sehr zurückgenommene Darstellung. Mariane verliert fast nie die Fassung. Jolies intensiv gespielter Zusammenbruch bei der Nachricht vom Tod ihres Mannes ist gerade deshalb umso erschütternder. Winterbottom verleiht Pearl und seiner Frau sowie ihrer Tragödie nichts Heroisches. Er weist keine Schuld zu, sondern zeigt auf, dass Terrorismus keine schwarz-weiße Angelegenheit ist, in der es Gute und Böse, Gewinner und Verlierer gibt. Dass Daniel Pearl dabei in einem unkritisch sympathischen Licht gezeigt wird, ist verzeihlich.Winterbottoms Weigerung, den Zuschauer emotional zu manipulieren, sowie Jolies zurückhaltende Verkörperung der Journalistin sind sowohl das große Plus des Streifens als auch seine größte Schwäche. Während der anscheinend wertneutrale Umgang mit dem Thema viel über Winterbottoms politisches Engagement aussagt, wird der Zuschauer erst viel zu spät von dem Film berührt. Es ist ein Jammer, dass der Regisseur es kaum schafft mitzureißen, aufzurütteln und zum kritischen Nachdenken anzuregen. Wer durchhält und sich darauf einlässt, wird jedoch ein Kinoerlebnis mitnehmen, das noch eine Weile nachwirkt.
Erschienen in der Dewezet am 20. September 2007.

König der Wellen

Es ist schon arg verwunderlich, dass ausgerechnet Pinguine in den letzten Jahren die Filmwelt erobert haben. Obwohl eigentlich nur „Die Reise der Pinguine“ (ein Dokumentarfilm) und „Happy Feet“ (ein Animationsfilm über singende und steppende Watschelvögel) in den letzten zwei Jahren im Kino zu sehen waren, fühlen sich die Kinozuschauer übersättigt. „König der Wellen“ kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Anstatt auf der Pinguinwelle zu surfen, stößt das Animationsabenteuer im Vorfeld schon auf Ablehnung. Auch wenn surfende Pinguine noch nicht da waren und genauso abwegig sind wie ihre steppenden, trällernden Verwandten. Dabei ist die leicht abgedrehte Grundidee nett. Im Stil eines Dokumentarfilms – wackelnde Kamera, Pseudointerviews, Pannen und Kommentare vom Kameramann inklusive – willigt der antarktische Pinguin Cody Maverick ein, sich bei seiner Reise zum Surfwettbewerb auf Pen Gu Island von einem Filmteam begleiten zu lassen. Die Dialoge sind dadurch etwas frecher, natürlicher und lockerer als in den meisten Animationsfilmen. Statt platter Gags ist Situationskomik das große Plus der befrackten Wellenreiter. Der Rest kommt leider vom Reißbrett.
Erschienen in der Dewezet am 20. September 2007.

Rezept zum Verlieben

Dass sich Hollywood ganz gerne mal an Geschichten des europäischen Filmmarkts vergreift und diese als Remake leicht verdaulich für die eigenen Kinos aufbereitet, hat seit langem Tradition. Doch meist wildern die Story-Jäger eher auf der französischen oder auch mal italienischen Schaffenswiese. Mit „Rezept zum Verlieben“ ist nun auch mal eine deutsche Produktion amerikanisiert worden. Vor sechs Jahren spielte Martina Gedeck die kontrollfreakige und etwas spröde Spitzenköchin Martha in „Bella Martha“. Nun greift Catherine Zeta-Jones als kulinarisches Genie Kate zum Kochlöffel. Kate lebt einzig und allein für ihren Beruf. Sie hat keine Dates und die einzigen Männer, mit denen sie außerhalb ihrer Großküche kommuniziert, sind ihr Therapeut und der nette Nachbar von unten.Als ihre allein erziehende Schwester bei einem Autounfall ums Leben kommt, muss Kate ihre Nichte Zoe bei sich aufnehmen, was ihr Leben völlig aus den Fugen geraten lässt. Zu allem Übel kommt noch hinzu, dass die Kleine nichts von dem Essen mag, das Kate ihr vorsetzt und in der Restaurantküche nimmt der neue Sous-Chef Nick mit seiner Lebensfreude und Leidenschaft für italienische Opern alle für sich ein – außer Kate. Es braucht einige Anläufe, Zoes kindliche Ehrlichkeit und Nicks leckere Pasta bevor die verklemmte Eis-prinzessin ein wenig auftaut. Während „Bella Martha“ noch etwas Tiefgang hatte, ist „Rezept zum Verlieben“ doch sehr zuckersüße romantische Komödie. Die Figuren handeln alle viel zu stereotyp. Zum Glück haben die drei Darsteller, Catherine Zeta-Jones, Aaron Eckart als Nick und Abigail Breslin aus „Little Miss Sunshine“ als Waisenkind Zoe genug Charme und Energie, um „Rezept zum Verlieben“ trotz aller Mängel genießbar zu machen. Erschienen in der Dewezet am 22. September 2007.

Die Wächter des Tages

Als vor zwei Jahren die Verfilmung des ersten Teils von Sergei Lukianenkos Wächter-Trilogie, „Die Wächter der Nacht“ in die deutschen Kinos kam, war die Aufregung groß. Schließlich hatte der Film die russische Kinolandschaft revolutioniert. Die wirre Geschichte um den 1000-jährigen Waffenstillstand zwischen den Wesen des Lichtes und der Finsternis mit ihren Vampiren, Formwandlern, Hexen und anderen Gestalten begeisterte vor allem durch seine erstaunlich Optik. Die Dramaturgie war dagegen undurchsichtig. Die Figuren blieben blass.Im zweiten Teil – „Die Wächter des Tages“ – hält sich Regisseur Timur Bekmambetov mit dem visuellen Budenzauber weniger auf und konzentriert seine Geschichte auf die emotionale Achterbahn seiner Hauptfigur Anton, ein Wächter der Nacht und Anderer des Lichtes.Anton wird angeklagt, eine Gestalt der Nacht, Galina, ermordet zu haben. Doch Anton war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, ein Beweisstück verschwinden zu lassen, das seinen Sohn Igor des Mordes an Menschen belastet hätte. Denn Igor hatte sich am Ende des ersten Teils für die Seite der Finsternis entschieden. Die Wächter des Tages jagen nun Anton, was erneut zum Krieg zwischen den Mächten und zur Apokalypse in Moskau führen könnte.Mittendrin spielt die Kreide des Schicksals eine Rolle. So sehr verworren auch hier die Zusammenhänge sind, so ist doch zumindest die Geschichte logischer aufgebaut. Auch optisch hat der russische Film zwischen tristen Alltag in Moskauer Wohnsiedlungen und fantastischen Elementen wieder einiges zu bieten. Besonders die Hexe Alissa sorgt mit ihrem roten Flitzer für einige spannende Fahrten.Die Liebesgeschichte zwischen Anton und Svetlana erinnert allerdings eher an schlechte Bollywood-Schinken. Bleibt abzuwarten, ob der dritte Teil die vielen Fragen beantwortet oder ob doch ein Gang in die nächste Buchhandlung von Nöten ist, um mit Hilfe von Lukianenko literarischen Vorlage endlich Seelenfrieden zu finden.
Erschienen in der Dewezet am 24. September 2007.

Ratatouille

Seit Pixar vor zwölf Jahren mit dem ersten komplett computeranimierten Kinofilm ein neues Zeitalter in der Filmgeschichte einläutete, steht der Name für höchste Qualität. Auch diesmal wieder mit Remy, einer außergewöhnlichen Ratte aus Frankreich. Denn der wählerische Nager interessiert sich für die Haute Cuisine. Müll fressen ist einfach nicht sein Ding. Ein bisschen Safran auf einem geräucherten Pilz mit Käse und Rosmarin schon eher.Durch einen Zufall landet Remy direkt in einem der besten Restaurants in Paris und schließt Freundschaft mit einem Küchenjungen. Gemeinsam kreieren die beiden – Remy steuert seinen menschlichen Freund Linguini unter der Kochmütze über das Zupfen an dessen Haaren – die aufregendsten Gerichte, die das Gourmetrestaurant je gesehen hat. Bis das chaotisch-geniale Duo mit dem Schwindel natürlich auffliegt.Ausgerechneteine RatteWas Pixar dazu bewegt hat, eine Ratte in die Küche eines Spitzenrestaurants zu packen ist ungewöhnlich. Die Vorstellung: Ratte in der Küche, löst fast automatisch Ekel aus. Da mag Remy sich noch so oft die Pfötchen waschen und auf den Hinterbeinen gehen, damit seine „Hände“ fürs Kochen sauber bleiben.Zum Glück zieht die von Regisseur Brad Bird erzählte Geschichte den Zuschauer so sehr ins Geschehen, dass man seinen Ekel ganz schnell vergisst. Die Verbindung zwischen Remy und Linguini ist so niedlich und bietet so viele Gags, dass „Ratatouille“ zu einem riesigen Spaß wird.Hinzu kommt, dass der Film technisch brillant gestaltet ist, vollgestopft mit vielen netten, kleinen Ideen. So besitzt etwa der Arbeitsraum des ebenso miesepetrigen wie blassen Restaurantkritikers Anton Ego (sic!) die Form eines riesigen Sargs. Und Linguinis kleine Wohnung ist so bescheiden, dass das Badezimmer keine Tür, sondern nur einen Vorhang hat.Mit „Ratatouille“ ist den Pixar-Animateuren wieder ein liebenswertes Meisterwerk gelungen.
Erschienen in der Dewezet am 4. Oktober 2007.

Die Fremde in Dir

Erica und David sind glücklich verliebt. Die Einladungen für ihre Hochzeit sind auch schon ausgesucht. Doch bei einem Spaziergang mit ihrem Hund werden die beiden im Park überfallen. Als Erica drei Wochen später aus dem Koma erwacht, ist David tot. Weil die Radiojournalistin nach diesem traumatischen Erlebnis und dem Verlust ihrer großen Liebe nicht in ihr altes Leben zurückkehren kann, wird sie eine Andere.Aus Angst und Zufall entwickelt sich Erica zum Racheengel und sie erschießt – meist in einer Art Selbstverteidigung – böse Jungs. Mal in einem kleinen Laden, mal in der U-Bahn. Irgendwann nimmt der Hass und der frustrierte Gerechtigkeitssinn derart Überhand, dass sie die drei Männer aufsucht, die ihr Leben zerstört haben.In ihrem neuen Film „Die Fremde in Dir“ zeigt Jodie Foster, die sich in den letzten Jahren leider etwas rar gemacht hat, mal wieder was für eine erstklassige Schauspielerin sie ist. Anstatt die Selbstjustiz zum reißerischen Comicverschnitt à la „The Punisher“ werden zu lassen, spielt die psychische und emotionale Veränderung von Erica immer die zentrale Rolle. Sie mordet nicht kaltblütig, sondern ist immer wieder darüber erschrocken, wozu sie fähig ist und dass dabei nicht einmal ihre Hände anfangen zu zittern.Foster braucht dafür keine großen Gesten. Auch Regisseur Neil Jordan ist eher ein Mann der leisen Zwischentöne. Dennoch schreckt „Die Fremde in Dir“ nie vor radikalen und schmerzhaft brutalen Momenten zurück.Neben Foster glänzt Terence Howard in der Rolle des rechtschaffenen Polizisten Mercer, der sich mit Erica anfreundet und bald ihr Geheimnis ahnt. Im Gegensatz zu anderen Selbstjustiz-Filmen, die entweder in Effekthascherei oder dem großen pädagogischen Zeigefinger enden, behält sich Jordans Film vor, nicht zu urteilen. Seine Figuren handeln nicht als Vorbilder, Helden oder abschreckende Beispiele. Sie sind Menschen, denen Schlimmes passiert ist und die damit kämpfen, mit dieser Angst zu leben.Ob ihre Handlungen verständlich oder zu verurteilen sind, das bleibt dem Betrachter überlassen. Endlich mal ein reifes und gleichzeitig spannend unterhaltsames sowie erstaunlich poetisches Werk zu diesem schwierigen Thema.
Erschienen in der Dewezet am 8. Oktober 2007.

Superbad

Alle paar Jahre gibt es in jedem Genre einen Film, der als Meilenstein in die Filmgeschichte eingeht und eine Frischzellenkur im Gepäck hat. Das neue Konzept wird dann solange wiederholt bis ein niveauloser Tiefpunkt erreicht ist. Dann ist es Zeit für einen neuen Meilenstein. In der frechen und hormongesteuerten Teenie-Komödie hat sich seit „American Pie“ (1999) nicht viel getan. Doch dann kam „Superbad“ und wurde in den USA der größte Überraschungserfolg dieses Sommers.Die Story ist simpel: Evan, Seth und Fogal sind nicht die populärsten Kids in ihrer High School. Um vor der Collegezeit noch ein paar Erfahrungen mit Mädchen zu sammeln und sich ihren Angebeteten nähern zu können, sehen die drei nur eine Lösung: Alkohol. Als die hübsche Jules Seth zu ihrer Party einlädt und ihn bittet, die Getränke mit einem falschen Führerschein zu besorgen, sehen die Drei das Ende ihres traurigen jungfräulichen Daseins. Die Reise durch den Abend und die Nacht vom Getränkeladen bis zur Party birgt allerdings einige Hürden und Überraschungen, die die Freundschaft auf eine heikle Probe stellen. Mittendrin freunden sich zwei durchgeknallte Cops mit Fogal an, der unter seinem neuen Namen McLovin’ versucht das Feuerwasser zu kaufen.„Superbad“ glänzt vor allem dann, wenn sich die drei Jungs versuchen aus den aberwitzigsten Situationen heraus zu winden. So ist der aufsteigende Jungstar Michael Cera als Evan dann besonders liebenswert, wenn er mit zitternder Stimme und zaghaften Tanzeinlagen ein Ständchen trällert. Auch wenn es in „Superbad“ recht derb zur Sache geht, so lässt sich der Film nie auf das peinliche Witz-Niveau der letzten Jahre herab. Stattdessen überzeugt er mit Tempo, Originalität, saukomischem Humor und drei liebenswerten Normalos, die an einem etwas verrückten Abend mit den Unannehmlichkeiten der Spätpubertät zu kämpfen haben. Der ganz große Geheimtipp für Komödienliebhaber in diesem Jahr! Erschienen in der Dewezet am 11. Oktober 2007.

Chuck und Larry

Um die Pensionsansprüche im Fall seines Todes für seine Kinder geltend zu machen, müsste der Witwer Larry Valentine (der „King of Queens“: Kevin James) wieder heiraten. Denn er hat nach dem Tod seiner Frau verpasst, den Vertrag umzuschreiben. Aus einer Schnapsidee heraus bittet er seinen besten Freund Chuck Levine (Adam Sandler), mit ihm auf dem Papier eine „häusliche Gemeinschaft“ einzugehen. Als die Versicherung die homosexuelle Beziehung anzweifelt und Betrug vermutet, heiraten die beiden Männer und Chuck zieht in Larrys Haus und in sein Schlafzimmer ein.Weil vermutlich vor allem das typische Adam Sandler-Publikum ins Kino gezogen werden soll, stellt sich der Film mit platten Schwulenklischees und einer ordentlichen Portion Homophobie der Hetero-Männer nur langsam auf das Thema ein. Natürlich sorgt die süße Jessica Biel außerdem für die Rückversicherung, dass die beiden ja gar nicht schwul sind, sondern nur so tun, als ob. Denn Chuck darf sich in Biel, die als die Anwältin des Pseudo-Paares den Betrugsfall behandelt, Hals über Kopf verlieben. Aber natürlich darf der arme Mann ihr seine Liebe nicht gestehen. Dass am Ende alles auffliegt und jeder doch bitte sich selbst treu sein darf, ist so sicher wie der aufgeregte Protest bei „Brokeback Mountain“. Das ist ja alles ganz nett. Adam Sandler und Kevin James haben auch einige sehr niedliche Szenen miteinander. Aber am Ende bleibt doch ein schaler Geschmack zurück und die platten Schwulenwitze überschatten das Plädoyer für Toleranz.Diese Hetero-Mann-muss-schwul-spielen-Geschichte hatte Matthew Perry übrigens in der wenig beachteten Komödie „Date zu dritt“ schon mal wesentlich überzeugender vor die Kamera gebracht. Dennoch bietet der Film nette kurzweilige Unterhaltung.
Erschienen in der Dewezet am 11. Oktober 2007.

Resident Evil: Extinction

Aufregende Computerspiele bieten sich oft als Vorbild für ein spannendes Actionabenteuer auf der Kinoleinwand an. Optik, Charaktere und Ausgangssituation sind vorgegeben. Für die Handlung gibt es Freiheiten. Doch der Schuss geht oft nach hinten los – zumindest qualitativ. Die Kasse klingelt allerdings genug, um das Geschäft lukrativ zu machen. Im Fall von „Resident Evil“ hat sich die Rechnung besonders gelohnt. Das Spiel geht in die Filmgeschichte ein als das erste, das nicht nur eine Verfilmung, sondern eine ganze Trilogie liefert. Das Geheimnis des Erfolges: Spannung, Horror, Humor und Kritik an geldgeilen Konzernen, alles in Verschwörung verpackt. Auch wenn der apokalyptische Horror „Resident Evil: Extinction“ vor unlogischen Löchern nur so strotzt und einige Aspekte sehr nach gammeligem Reißbrett stinken, dürften Genrefans ihren Spaß haben. Schließlich ist die messerschwingende Milla Jovovich eine blutige Augenweide.
Erschienen in der Dewezet am 11. Oktober 2007.

Pornorama

In den 70er Jahren lockten Aufklärungsfilme wie die von Oswald Kolle Millionen deutsche Kinogänger in die Lichtspielhäuser. Und wenn eine Kinokarte 2,50 Mark kostet, dann kann man bei ein paar Millionen Besuchern schon eine Menge Geld machen, denken sich Freddie, der in finanziellen Schwierigkeiten steckt, und seine Freunde. Nur leider hat die Truppe – bis auf den alten Filmvorführer – keine Ahnung von Dreharbeiten. Aber da ist ja auch noch Freddies Bruder Bennie, der bei der Polizei ist und bei Demonstrationen für seinen Arbeitgeber Beweisfilme dreht. Der ist wiederum in Luzi, eine politisch aktive Kommunen-Bewohnerin, verliebt, die ihn für einen Filmstudenten hält, der die Geschichte der sexuellen Revolution in Kontrast zum Spießbürgertum zeigen will.Skurrile Geschichte mitnetter ChaotentruppeChaos, brenzlige Situationen und jede Menge Notlügen sind da vorprogrammiert, als Bennie sich tatsächlich zum Aufklärungsregisseur erklären lässt und Luzi sich in der Nebenrolle der Eheberaterin vor die Kamera stellt. Doch damit nicht genug: Die sinnliche und divenhafte Hauptdarstellerin Gina spricht nur Italienisch und weigert sich die Hüllen fallen zu lassen.Regisseur Marc Rothemund erzählt diese absurde Geschichte von den Möchtegernfilmemachern mit so viel Liebe und Witz, dass man die Chaotentruppe einfach nur gern haben muss. Besonders nett sind die Szenen, in denen Gina die Speisekarte aus Césares Restaurant immer wieder dramatisch rauf- und runter betet, damit die Szene später nachsynchronisiert werden kann und Irene mit Taucherbrille ausgerüstet unter dem Tisch Zwiebeln über eine Reibe sausen lässt, um den Star zum Weinen zu bringen.Tom Schilling als sensibler Bennie und die süße Karoline Herfurth als resolute Luzi geben in dem augenzwinkernden Wirrwarr ein besonders hübsches Paar ab. Und zwischendurch gibt es immer wieder nette Ausschnitte aus den damals so revolutionären Filmen, die mit ihrer sexuellen Offenheit die Institution Ehe retten wollten und heute für so manchen kopfschüttelnden Schmunzler sorgen.
Erschienen in der Dewezet am 19. Oktober 2007.

Operation:Kingdom

Bisher hat Peter Berg weder als Schauspieler noch als Regisseur einen bleibenden Eindruck hinterlassen können. Den ewigen Nebendarsteller hat man des Öfteren gesehen, aber nicht einordnen können. Doch als Mann hinter der Kamera wird man ihn sich jetzt merken. Seine vierte Regiearbeit „Operation: Kingdom“ ist ein Film, der eine Weile in den Knochen stecken bleibt.Auch wenn der Thriller optisch eher an einen Jerry-Bruckheimer-Reißer erinnert, inszeniert Berg den Konflikt kritischer und komplexer als man es von Amerikanern gewohnt ist. Und das ohne zum verschwörerischen Politthriller zu werden. Dabei ist der Beginn ähnlich wie in so vielen Filmen über die Weltpolizei USA: Im amerikanischen Viertel in Riad detonieren Bomben. Die Opferzahl geht in die Hunderte. Die Selbstmordattentäter, die mit Al-Qaida in Verbindung stehen könnten, trugen saudische Polizeiuniformen. Die Ölverbindung des Königreichs mit den USA ist den Fundamentalisten ein Dorn im Auge. Weil einer ihrer Leute bei den Anschlägen gestorben ist, mischt sich eine Spezialeinheit des FBIs in die Angelegenheit ein und fliegt in den Nahen Osten. Dort ist sie aber nicht gerne gesehen… Sowohl die amerikanische Arroganz wird an den Pranger gestellt, als auch die Gewaltbereitschaft der Terroristen. Doch Berg kann bei aller Selbstkritik nicht völlig aus seiner kulturellen Sozialisierung heraus. Denn natürlich lösen die smarten FBI-Leute, charismatisch dargestellt von Jamie Foxx, Jennifer Garner, Chris Cooper und Jason Bateman, kompetent den Fall, auch wenn sie saudische Hilfe bekommen. Erschütternd: dass im Film beide Parteien aus Rache handeln und dies nur der Anfang eines erbitterten Konflikts sein könnte.
Erschienen in der Dewezet am 19. Oktober 2007.

Die Vorahnung

An einem Donnerstag erfährt Linda, dass ihr Mann Jim am Vortag bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Nach diesem traumatischen Tag wacht Linda morgens auf und es ist Montag. Jim steht mit einer Tasse Kaffee in der Küche. Wieder ein Tag später und es ist Samstag – Jims Beerdigung steht an. So springt Lindas aus den Fugen geratenes Leben zwischen der noch relativ heilen Welt und ihrem Witwentum hin und her. Der Grund? Wer weiß das schon.Die etwas wackelige Erklärung des Pastors, dass Menschen, die ihren Glauben verloren haben, ein Vakuum in sich tragen und deshalb anfällig seien für seltsame Mächte, ist nicht befriedigend. Zumal in den Zeitsprüngen und ihrer kausalen Wirkung auf folgende Erlebnisse so viele logische Sprünge sind, dass man sich mehr über das lückenhafte Drehbuch ärgert als sich emotional auf Linda und ihren Mann, deren Ehe lange das gewisse Etwas verloren hat, einzulassen. Aber dieses Problem haben ja alle Zeitreise-Filme.Deutscher RegisseurMennan YapoDie Schreiber hätten sich als einfache Hilfe eine Zeittabelle aufmalen sollen, um den Überblick zu behalten. Leider ist Lindas Geschichte nicht fesselnd genug, um großzügig über die vielen Defizite hinwegsehen zu können. Ihr Handeln ist weder logisch noch emotional nachvollziehbar, sondern wirkt fürchterlich konstruiert.Dabei liefert Sandra Bullock, mit 43 Jahren so süß wie immer, eine ordentliche Darstellung ab. Nicht großartig – aber solide. Julian McMahon als Jim wirkt immer etwas blass; schade. Der Mann kann nämlich durchaus Charisma auf die Leinwand projizieren.Dem deutschen Regisseur Mennan Yapo hat das große US-Budget einfach nicht gut getan. Mit weniger Geld scheinen viele doch mehr Wert auf ihre Geschichten zu legen. So ist es leider nur ein mittelmäßiger Mystery-Thriller geworden.
Erschienen in der Dewezet am 23. Oktober 2007.

The Spirit

Er war das Mastermind hinter „Sin City“ und „300“ – nun legt Frank Miller mit „The Spirit“ seine erste eigene Regiearbeit vor. Warum? Niemand anders sollte den wegweisenden Comic „The Spirit“ aus den 40er Jahren von Millers Freund und Mentor Will Eisner verpfuschen. Jetzt hat ihn Miller vor lauter Ehrfurcht ein wenig verpfuscht.Die Geschichte um den auferstandenen Cop Denny Colt, der als Spirit offenbar unsterblich ist und seine Stadt retten möchte, vermag Miller nicht so ins Kino der Gegenwart zu übersetzen, dass eine runde Sache dabei rauskommt. In ihren Ansätzen knüpft die Story an die überstilisierte Erzählweise der sogenannten Film-Noir-Detektiv-Geschichten an. So gibt es zwar visuell einige Höhepunkte in Anleihen an den Meilenstein „Sin City“, der sich auf die Farben Schwarz, Weiß und Knallrot beschränkt hatte. Doch die durchkomponierten Bilder passen oft nicht zum Inhalt. War doch Eisners Comic noch durchsetzt von dem trockenen Humor der 40er Jahre, versucht Miller zwischen grafischer Gewalt und visuellem Bombast auf Slapstick und die harmlosen Gags einer 50er-Jahre-Sitcom zu setzen.Wenig auf Erzählkraftder Bilder gesetztHinzu kommt, dass „The Spirit“ nur wenig auf die Erzählkraft der Bilder setzt. Die Mischung sorgt zwar an der einen oder anderen Stelle für erfrischend originelle Szenen, wenn etwa Samuel L. Jackson als Schurke Octopus im Nazikostüm vor einem roten Vorhang während einer theatralischen Rede den Faden verliert und mit einem „Wo war ich doch gleich“ noch einmal ansetzt. Ansonsten sorgt der Film zwischen all der Unterhaltung mehrfach eher für abstruse Befremdung. Ist man sich doch manchmal nicht sicher, ob Miller es ernst meint oder gar seine eigenen Werke auf die Schippe nehmen möchte. Spaß macht „The Spirit“ dennoch – es gibt genügend Höhepunkte und bildschön in Szene gesetzte Schauspieler."4"„Spirit“ ist täglich um 20.30 Uhr im Hamelner Maxx-Kino zu sehen, freitags und samstags auch um 23 Uhr.
Erschienen in der Dewezet am 7. Februar 2009.

Bride Wars

Es sollten Träume in Weiß werden. Stattdessen wird es ein einziger Albtraum. Die besten Freundinnen Emma und Liv schwärmen von Kindesbeinen an für eine Juni-Hochzeit im Plaza Hotel. Als beide einen Heiratsantrag bekommen und zwei Termine in eben jenem Hotel und Monat frei sind, scheint das Glück perfekt. Ein Buchungsfehler jedoch setzt beide Feiern am selben Tag an. Wer also plant seine Hochzeit um? Denn, und darin sind sich die Grazien noch einig: Eine Doppelhochzeit kommt nicht infrage.Regisseur Gary Winick lässt seine Hauptdarstellerinnen Kate Hudson und Anne Hathaway genüsslich auf einander losgehen. Mit teuflischem Vergnügen gibt er der weiblichen Fähigkeit, hinterhältig fies zu sein, freien Lauf. Bald stolpern die Bräute kampflustig mit blauen Haaren und quietschorangefarbener Haut durch die Gegend und passen nicht mehr in ihre Kleider.Das ist sehr vergnüglich anzusehen und trainiert besonders durch die zuckersüßen, komödiantisch talentierten Schauspielerinnen die Lachmuskeln. Doch leider schreckt Winick davor zurück, seinen Zickenkrieg zwischen Torte, Tüll und Blumendeko ausarten zu lassen, und setzt aufs Happyend. Bei aller vorherigen Fiesheit – wirklich gemein kommt der Film nicht daher. Dabei hätte dem Dream-Team Hudson und Hathaway eine pechschwarze Komödie gut gestanden.Kleines Manko: Bedauerlicherweise hat der seit Wochen intensiv gezeigte Trailer bereits fast alle Attacken verraten, sodass dem Streifen nur wenige Überraschungen bleiben.
Erschienen in der Dewezet am 6. Februar 2009.

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Jeder Mensch geht auf das gleiche Ziel zu. Nur die Wege sind verschieden. Und auch Benjamin Button wird geboren, durchlebt seine Kindheit, wird erwachsen und steuert irgendwann auf seinen Tod zu. Nur sein Körper macht die spiegelverkehrte Entwicklung durch. Bei seiner Geburt hat er den Körper eines Tattergreises, bei seinem Tod schließt ein kleines Baby seine Augen. Diese wunderschöne skurrile Idee aus der Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald haben Regisseur David Fincher und Drehbuchautor Eric Roth zur Grundlage genommen, um ein märchenhaftes Liebesdrama von rund drei Stunden Länge zu erzählen.Tragische Momenteeiner LiebeBenjamin trifft im Alter von elf Jahren auf die fünfjährige Daisy. Es ist für den kleinen Jungen im Körper eines alten Mannes die große Liebe auf den ersten Blick. Doch brauchen die beiden Jahrzehnte, bis sie auch als Paar zueinanderfinden. Und während Daisy langsam zur alten Frau wird, krabbelt Benjamin irgendwann als Kleinkind durch den Garten. Das birgt sowohl herrlich komische Situationen für den Zuschauer als auch tragische Momente für die Liebesgeschichte.Doch das Mysterydrama „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ ist nicht nur durch seine magische Grundidee etwas ganz Besonderes. Auch erzählerisch hat David Fincher, der bisher als der düsterste Zyniker Hollywoods galt und mit „Sieben“ und „Fight Club“ cineastische Meilensteine schuf, ein poetisches, bedächtiges Meisterwerk kreiert, das seinesgleichen sucht.Nebenbei verwirklichte Fincher mit neuer digitaler Technik und fantastischem Make-up auf bahnbrechende Weise die Alterung und auch Verjüngung seiner Hauptdarsteller Brad Pitt und Cate Blanchett. So wirkt Brad Pitt, inzwischen Mittvierziger, sogar jünger als in seinen ersten Rollen. Auch wenn Körperdouble durchs Bild stapfen – Pitt kann fast alle Entwicklungsphasen seiner Figur spielen und liefert die beste Leistung seiner bisherigen Karriere ab. Dabei fügt sich die Technik so nahtlos ein, dass man sie kaum bemerkt.Rührungstränen undschallendes GelächterAuch Blanchett als Daisy ist fantastisch und führt ihre Rolle durch ein ganzes Leben. Nebenbei gibt es noch einen niedlichen Running Gag, der zwischen den Rührungstränen schallendes Gelächter auslöst."
Erschienen in der Dewezet am 31. Januar 2009.

Der fremde Sohn

Es ist der Albtraum jeder Eltern. Als Christine Collins im März 1928 von der Arbeit kommt, ist ihr neunjähriger Sohn Walter verschwunden. Aber die alleinerziehende Mutter muss nicht nur fünf Monate mit der Ungewissheit leben. Im August kommt plötzlich die freudige Nachricht, ihr Sohn sei gefunden worden. Doch bei der glücklichen Wiedervereinigung steht ein fremdes Kind vor ihr. Die Polizei glaubt ihr nicht. Ist es doch peinlich, wenn ein solcher Fehler zugegeben werden müsste. Selbst die Tatsache, dass der Junge viel kleiner ist als Walter, sorgt nicht für die Wiederaufnahme des Falls, sondern bringt die Mutter direkt ins Irrenhaus. Für die verzweifelte Frau beginnt ein Kampf gegen übermächtige Gesetzeshüter, der in die Geschichte von Los Angeles einging. Als die Polizei fast zufällig doch noch über die schreckliche Lösung zu Walters Verschwinden stolpert, nimmt der Kampf um Gerechtigkeit weiter an Fahrt auf.Ein ergreifendes undemotionales WerkClint Eastwood hat sich dieser unglaublichen wahren Geschichte angenommen und ein ergreifendes Werk geschaffen. Nicht nur beweist der Hollywood-Veteran, der meist auf dem Regiestuhl zu Höchstform aufläuft, wieder Gespür für eine spannende Geschichte; auch verfilmt er das Drama in unglaublich schönen und ruhigen Bildern. Seiner Hauptdarstellerin Angelina Jolie überlässt Eastwood die Leinwand – und tut auch gut daran. Die Aktrice versteht ihre Wut und Verzweiflung gerade durch ihre Zurückhaltung für den Zuschauer ins fast Unermessliche zu treiben. Neben ihr glänzt John Malkovich als Pfarrer, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Korruption der Polizei nicht länger hinzunehmen. Aber auch der in der Kinowelt noch völlig unbekannte Jason Butler Harner als geisteskranker Killer erschüttert die Leinwand mit seiner Präsenz.Beinahe hätte Angelina Jolie die Rolle nicht angenommen. Hollywoods Vorzeigemutti fand das Thema einfach emotional zu erschreckend. Dass sie trotzdem den Mut hat und in die Haut der Christine Collins geschlüpft ist, werden wir ihr ewig danken. Viel Glück bei den Oscars.
Erschienen in der Dewezet am 28. Januar 2009.

Operation: Walküre

Es gab mal Zeiten, da war das Gesicht von Tom Cruise auf einem Filmplakat ein Garant dafür, dass alle Welt aufgeregt ins Kino lief und sich seines Lebens freute. Heute ist der Star eher ein Grund einen Streifen im Vorfeld zu verurteilen und zu vermeiden.Dabei hat Mr. Cruise bisher noch keine einzige wirkliche cineastische Komplettgurke abgeliefert. Gründe für die derzeitige Antipathie sind vor allem seine seltsamen Interviews, die so hartnäckig durchs Internet geistern und für Kopfschütteln sorgen. Verantwortlich ist vor allem sein großes Engagement für Scientology und die damit verbundene Weltsicht für breitgefächertes Unbehagen.Besonders das neuste Cruise-Vehikel ließ im Vorfeld laute Kritikerstimmen aufschreien oder zumindest murren. Versuchte Cruise doch unseren komplexen Held Graf von Stauffenberg in ein strahlendes Abziehbild zu verwandeln.Stauffenbergetwas zu gradlinigDoch ganz im Ernst. Wer sich von dem Cruise-Bashing derzeit so sehr beeinflussen lässt, dass Operation: Walküre von der Wunschliste der zu sehenden Kinofilme ersatzlos gestrichen wird, der verpasst spannende Momente. Sicherlich ist Stauffenberg etwas zu gradlinig und zu entschlossen gezeichnet. Aber gut, was soll’s. In dem Streifen geht es schließlich auch nicht um ein einfühlsames komplexes Komplettportrait. Es geht um die Tage und Stunden rund um das gescheiterte Attentat, das Stauffenberg gemeinsam mit einigen Verschwörern plante, um Adolf Hitler am 20. Juli 1944 zu stürzen.Und diese Ereignisse werden unglaublich spannend erzählt. Und das obwohl natürlich jeder weiß, dass Hitler überlebte und alle Beteiligten kurz darauf hingerichtet wurden.Wer an Cruise zweifelt, der sollte einen kurzen Blick auf Regisseur und die weitere Cast-Liste werfen. So hielt Bryan Singer, der bereits mit „Die üblichen Verdächtigen und den X-Men-Filmen großes Talent bewies, alle Fäden in der Hand.Perfekt besetzteNebenrollenIn den vielen kleinen Nebenrollen tummeln sich perfekt besetzt Bill Nighy, Kenneth Branagh, Tom Wilkinson, Thomas Kretschmann, Terence Stamp, Eddie Izzard, Tom Hollander, Matthias Schweighöfer und Wotan Wilke Möhring.Operation: Walküre verbindet perfekt Thriller-Elemente mit historischen Ereignissen und großartigen Darstellern. Egal, ob man Tom Cruise mag oder auch nicht. Erschienen in der Dewezet am 24. Januar 2009.

Twilight

Die derzeitige (vor allem weibliche) Teenie-Generation scheint sich in zwei Hälften aufzuteilen – zumindest im Kino. Während die einen in Disneys züchtigem „High School Musical“ bei den schmissigen Melodien kreischen, mögen es die anderen etwas düsterer und haben jetzt mit „Twilight“ ihren eigenen Hit gefunden. Bereits Stephenie Meyers Roman mit dem netten Untertitel „Bis(s) zum Morgengrauen“ machte auf den Bestsellerlisten Furore und schmiss Harry Potter vom literarischen Siegertreppchen. Die Verfilmung des ersten Teils der Trilogie rund um die Liebe zwischen der 17-jährigen Bella und dem Vampir Edward schlug in den USA ein wie eine Bombe und ist auch hierzulande auf Platz Eins der Kinocharts geschossen. Kleine Jubelkonzerte beim Trailer inklusive.Zwar ist die Geschichte recht konventionell runtererzählt, hat aber ihre ganz besonderen, fast schon liebevoll-schrulligen Momente – etwa wenn Edward seine große Liebe seiner Familie erstmals vorstellt.Die beiden Hauptdarsteller gehen völlig in ihren Rollen auf. Besonders Robert Pattinson (bekannt aus „Harry Potter und der Feuerkelch“) versteht es als Edward sowohl dessen bedrohliche als auch die verletzliche Seite auszudrücken. Kein Wunder, dass die Mädchenwelt Kopf steht. Ist der große Jungmime in seiner androgynen Erscheinung unglaublich sexy – besonders, wenn er seine geliebte Bella (Kristen Stewart) beschützen will. Ihr Duft und der Wunsch, ihr Blut zu trinken, sind das ganz persönliche Heroin des vegetarischen Vampirs, der sonst in der Tierwelt seinen Durst stillt.Nach dem überwältigenden Erfolg des Thrillers ist die Fortsetzung bereits in Planung. Wenn der zweite Teil auch nur ansatzweise die Atmosphäre seines Vorgängers einfängt, darf sich die Mädchenwelt schon jetzt auf ein spannendes Ereignis freuen.
Erschienen in der Dewezet am 22. Januar 2009.

Zeiten der Aufruhr

Nun ist die Oscar-Session auch in Deutschland eröffnet. Neben „Der fremde Sohn“ und „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ dürfen sich Cineasten in den nächsten Wochen auf einige schauspielerische Höhepunkte wie das Duell zwischen den Titanen Philip Seymour Hoffman und Meryl Streep in „Glaubensfrage“ oder das Drama „Milk“ freuen. Doch nun sind erstmals Kate Winslet und Leonardo DiCaprio dran, um mit dem Ehedrama „Zeiten des Aufruhrs“ nach dem Roman des amerikanischen Schriftstellers Richard Yates zu zeigen, wie es ganz besonders gut gemacht wird. Es ist das erste Mal, dass die beiden großen Talente seit dem Megaerfolg „Titanic“ gemeinsam vor der Kamera stehen. Auch Kathy Bates, die ebenfalls damals an Bord des Katastrophenschiff war, ist wieder dabei.Die Mittelmäßigkeitder eigenen ExistenzUnd darum geht’s: Frank und April halten sich für ein ganz besonderes Paar. Weltoffen, künstlerisch interessiert und engagiert und innerlich weitab von der Spießigkeit der Welt. Doch im New Yorker Vorort pflegen sie genauso ihren Garten wie jeder andere und richten ihr Haus ein wie es für den guten Bürger vorgesehen ist. Die beiden eben noch so lebendigen Menschen zerbrechen zwischen Kindern, Job und Nachbarbesuchen an der Mittelmäßigkeit ihrer Existenz. Als April vorschlägt einfach alles hinzuschmeißen und nach Paris zu ziehen, kommt das Funkeln in den Augen des Paares für einen Moment zurück, nur um am Alltag wieder zu erlöschen und langsam in die Katastrophe zu steuern. Die Liebe ist nicht stark genug, um dies abzufedern.Regisseur Sam Mendes beweist mit seiner Kinoregiearbeit („American Beauty“) einmal mehr sein sensibles Genie. Er braucht keine große Handlung, um die Leinwand brutal brennen zu lassen. Er hat erkannt: Es reicht völlig aus, seine Ehefrau Kate Winslet und deren besten Freund Leonardo DiCaprio in einen Raum zu stecken und aufeinander losgehen zu lassen. Das Ergebnis ist ebenso atemberaubend, bezaubernd und erschreckend wie auch tieftraurig und unterhaltsam.Winslet hat für diesen Film zu Recht den Golden Globe abgeräumt. Die grandiose Schauspielerin, die bereits fünf Oscar-Nominierungen errungen hat, sollte in diesem Jahr endlich auch mit der Trophäe gewürdigt werden. Sonst läuft irgendetwas falsch.
Erschienen in der Dewezet am 17. Januar 2009.

Sieben Leben

Wer glaubt, sich bei diesem Film nur an dem Star orientieren zu können, und einen typischen Will-Smith-Streifen mit jeder Menge Action und warmherzigem Humor zu bekommen, der dürfte schwer enttäuscht werden oder hoch erstaunt sein: Denn der Superstar hat weitaus mehr im Repertoire. Doch da Geheimniskrämerei rund um die Geschichte von „Sieben Leben“ Programm ist, dürften sich einige Kinobesucher mit völlig falschen Erwartungen verirren.Die große Stärke undauch Schwäche des FilmsWill Smith hat bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass er mehr kann als nur lustige Sprüche zu klopfen und ein Händchen für unterhaltsame Projekte zu haben. So angelte er sich mit „Ali“ eine Oscarnominierung und brachte seine Fans mit „Das Streben nach Glück“ zum Weinen. Mit Regisseur Gabriele Muccino bricht der Superstar dem Publikum erneut das Herz. Aber diesmal ganz, ganz langsam.Zwar erfährt der Zuschauer bereits in den ersten Minuten, dass Smiths Figur Ben Thomas plant, Selbstmord zu begehen. Doch Grund und Ausmaß der Entscheidung beginnt man erst gegen Ende dieses sensiblen Dramas zu erahnen. Das ist sowohl die große Stärke als auch die Schwäche des Streifens. So fällt es lange schwer, sich in die Geschichte und die tragischen Umstände von Bens Leben ziehen zu lassen. Weiß man doch nicht, was diesen tieftraurigen Mann antreibt. Lässt man sich auf diese Erzählweise ein, ist Bens Geschichte in Retrospektive umso gewaltiger.Nur so viel zum Plot: Ben hat einen furchtbaren Fehler begangen, der nicht nur sein Leben zerstört hat. Jetzt versucht er als Buße das Leben von sieben Fremden radikal zum Besseren zu verändern. Bei seiner Suche nach würdigen Kandidaten verliebt er sich in die herzkranke Emily, die ihm Lebensfreude schenkt.Nicht nur Will Smith überrascht mit dem ruhigen Film „Sieben Leben“: Er spielt seine traurige Rolle mit so vielen sanften Untertönen, dass man ihm gern ins Ungewisse der Geschichte folgen mag. Auch Rosario Dawson als Emily verspricht mit diesem Film, dass man noch auf ganz große mimische Momente von ihr hoffen darf.
Erschienen in der Dewezet am 15. Januar 2009.

Transporter 3

Vor ein paar Jahren verpasste der Film „Transporter“ dem Auto-Action-Genre eine ganz gehörige Frischzellenkur und schlug unerwartet hart aus der Independence-Ecke ein wie eine Bombe. Hauptdarsteller Jason Stratham schuf damit sein ganz eigenes Genre und legte den Grundstein für eine steile Karriere.Heute ist der Ex-Olympia-Turner das Gesicht der harten Action inklusive lockeren Sprüchen, wie es einst Stallone, Schwarzenegger und Co. waren. Der zweite Teil dieses bahnbrechenden Films über einen Fahrer, der heikle Ware liefert und sich (eigentlich) an eine ganze Reihe strenger Regeln hält, hatte das Mainstream-Potenzial bereits erkannt und zeigte sich von der etwas überdrehten Seite dieses Kinos.Zu aufgebrühtemQuatsch verkommenLeider. Denn die dritte Tour legt noch einen drauf und verkommt dabei leider zu schwach aufgebrühtem Quatsch. Zwar ist Stratham noch genauso beeindruckend durchtrainiert und macht seine Gegner in Massen mit eleganten Bewegungen und einen übermäßig coolem Gesichtsausdruck platt. Doch leider verliebt sich der starke Mann auch mal wieder.Frank Martin hatte den Job eigentlich abgelehnt. Doch nun sitzt er in seinem Wagen mit einer explosiven Handschelle, die hochgeht, wenn er sich mehr als 25 Meter von seinem schwarzen Schlitten entfernt. Neben ihm das zu überliefernde Paket: Valentina, die Tochter des ukrainischen Umweltministers, der von den Kidnappern zu einer prekären Unterschrift gezwungen werden soll.UnangenehmesSchmuckstückAuch Valentina trägt ein unangenehmes Schmuckstück am Handgelenk. Die Flirtszenen zwischen den Beiden, ist das erste Eis erstmal gebrochen, sind teilweise so unfreiwillig und schmerzlich komisch, dass Fremdschämen statt den eigentlich erwarteten Adrenalinstößen für eine Weile die Stimmung im Kinosaal bestimmt.Nichtsdestotrotz auch „Transporter 3“ kann wieder mit spektakulären Actionsequenzen aufwarten. Und das ist ja eigentlich auch der Grund für den Kinokartenkauf. Zwar könnten die Verfolgungsjagden ruhig häufiger auf der Leinwand explodieren, aber immerhin, der Actionfan kommt durchaus auf seine verwöhnten Kosten.
Erschienen in der Dewezet am 10. Januar 2009.

Buddenbrooks

Thomas Mann hat es dem Regisseur Heinrich Breloer anscheinend angetan. Nach dem großen Fernsehereignis „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“, in dem sich Breloer mit dem großen Literaten und seiner fast ebenso berühmten Familie auseinandergesetzt hat, hat er sich nun das bekannteste Werk des Schriftstellers vorgenommen. Wie auch in der Vorlage nimmt sich Breloer viel Zeit, um die Geschichte des Erfolgs und des Niedergangs der Lübecker Kaufmannsfamilie Buddenbrook zu entwickeln.Die Erzählung umspannt drei Generationen der einflussreichen Familie, die ihr Leben dem Wohle der Firma widmet und daran zerbricht. Es beginnt mit dem großen Patriarchen und Konsul Jean Buddenbrook und seiner Frau Bethsy. Dann sind da die drei Kinder – der verantwortungsbewusste Stammhalter Thomas, das Sorgenkind Christian und die in der Liebe vom Pech verfolgte Tochter Tony – sowie letztendlich der schwächliche, aber künstlerisch begabte Hanno.In die Welt derFamilie eingetauchtBreloer nimmt sein Publikum auf eine episodenhafte Reise und taucht – über mehrere Jahrzehnte – in die Welt der Familie ein. Die Erzähl-Perspektive springt zwischen Tony, ihrer ersten großen Liebe mit dem Medizinstudenten Morten und ihren zwei unglücklichen Ehen, und dem strengen Leben von Thomas – und später Hanno, der seinen Vater so enttäuscht – hin und her. Eine Identifikationsfigur, wird somit verwehrt. Zwar wird der Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle zwischen Erfolg, Liebe, Todesfällen, Skandalen und Hochzeiten mitgenommen, aber Breloer hält sich vornehm zurück. Anstatt der Versuchung zu verfallen, in epischen, übergroßen cineastischen Gefühlen zu schwelgen, bleiben die Emotionen immer ein wenig unterdrückt und lesen sich nur wehmütig in den großartigen Augen der Schauspielerriege ab. Mann war schließlich keine Rosamunde Pilcher.Dennoch gelingt es Breloer, bei seinem rund zweieinhalbstündigen Film keine unnötigen Längen entstehen zu lassen. Der Kostümfilm ist zudem hinreißend ausgestattet, sodass allein das gigantische Haus der Buddenbrooks, das zu einer ganz eigenen Figur wird, immer wieder für herunterklappende Kiefer sorgt. Neben der, wie immer, beeindruckenden Leinwand-Präsenz von Armin Müller-Stahl als sanfter Patriarch, laufen vor allem Jessica Schwarz als Tony und August Diehl als Christian zu schauspielerischer Höchstform auf und fangen die vielen wichtigen Zwischentöne mit ihrem natürlichen Spiel auf. Aber auch Mark Waschke als stocksteifen Thomas zu beobachten, ist ein wahrer Hochgenuss. Erschienen in der Dewzet am 29. Dezember 2008.

Bedtime Stories

Skeeter arbeitet in dem riesigen Nottingham-Hotel als Hausmeister. Dabei sollte er den Laden leiten. So hatte es der Besitzer damals mit seinem Vater vereinbart, als Skeeter noch ein kleiner Junge war. Stattdessen wechselt er Glühbirnen aus und repariert den Kühlschrank. Und dann soll er auch noch eine Woche lang auf seinen Neffen und seine Nichte aufpassen. Als es plötzlich anfängt Kaugummis zu regnen, begreift er, dass die Gutenacht-Geschichten, die er sich für die beiden süßen Fratzen ausdenken, Wirklichkeit werden.Die Filme von Adam Sandler haben in den USA eine riesige Fangemeinde, sodass der „Sandman“, wie er auch liebevoll genannt wird, der größte Komödien-Star jenseits des großen Teichs ist. Hier haben es einige seiner Streifen eher schwer. Doch „Bedtime Stories“ dürfte auch dem deutschen Publikum gefallen. Der Ausflug in die Welt des Geschichtenerzählens und den manchmal etwas schrägen Anwandlungen von kindlicher Fantasie ist einfach herzig. Zumal sie Onkel Skeeter in die peinlichsten Situationen verfrachten können. Auch ist einfach herrlich mitanzusehen, wie die Schauspieler für die Gutenachgeschichten in die seltsamsten Kostüme und Masken schlüpfen und sich wunderbar zum Horst machen. Allen voran der sonst so seriöse Guy Pearce als Sir Schleimbacke, ach nein, als Skeeters Widersacher Candle, der die Leitung des neuen Hotels bekommen soll.Ebenfalls mit dabei die süße Keri Russel als Jill, die sich das Babysitten mit Skeeter teilt und zuerst gar nicht begeistert ist von dem Onkel ihrer Schützlinge. Zum niedlichen Running Gag wird das Meerschweinchen Glubschi mit den Riesenaugen. Spätestens, wenn es auf einem kleinen Laufband, die mit Hamburgern angefutterten Pfunde wieder abtrainieren muss, hat es die Herzen des Publikums für seine seltsamen Auftritte gewonnen.
Erschienen in der Dewezet am 29. Dezember 2008.

Australia

Ob man Baz Luhrmanns eigenwilligen Stil mag oder nicht. Der australische Regisseur hat mit jedem seiner bisherigen Filme (Romeo & Julia, Moulin Rouge) Meisterwerke abgeliefert. Sein neuster Film überflügelt seine bisherigen Geschichten sogar noch. Zwar trägt das große Epos deutlich die Handschrift des Regisseurs, doch nimmt sich der Aussie in seinen visuellen Gimmicks über weite Strecken zurück, um allein die Geschichte und seine Figuren sprechen zu lassen.Von Englandnach AustralienEs ist das Jahr 1939. Lady Sarah Ashley reist von England nach Australien. Schließlich hat ihr Mann dort eine Rinderfarm, die der britischen Adligen wie ein Klotz am Bein hängt und ihren Ehemann am anderen Ende der Welt festhält. Lady Ashley will verkaufen. Als sie dort ankommt, findet sie ihren ermordeten Ehegatten vor und einen Kleinkrieg zwischen den Rinderfarmern.Gemeinsam mit dem Viehtreiber Mr. Drover, den sie vorerst für ordentlich ungehobelt hält, treibt die anfangs noch so feine Dame ihre Herde selbst durch das Outback in den Ort Darwin, wo das Fleisch für die Armee verkauft werden soll.Zwischen Drover und Mrs. Boss, wie sie bald liebevoll von ihren Angestellten genannt wird, entbrennt eine leidenschaftliche Liebe. Und dann ist da noch der Mischlingsjunge Nullah, den sie schnell in ihr Herz schließt. Als die Japaner Darwin bombadieren, wird die zusammen gewürfelte Familie auseinandergerissen.Die Geschichte von „Australia“ nimmt immer wieder Dimensionen an, die es mit Klassikern wie „Vom Winde verweht“ aufnehmen könnten. Doch Luhrmann durchbricht die ganz großen cineastischen leinwandübergroßen Gefühle immer wieder durch seinen etwas skurrilen unkonventionellen Humor und bewahrt sein großes Epos davor im Kitsch der Romanze und Tränen zu versinken.Gleichzeitig setzt er damit seinem Land, das im weltweiten Kino so sträflich unterrepräsentiert ist, ein monumentales Denkmal, das vom ersten Moment bis zum Abspann knapp drei Stunden später sehr amüsant unterhält, die Tränen in die Augen treibt, mitfiebern und das Herz überlaufen lässt. Dass mit Nicole Kidman und dem jüngst gekürten „sexiest man alive“ Hugh Jackman zwei unglaublich fähige Mimen von downunder dieses Werk augenzwinkernd tragen, macht die Sache noch vergnüglicher.
Erschienen in der Dewezet am 27. Dezember 2008.

1 1/2 Ritter: Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde

Alles, was Til Schweiger im Doppelpack vor und hinter der Kamera anpackt, das scheint zu cineastischem Gold zu werden. Die besten Beispiele sind „Barfuß“ und „Keinohrhasen“. Bei „1½ Ritter“ nun hat sich der deutsche Star dazu hinreißen lassen, das Drehbuch eines anderen zu verfilmen. So lässt sich auch erklären, dass der Mittelalterspaß dem Klamauk von „7 Zwerge“ nähersteht als dem Feinsinn der vorangegangenen Projekte. Macht aber nichts. „1½ Ritter“ macht dennoch unglaublich viel Spaß.Schweiger verkörpert Ritter Lanze, der im Kampf noch jeden Gegner platt gemacht hat. Doch bei der Prinzessin Herzelinde, die er als Leibwächter beschützen soll, bekommt er weiche Knie und fängt an, völlig ungeschickt dummes Zeug zu reden. Als das hübsche Mädchen vom schwarzen Ritter entführt wird, macht sich Lanze gemeinsam mit dem Kleinganoven Erdal (Rick Kavanian) – das ist der halbe Ritter im Titel – auf, um seine Angebetete zu retten. Auf ihrem Weg begegnen den beiden jede Menge skurriler Figuren, wie etwa ein ehemals schwarzer Ritter, der sich mit einer Horde Ex-Entführungsopfer in einer Hippie-Kommune zur Ruhe gesetzt hat und nun im Sitzen pinkeln muss.Auch wenn die Dialoge und Gags oft etwas platt daherkommen, „1½ Ritter“ lebt von den vielen hübschen Details, die ab und zu völlig unerwartet durchs Bild huschen. Wie etwa der Focus-Chefredakteur als Schild-Zeitungs-Chef, der seine Schreiberlinge auf „Fakten, Fakten, Fakten“ einnordet. Oder der Gefängniswärter Bernd, der doch nur ein Autogramm für seine Tochter haben möchte. Auch Dieter Hallervorden hat einen netten Kurzauftritt als Pferdeverkäufer, der seine Vierbeiner wie Autos anpreist. Immer wieder setzt Schweiger auf den Clash zwischen mittelalterlicher Kulisse und modernen Elementen. Das funktioniert so manches Mal wunderbar und sorgt für große Lacher.Doch nicht immer. Manchmal – besonders wenn Herzelinde auf Teeniesprache des 21. Jahrhunderts setzt und dem schleimigen Grafen Luitpold Trumpf, der um ihre Hand anhält, den Mittelfinger zeigt – ist das einfach nur nervig. Die Glanzmomente gehören Ritter Lanze, dessen schüchterne Ausfälle – und Akzent-Genie Rick Kavanian, der mitten in einer Prügelei an einem zerstückelten Buffet zufällig den Döner erfindet.
Erschienen in der Dewezet am 20. Dezember 2008.

Tintenherz

Wenn ein Buch so sehr geliebt wird wie „Tintenherz“, kann eine Verfilmung wohl nur enttäuschen. Es sei denn, sie löst sich ein wenig von ihrer Vorlage und nutzt die Gesetze ihres Mediums. So war bereits bei den „Harry Potter“-Filmen zu erkennen, dass sie erst wirklich an Fahrt aufnahmen, als sie sich nicht mehr sklavisch von einer Seite zur nächsten durchs Buch arbeiteten. So sehr „Tintenherz“-Fans allein schon über den Anfang schimpfen werden – die Geschichte um Meggie und ihren Vater Mo, der als Zauberzunge Figuren aus Büchern in die Realität herauslesen kann, wird in der Verfilmung in ihrer Essenz eingefangen. Da macht es auch nichts, dass der mysteriöse Gaukler Staubfinger nicht vor Meggies und Mos Zuhause erstmals auftaucht, sondern vor einem Antiquariat in der Schweiz.Obwohl Mo und Meggie sich nach dem Verschwinden ihrer Mutter Resa sehr nahe stehen, erfährt das Mädchen von der Gabe seines Vaters erst, als die beiden von dem Schurken Capricorn gefangen werden – ihn hat Mo ebenso wie Staubfinger aus dem Buch herausgelesen. Dafür verschwand Resa in der Tintenwelt. Jetzt ist Mo auf der Suche nach einer „Tintenherz“-Ausgabe, um seine Frau wiederzufinden. Gleichzeitig wird er von Staubfinger verfolgt, der sich nach seiner Tintenwelt sehnt.Fürchterlichkitschiges HappyendAutorin Cornelia Funke dürfte das Herz vor Freude übergelaufen sein, als Brendan Fraser die Rolle des Mo annahm. Hatte sie doch den zweiten Band der Trilogie dem Schauspieler mit der sanften Stimme, die das deutsche Publikum durch die Synchronisation nicht kennt, gewidmet. Dass ihm dennoch Paul Bettany als Schurke Staubfinger die Show stiehlt, mag an dessen vielschichtig tragischer Figur liegen. Das fürchterlich kitschige Happyend, dem das fantasievolle und liebevoll gedrehte „Tintenherz“ erliegt, ist übrigens einer Testvorführung zu verdanken. Ein Jammer.
Erschienen in der Dewezet am 18. Dezember 2008.

The Women

Wenn schon mal ein Film ausschließlich von Frauen und für Frauen gedreht wird und dann auch noch den unmissverständlichen Namen „The Women“ trägt, dann könnte frau doch zumindest erwarten, dass sich die Geschichte ein kleines bisschen von Klischees und Stereotypen wegbewegt. Doch Fehlanzeige. Die vier Freundinnen, die im Zentrum des Films stehen, besitzen so viel charakterliche Tiefe, wie die seichte Pfütze, die immer mal wieder auf dem Gehweg auftaucht.Da gibt es Sylvie, die alleinstehende Karrierefrau, die viel Geld in Klamotten, Maniküre und ihren Friseur investiert und ständig auf Zickenalarm aus ist. Dann ist da Edie, die Brutmaschine, die für ihr vier Töchter lebt und den fünften Braten bereits in der Röhre hat. Und Alex, die Lesbe mit der großen Klappe und den angeblich so schockierenden Bemerkungen.Und dann ist da noch die Hauptfigur Mary. Die reiche Hausfrau und Mutter, die von ihrem Mann mit einer jungen sexy Verkäuferin betrogen wird. Noch irgendein Klischee gefällig? Mary findet sich selbst, indem sie anfängt Kleider zu designen und ihre Tochter beginnt sich schwarz zu schminken als ihre Eltern sich trennen. Was so lieblos und prüde wie ein müder Abklatsch von „Sex and the City“ daher kommt, ist tatsächlich ein Remake eines Films, der 1939 gedreht wurde und auf einem Broadway-Stück von 1936 basiert.Aber nur weil ein Stück schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, heißt das noch lange nicht, dass man sich so stocksteif geben muss. Sicherlich hätte diese Vorlage durchaus Futter für eine netteGeschichte gegeben, wenn die Dialoge nicht so fürchterlich abgedroschen wären und die Schauspielerinnen so lustlos und verkrampft durchs Bild stöckeln würden. Allen voran die ehemalige Lächel-Königin Meg Ryan als Mary, die auch mit „The Woman“ nicht auf ein Comeback hoffen darf. Gespür fürKomödiantikDass Annette Bening die Sylvie spielt, mal Oscar-Leitungen auf die Leinwand gezaubert hat, hält man nach diesem Auftritt übrigens auch für ein unglaublich schlechtes Gerücht. Nur Debra Messing in ihrer kleinen Nebenrolle als Übermutter Edie beweist geniales Gespür für komödiantisches Timing und sorgt besonders bei der Geburtsszene für herzerfrischende Lacher. Netter kleiner Dreh übrigens. Im gesamten Film tauchen Männer nur über Telefonate oder Briefe auf. Die Leinwand bleibt dagegen völlig testosteronfrei.
Erschienen in der Dewezet am 15. Dezember 2008.

Der Tag, an dem die Erde stillstand

Der Science-Fiction-Film „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ gehört zu den Klassikern der 50er Jahre und hat die Tradition mitbegründet, in diesem Genre Kritik an der Gegenwart zu üben. Stand damals die Bedrohung durch einen Atomkrieg im Mittelpunkt des Streifens, holt sein Remake zum Rundumschlag gegen die menschliche Rasse aus. Ob Klimawandel, Krieg oder Korruption – die menschliche Rasse bedroht den schützenswerten Planeten Erde.Im Central Park landet ein großes sphärisches Gebilde. Aus ihm heraus treten Klaatu, der als Botschafter einer außerirdischen Vereinigung die Menschen zur Umkehr bewegen will, und der riesige Roboter Gort. Klaatu wird beschossen, bedroht, unter Drogen gesetzt – und sieht zu, wie die Menschen den Karren des Weltschicksals immer tiefer in den Schlamm setzen. Schließlich sind auf der ganzen Welt Sphären aufgetaucht, die von allen Spezies – ähnlich einer Arche – Exemplare mitnehmen. Und nach der Arche kommt bekanntlich die Flut. Klaatus Erklärung für den geplanten globalen Massengenozid: Die Erde ist zu wertvoll, um ihr Schicksal vom Fehlverhalten einer Rasse abhängig zu machen.Es ist erschreckend mitanzusehen, wie das Militär und die Politiker in Angesicht mit dem von Keanu Reeves so stoisch ruhig, übersinnlich ausgeglichen und gleichzeitig resignierend traurig gespielten Klaatu alles falsch machen. Nur die Astrobiologin Helen (gespielt von Jennifer Connelly) scheint sich auf einen friedlichen und offenen Umgang einzulassen.„Der Tag, an dem die Erde stillstand“ hat zwar starke Momente, wenn er statt auf Bombastspezialeffekte auf kammerspielartige Dialoge setzt. Doch leider funktioniert diese Kombination nur bedingt, sodass der Film mit Längen und mit abgedroschenen Postkarten-Weisheiten zu kämpfen hat.Helens Beschwörung, „Wir könnten uns ändern“, wirkt in diesem Licht halbherzig. Keiner wird nach dem Ende das Gefühl haben, dass die Menschheit tatsächlich auf Umkehr setzen wird. Das ist die erschreckende und zynische Erkenntnis des Films.
Erschienen in der Dewezet am 12. Dezember 2008.

Madagskar 2

Wie auch sein Vorgänger ist „Madagascar 2“ ein Gag-Feuerwerk, das es durchaus auch versteht, die etwas leiseren Töne über Freundschaft und Identität anzuschlagen und kriegt gerade noch die Kurve, bevor Löwe Alex, Zebra Marty, Nilpferd Gloria und Giraffe Melman in den klebrigen Kitsch-Sumpf schlittern. Die vier Flüchtlinge aus dem New Yorker Zoo haben genug von der Wildnis und möchten zurück nach Hause. Mit den Pinguinen und dem durchgeknallten König Julian starten die vier tierischen Freunde von Madagaskar aus mit einem mehr als nur kaputten Flugzeug Richtung Heimat. Dass sie damit nicht weit kommen, ist ja klar. Also erleben sie eine Bruchlandung in der afrikanischen Wildnis. Als sie dort auf große Herden und Rudel ihresgleichen treffen, versetzt das die Kuscheltiere aus dem Zoo in Erstaunen und beschwört kleine und größere Identitätskrisen herauf. Der verwöhnte Löwe Alex etwa, der seine Eltern wiedertrifft, kann diese wenig begeistern – von seinen wilden Tanz-Moves hält Papa Löwe nämlich nicht allzu viel.Die Fortsetzung des originellen, knallbunten Erfolgsfilms mit dem eigenwillig kantigen Look, ist noch etwas runder gelungen als der erste Teil. Das Konzept setzt vor allem auf herrlich komische Kulturschock-Momente, sodass man kaum hinsehen mag, wenn Alex sich auf den Aufnahmeritus bei den Löwen vorbereitet und glaubt in einer Tanztalent-Show aufzutreten. Auch die fast hysterischen Eskapaden, die der König der Tiere beim Wiedersehen mit seiner Schmusedecke durchlebt, sind einfach brüllkomisch. Die größten Lacher haben aber mal wieder die Pinguine – mit ihrer militärischen Disziplin und ihren trockenen Sprüchen – sowie König Julian mit seiner völlig verdrehten Weltsicht auf ihrer Seite.Schräger Neuzugang in der wild gemischten Herde der Filmfiguren ist übrigens Moto Moto, der als Schwerenöter des Wasserlochs machomäßig Schmetterlinge in Glorias massigem Nilpferdbauch zum Flattern bringt. Wenn Fortsetzungen so gehandhabt werden, lässt man sich auch eine weitere Folge gerne gefallen
Erschienen in der Dewezet am 6. Dezember 2008.

Death Race

Geht es dem Pöbel nicht gut, lechzt er nach blutiger Unterhaltung. Das sei schon im alten Rom so gewesen. Im Kinothriller „Death Race“, der im USA des Jahres 2012 spielt, ist der Pöbel gebeutelt: Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordhoch. Als Entertainment-Spektakel wird das „Death Race“ geboren. Fiese Knackis treten in speziell konstruierten Autos gegeneinander auf einer Rennstrecke rund um ein Inselgefängnis an. Wer fünf Rennen gewinnt, bekommt seine Freiheit zurück. Dass dabei die meisten Fahrer auf brutalste Weise das Zeitliche segnen, gehört zum erfolgreichen Konzept der kaltblütigen und geldgeilen Gefängnischefin Hennessey. Dass Jensen Ames, ein ehemaliger Rennfahrer, beschuldigt wird, seine Frau ermordet zu haben und in dem Gefängnis landet, ist alles andere als Zufall. Doch der kantige Typ lässt sich auf Hennesseys Spiel ein und mimt einen längst verstorbenen Rennfahrer, der eine gespenstische Maske trägt.Paul W. S. Andersons „Death Race“ basiert auf dem Trash-Film „Death Race 2000“ von B-Movie-König Roger Corman und verbeugt sich mit konsequent nachgeahmter Optik ehrfürchtig und zugleich augenzwinkernd vor seinem großen Vorbild.Dass der Film durchaus gesellschaftskritisch auf die sensationslüsternen Medien schaut, ist zwar ein guter Einfall, aber nebensächlich. Denn die Hauptsache bei einem Film wie „Death Race“, der ohne Jugendfreigabe in den Kinos läuft, sind die brutalen rasanten Rennen sowie der coole Hauptdarsteller Jason Stratham, ein Garant für grobe Action.
Erschienen in der Dewezet am 29. November 2008.

Max Payne

Assoziiert mit dem Namen „Max Payne“ ist der Begriff „maximaler Schmerz“ – und genau den werden viele Fans des erfolgreichen Computerspiels, auf dem der neue Film mit Mark Wahlberg basiert, verspüren. Maximaler Schmerz über maximalen Murks. Dabei hatte sich das Spiel „Max Payne“ so ideal als Leinwandverfilmung angeboten. Der stilisierte Film-Noir-Look mit ein bisschen Sin-City-Ästethik, all das schrie förmlich nach einem Film.Doch was nun dabei herausgekommen ist, sieht zwar nett aus, ist aber kaum erträglich. Wenigstens, so denkt man immer wieder, weiß der Kameramann, wie er einen interessanten Shot gestaltet, auch wenn alle anderem am Set keine Ahnung von Tuten und Blasen haben.Max Payne ist ein Cop, dessen Frau und Kind bei einem Überfall ermordet wurden. Seitdem arbeitet er in der Abteilung für ungelöste Fälle und versucht verbissen, irgendeine Spur zu finden. Mit seinen ehemaligen Kollegen hat der verschlossene und düster dreinblickende Kerl kaum noch etwas zu tun. Der Mord an einer flüchtigen Partybekanntschaft sowie der Tod seines ehemaligen Partners bringen den alten Fall wieder ins Rollen und Payne findet im Drogenmilieu eine Spur. Dort lässt die neue Droge Valkyrie ihre Junkies durchdrehen und mächtige Engel sehen. Diese Halluzinationen stammen zwar nicht aus dem Computerspiel, sorgen aber für die visuell beeindruckendsten Bilder.Alberne Dialogelustlos aufgesagtDass „Max Payne“ nicht immer den Gesetzen der Logik folgt und gnadenlos konstruiert ist, ist nicht das Schlimmste. Viel enttäuschender ist, dass die Schauspieler ihre völlig verqueren, albernen Dialoge so lustlos vor sich hinbrabbeln, als ginge es nur darum, für den Lichttechniker und den Kameramann an der richtigen Stelle zu stehen, sodass Emotionen im Ablauf der Szene eine Verschwendung wären. Kann sein, dass dieser Umstand dem Regisseur John Moore anzulasten ist, der seine Akteure instruiert haben mag, die Szenen unterkühlt und megacool zu spielen. Doch der Film ist dadurch nicht einmal unfreiwillig komisch, sondern ein einziges Trauerspiel, das genervte Langeweile verbreitet. Schade, denn dies hätte ein wahrer Hochgenuss werden können.
Erschienen in der Dewezet am 26. November 2008.

The Strangers

Horror muss nicht viel Blut verspritzen. Um zu gruseln, sind nicht massenhaft Leichen nötig. Manchmal reicht es, schleichend und sachte die Grundfesten der heimischen Sicherheit zu zerstören, um dem Publikum schlaflose Nächte zu verschaffen. Das hat auch Bryan Bertino begriffen. Den Horrortrip, auf den der Regisseur seine Hauptdarsteller Liv Tyler und Scott Speedman schickt, dürfte zwar den hart gesottenen Fans des Genres zu harmlos sein, doch alle anderen werden ihre Haustür dreimal abschließen, bevor sie ins Bett gehen.„The Strangers“ beschreibt ein als fürchterlich romantisch geplantes Wochenende von James und Kristen im Sommerhaus seiner Eltern. Er hat ihr einen Heiratsantrag gemacht, sie ist aber noch nicht so weit. Dann stehen auf einmal maskierte Fremde im Garten und bedrohen das Pärchen. Mit Kleinigkeiten terrorisieren sie die beiden. Am erschreckendsten mag die Szene sein, in der Kristen in der Küche ein Glas Wasser trinkt und nicht merkt, dass ein Fremder hinter ihr steht.Dass sich Bertino mit seiner Geschichte trotz der kurzen 85 Minuten viel Zeit für den Terror lässt und sich Szenen, in denen eigentlich nichts passiert, bedrohlich langsam dahinschleichen, trägt dazu bei, dass der Spannungsbogen bis ins fast Unerträgliche gespannt wird. Mehr als ein paar Soundeffekte, ein durchs Haus schleichender Mann mit einem Jutesack über dem Gesicht sowie das ängstliche Gesicht der wunderschönen Liv Tyler braucht es nicht, um bis ins Mark zu erschrecken.
Erschienen in der Dewezet am 25. November 2008.

Der Mann, der niemals lebte

Erfolgsregisseur Ridley Scott hat sich nach „Black Hawk Down“ ein weiteres Mal ein politisches Thema vorgenommen. Diesmal zieht es Scott in den Nahen Osten. Roger Ferris ist hinter dem Al-Quaida-Führer Al-Saleem her. Während Ferris versucht, sensibel die kulturellen Unterschiede zu verstehen, respektvoll mit dem Geheimdienst Jordaniens zusammen zu arbeiten, macht ihm sein Chef Hoffmann durch nicht abgesprochene Aktionen einen Strich durch die Rechnung. Scott baut mit seiner Geschichte ein verworrenes Netz aus Lügen und Intrigen auf, die die Situation im Nahen Osten nicht nur durch die ständig unberechenbaren Anschläge im Chaos versinken lassen.Ferris schlittert von einem Schlamassel ins nächste, hat Ideen, scheitert oder ist erfolgreich. Das Ziel rutscht durch irgendeinen Faktor dann doch wieder außer Reichweite. Auch lässt Scott seine Figuren Ferris und Hoffman für sich stehen ohne sie psychologisch zu sehr für das Publikum zu sezieren. Schließlich konnte der Regisseur Leonardo DiCaprio für die Rolle des jungen Ferris und Russel Crowe als Hoffmann gewinnen. Diese beiden Mimen brauchen keine platte Erklärung, sondern hauchen ihren Figuren so viel Seele ein, dass kleine Blicke viel mehr sagen als elaborierte Flashbacks oder gefeilte Dialoge. Dass Scott mit „Der Mann, der niemals lebte“ keine Schwarz-Weiß-Haltung bezieht, sondern stattdessen versucht das Chaos einzufangen, macht den brisanten und mutigen Film umso sympathischer. Erschienen in der Dewezet am 22. November 2008.

Willkommen bei den Sch'tis

Eigentlich hatte Postdirektor Philippe Abrams versucht sich an die Côte d’Azur versetzen lassen, damit die Depressionen seiner Frau besser werden. Doch als er sich, um seine Bewerbung zu beschleunigen, als Rollstuhlfahrer ausgibt und der Schwindel auffliegt, wird der gebeutelte Mann zur Strafe in den hohen Norden nach Bergues in die Nähe der belgischen Grenze geschickt.Touristenbewegunggen NordenSo wie alle Menschen voller Vorurteile stecken, wenn es um ihre Landsmänner im Norden, Süden, Osten oder Westen geht, hat auch Südfrankreich genaue Vorstellungen, was sich im Norden so abspielt: Die Temperaturen steigen nur knapp über null Grad, die Menschen sind Alkoholiker und laufen bleich durch die Gegend, weil die Sonne wenig scheint und überhaupt alles ganz fürchterlich unzivilisiert ist.Regisseur Dany Boon hat seine Kindheit selbst im Norden in Nord-Pas-de-Calais verbracht und spielt nun vergnügt und ausgelassen mit den weitverbreiteten Vorurteilen. In Frankreich hat sich das Ergebnis als erfolgreichster Film aller Zeiten an den Kinokassen noch vor „Titanic“ in die Herzen der Menschen gespielt und eine wahre Touristenbewegung gen Norden ins Rollen gebracht.Denn natürlich braucht Abrams bei der Ankunft im neuen Büro seinen dicken Anorak nicht und auch seine Mitarbeiter sind ganz normale, liebenswerte Menschen, die nur einen etwas seltsamen Dialekt sprechen, der anfangs zu einigen niedlichen Missverständnissen führt. Es dauert nicht lang und Abrams fühlt sich im Norden pudelwohl. Zuhause erzählt er seiner Frau am Wochenende aber wahre Horrorgeschichten, da ihr Mitleid das Beste ist, was seiner Ehe seit langem passieren konnte. Bis sie zu ihm halten will und die Reise gen Norden antritt.„Willkommen bei den Sch’tis“ ist vor allem deswegen eine solch quietschvergnügte Freude, weil die Geschichte sich nie auf Kosten anderer lustig macht, sondern fast schon zärtlich mit ihren Figuren umgeht. Zwar mag die Übersetzung einiges an Charme auf dem Weg verlieren. Aber wer sich diesen sympathischen Streifen nicht ansieht, der ist einfach selbst schuld.
Erschienen in der Dewezet am 18. November 2008

Zufällig verheiratet

Emma Lloyd ist eine der Frauen, die in der Liebe nichts dem Zufall überlassen möchten und sich nur auf den perfekten Partner einlassen. Alles andere wäre ja Zeitverschwendung. Die zielstrebige Frau ist zudem Radiomoderatorin von der erfolgreichen Sendung „Wahrhafte Liebe“ und redet mit Anruferinnen über ihre Liebeskonzepte. Als sie der Anruferin Sophia rät, ihre Hochzeit abzusagen, gerät ihr Leben ins Schwanken. Denn: Der versetzte Bräutigam Patrick will „Dr. Love“ eins auswischen. Er hackt den Standesamtcomputer und trägt sich selbst als ihr Ehemann ein. Als Emma den Verleger Richard – ihr wahres Sinnbild eines perfekten Partners – ehelichen will, erfährt sie vom Göttergatten. Dass es zwischen den nicht ganz so zufällig Verheirateten anschließend knistert und der charmante Bauchmensch Patrick Emmas Welt nicht nur durcheinanderwirbelt, sondern auch ihr Herz gewinnt, versteht sich ja wohl von selbst.Es ist schon eine Weile her, dass dank Meg Ryan mindestens einmal im Jahr eine Seufz-Romanze mit genug Szenen für die Lachmuskeln in die Kinos kam. Eine wirkliche Nachfolgerin hat Miss Sweetheart nicht gefunden. Auch Uma Thurman wird diesen Posten bestimmt nicht übernehmen. Zwar wuselt sich Tarantinos Muse herrlich unbeholfen, sympathisch und sehr hübsch durch die romantische Komödie, doch es wäre schön, wenn sie genre-flexibel bliebe.SympathischerHauptdarstellerEin männliches Pendant zu Lächelkönigin Ryan könnte „Zufällig verheiratet“ dagegen entdeckt haben. Wer Jeffrey Dean Morgan als den impulsiven Patrick nicht sofort lieb hat, hat einfach keine Augen im Kopf. Da stört es auch nicht, dass der Film ganz vorhersehbar nach den seit Jahren existierenden Vorgaben von „Wie bastel ich mir ganz einfach eine romantische Komödie“ aufgebaut ist.Neben Thurman und Morgan gibt sich außerdem Colin Firth die Ehre und spielt die Rolle, die er immer wieder, in so vielen Filmen schon, so gut eingeübt hat: die des dritten Rads am Wagen und des Verlierers im Kampf um das Herz der Lady. Einfach knuffig.
Erschienen in der Dewezet am 15. November 2008.

Krabat

Otfried Preußler ist eigentlich berühmt für seine familienfreundlichen Geschichten. Ob nun „Die kleine Hexe“ oder „Räuber Hotzenplotz“, Preußler gehört einfach zur literarischen Kindheit dazu. Krabat dagegen richtet sich an das bereits etwas reifere Publikum. Nun wurde der Jugendroman von 1971 mit junger Starbesetzung verfilmt. Die Geschichte der 14-jährigen Waisenjungen, der während des 30-jährigen Krieges seine Mutter an die Pest verliert, bei einem Müller als Lehrling anfängt und dort auch gemeinsam mit elf anderen Burschen in die Schwarze Magie eingeweiht wird, wirkt wie ein seltsames Gipfeltreffen von der zauberhaften Welt von Harry Potter und der stinkenden und schlammigen Realität von „Schlafes Bruder“.Ständig sind Krabat und die Gesellen beschmiert mit Dreck und Mehl, haben sogar größtenteils verfilzte Haare und gelbe Zähne. Dass Krabats Beißerchen in einigen Szenen so strahlend weiß über die Leinwand blitzen als würde Brad Pitt zu einem Foto-Shoot vorbeischauen, ist nur einer von vielen, aber kleinen und verschmerzbaren Schönheitsfehlern.Was für den neugierigen Jungen wie ein großes Abenteuer beginnt, das verspricht ihn von den einfachen Menschen abzuheben, wird bald bitterer Ernst. Denn der Meister benutzt seine Lehrlinge, um jung zu bleiben. Jedes Jahr zieht er gealtert und zerbrechlich in die verschneiten Berge. Dann stirbt einer der jungen Männer, der Meister kehrt verjüngt zurück und ein Neuankömmling nimmt den Platz des Toten ein: Der ewige Kreislauf der Mühle. Nur die Liebe kann den Zauber brechen.Verletzlichkeitund StärkeWährend Jungstar David Cross stellenweise etwas unbeholfen durch seine Rolle tapst, besticht vor allem Daniel Brühl als sein väterlicher Freund Tonda. Brühl verbindet die Verletztlichkeit und Stärke seiner tragischen Figur und spielt sich trotz seiner kurzen Zeit auf der Leinwand – wie kein anderer in diesem düsteren Streifen – in das Herz des Publikums. Ob der Film die Erwartungen der Krabat-Fans erfüllen kann, bleibt allerdings abzuwarten. Erschienen in der Dewezet am 8. November 2008.

James Bond 007: Ein Quantum Trost

Daniel Craig hat mit „Casino Royale“ die Feuerprobe bestanden und kehrt nun für seinen zweiten Bond zurück. Da er mit seinem Erstling bereits den Standard gesetzt hat, der härteste Bond aller Zeiten zu sein, muss der Brite diesmal natürlich noch einen draufsetzen. Dass ausgerechnet der deutsche Feingeist Marc Forster dafür auf dem Regiestuhl Platz nahm, sorgte zwar anfangs etwas für Verwirrung. Doch Forster liefert mit seinem ersten Action-Film wahre Bombastik. Rasende Autos undfliegende FäusteUnd das ohne viel Schnickschnack, sondern mit viel handgemachtem Krawumm, rasenden Autos und fliegenden Fäusten. Die Eingangsszene, in der Bond bei einer Autojagd in Italien arg lädiert wird, wirkt, als wolle Forster von Anfang an nicht nur beweisen, dass er dieses Genre beherrscht. Dass der Zuschauer bei all den schnellen Schnitten kaum noch Luft holen kann, scheint Forster auch für den restlichen Film nicht zu stören. Schließlich ist es nicht wichtig, ob jeder kleine logische Schritt vom Publikum wahrgenommen wird.„Ein Quantum Trost“ setzt dort an, wo „Casino Royale“ aufhört. Bond hat sich Mr. White geschnappt, der hinter dem Tod von Vesper stecken könnte. Doch Bond und seine Chefin M erfahren, dass sich dahinter eine viel größere Organisation namens Quantum verbirgt. Wütend fegt Bond nun von Italien über Österreich, Haiti und Bolivien und die Leichen böser Jungs und schöner Mädchen pflastern schnell seinen Weg.Während Daniel Craig souverän durch den Streifen rennt, ballert und kämpft, erweist sich Regisseur Forster als wahrer Glücksgriff. Nicht nur, dass der Deutsche, der sich vor allem durch „Drachenläufer“ und „Wenn Träume fliegen lernen“ einen Namen gemacht hat, das Tempo auf höchstem Niveau hält und dennoch Zeit für die kleinen stillen Momente findet. Auch hat Forster ein Auge für schöne Einstellungen, Winkel und Bildkompositionen.Besonders die Kombination der Tosca-Musik in Bregenz mit dem Geballer hinter der Bühne hat ungewöhnlich viel Stil. Dass es weit weniger Sexszenen gibt als in allen anderen Filmen über den Super-Agenten, tut dem Streifen keinen Abbruch. Die beiden Bond-Girls Olga Kurylenko und Gemma Arterton hinterlassen dennoch einen starken Eindruck.
Erschienen in der Dewezet am 7. November 2008.

Mirrors

Wenn ein Schauspieler erst einmal durch eine Rolle so sehr zur Ikone geworden ist wie Kiefer Sutherland durch Jack Bauer in der TV-Serie 24, dann ist es sehr schwer die Figur für andere Projekte wieder abzuschütteln. So sehr Sutherland bemüht ist, seiner Figur Ben eine gebrochene Qualität zu verleihen und ihn zum einfachen Mann zu machen, wartet man förmlich darauf, dass sich der Mann als Top-Agent von CTU zu erkennen gibt, sobald der ehemalige Cop seine Waffe zieht. Doch das tut dem Horrorstreifen Mirrors keinen Abbruch.Polizist Ben hat den Tod eines Kollegen nicht überwunden. Durch seinen Zusammenbruch hat er sowohl seinen Job als auch seine Familie verloren und versucht, sich wieder zu berappeln und vom Sofa seiner Schwester wegzukommen. Dafür arbeitet er als Nachwächter in einem alten ausgebrannten Kaufhaus. Dort muss er schnell entdecken, dass hinter den riesigen Zierspiegeln etwas Böses lauert und ihm über alle Spiegel folgen kann.Besonders die anfänglichen Szenen im dunklen Kaufhaus, in denen fast nichts passiert, sind fast unerträglich spannend, weil sie eine schaurig bedrohliche Atmosphäre aufbauen, die jeder, der schon mal irrationale Angst im Dunkeln verspürt hat, kennt. Was als scheinbar harmloses Spiegelkabinett von gruseligen Trugbildern beginnt, wird schnell zur grausamen Bedrohung.Regisseur Alexandre Aja schont auch im übersinnlichen Genre sein Publikum nicht. Spätestens, wenn Amy Smarts Spiegelbild sich selbst den Unterkiefer langsam aus dem Gesicht reißt, ist klar warum der Film erst ab 18 Jahre freigegeben ist. Mirrors ist zwar nicht gerade ein Feuerwerk an Originalität. Dennoch ist der Film ein durch und durch gelungener Horrorschocker.
Erschienen in der Dewezet am 4. November 2008.

Nordwand

Auch wenn Philipp Stölzls Alpin-Drama „Nordwand“ um die Erstbesteigung der Eiger Nordwand auf historischen Tatsachen beruht und sich auf Gegebenheiten aus dem Jahr 1936 beziehen, erinnert der Film doch bitter an die Bergsteiger-Drama, die noch vor kurzem die Nachrichten immer wieder beherrschten.In einer Kombination aus dem traditionellen und inzwischen lange tot geglaubten Genre des Heimatfilmes und einem packenden Actiondrama ist Stölzl ein Film gelungen, von dem sich Kinogänger mit schwachen Nerven und chronischer Höhenangst fernhalten sollten. Allen anderen wird Drama auf höchstem Niveau geboten.Deutschland steht kurz davor als Gastgeber die Olympischen Spiele in Berlin zu eröffnen. Um auch außerhalb der Stadien mit deutschen Sporthelden auftrumpfen zu können, wird die Besteigung des gefährlichen Berges Eiger – und seiner mörderischen Nordwand – gefördert. Während sich die beiden kraxelnden bayrischen Freunde Toni Kurz und Andi Hinterstoisser, gefolgt von zwei österreichischen Konkurrenten, aufmachen als erste die Bergspitze des letzten ungelösten Problems der Alpen zu erreichen, beobachtet Tonis Jugendliebe, die junge Journalistin Luise, von unten das Geschehen. Begleitet wird sie von ihrem großkotzigen Chefredakteur Arau.Kampf umsnackte ÜberlebenDer sportliche Wettkampf beginnt und die Schaulustigen belegen die Fernrohre. Sehr schnell verlieren die Bergsteiger aber die Kontrolle über ihr Unterfangen und kämpfen bald ums nackte Überleben. Immer wieder schneidet Stölzl zwischen der kargen Bergwand im Schneesturm und dem gemütlich prasselnden Kamin im Hotel am Fuße des Felsens hin und her. Die krassen Unterschiede zwischen den leidenden Bergsteigern und den selbstgerechten, sich am Kuchen labenden, Hotelgästen kommentiert das makabre Geschehen ohne jedoch pathetisch den Zeigefinger zu heben.Zwar hält sich Stölzl bewusst fern von dem Stil der Bergsteiger-Blockbuster wie „Cliffhanger“ oder „Vertical Limit“ – dennoch reißt „Nordwand“ fast unerträglich an den Nerven, sodass man den tragischen Protagonisten gar nicht mehr dabei zusehen mag, wie sie in ihr Verderben steigen.„Nordwand“ ist die spannende Wiederauferstehung des Bergfilms, der mit Benno Fürmann, Florian Lukas, Johanna Wokalek und Ulrich Tukur eine glänzende Besetzung vorzuweisen hat.
Erschienen in der Dewezet am 1. November 2008.

High School Musical 3: Senior Year

Der Vorspann und Filmtitel provoziert bereits im Kinosaal verhaltenen, wenn auch sehr aufgeregten Applaus. Dann schwenkt die Kamera und ganz groß im Bild ist er: „Kreisch!! – Oh mein Gott – ist der süüüüß!“ Zac Efron. Er ist der ganz große Star. Der Erbe von Patrick Swayze, Brad Pitt und Leonardo DiCaprio.Jede Generation scheint ihren Tanz-/Musikfilm zu haben. Was für die einen „Grease“, ist für die anderen „Dirty Dancing“ – und jetzt eben „Highschool Musical“. Das Phänomen der Reihe ist allerdings ungewöhnlich. Gestartet sind Troy, Gabriella und ihre Wildcats-Freunde als Fernsehfilm. Doch noch nie erlebte ein für das Fernsehen produzierter Streifen einen derartigen Erfolg und schlug anschließend auf DVD wie eine Bombe unter den Teenagern ein.Der TV-Nachfolger stand dem in nichts nach. Und jetzt geht es mit dem dritten Teil ins Kino. Troy Bolton ist der Inbegriff des neuen Teenager-Ideals: Gut aussehend, populär, sensibel, offen, loyal und verliebt. Außerdem ist er ein Sportass und kann verdammt gut singen und tanzen. Dass jedes Mädchen ihn so süß und verliebt ansehen möchte wie die hübsche und hochbegabte Gabriella, ist also kein Wunder.Troy und Gabriella sehen ihrem Abschied entgegen. Die Highschool geht zu Ende. Gabriella geht nach Stanford und Troy soll am heimatlichen College Basketball spielen. Über 1500 Kilometer würden das hübsche Paar trennen. Hinzukommt noch, dass Troy sich gar nicht mehr sicher ist, ob er wirklich im Basketball seine Zukunft sieht. Schließlich fühlt er sich auf der Theaterbühne auch sehr wohl. Um ihre Schulzeit gebührend abzuschließen, nehmen die beiden mit all ihren Freunden ein letztes Mal an einer Musical-Aufführung teil. Natürlich macht Ryan die Choreografie, Kelsey schreibt die Musik und die leicht intrigante Sharpay versucht, das Spotlight irgendwie auf sich zu richten.Mit dem Sprung auf die große Kinoleinwand ist dem Highschool-Musical-Team ein unheimlich sympathischer Film mit schicken Tanzszenen und schmissigen Liedern gelungen. Also Mädels: Kreischt und genießt euren ganz eigenen ikonischen Tanzfilm.
Erschienen in der Dewezet am 25. Oktober 2008.

Der Mondbär

Ein kleines Flugzeug kommt am Nachthimmel ins Trudeln und stürzt ab. Doch bevor es im kleinen beschaulichen Wald eine Bruchlandung hinlegt, rammt es noch den Mond und der fällt vom Himmel. Dort findet ihn der Mondbär, der, wie sein Name es schon sagt, vom Mond besessen ist.Mondbär nimmt den Mond mit nach Hause, füttert ihn mit Honigkuchen und spielt Mühle mit ihm. Als am nächsten Morgen der Sonnenvogel zu zwitschern beginnt, fällt der Mond in einen Tiefschlaf, aus dem ihn die Waldbewohner nicht aufwecken können. Daraufhin ziehen Mondbär, Hase und Marienkäfer los, um eine Lösung zu finden, wie sie ihn wecken können und zum Himmel zurückbringen.Die Computeranimationen des Mondbären-Films orientieren sich stark an der Optik von Kinderbüchern für die ganz Kleinen, was einen durchaus interessanten Effekt hat.Doch die Geschichte zieht sich ziemlich unaufgeregt und mit seltsamer Logik. Besonders die Suche nach dem Sonnenvogel in dem grauen bedrohlichen Tal, in dem angeblich ein Wesen namens Polilux wohnt, das einem den Spaß aussaugt, hat etwas Verstörendes. Die rappenden Krähen sind dran nicht ganz unschuldig.Dass sich hinter Polilux ein etwas spleeniger und leicht obsessiver Junge verbirgt, der im Streit um die Farbe der Kuchentütchen seine Zwillingsschwester vergrault hat, macht die Sache nicht wirklich besser. Zumal Polilux mit seinem ständigen „Nicht, nicht wahr“ nach jeden Satz ein bisschen nervig ist.Unbehagen mitrüpelhaftem FuchsEine weitere Figur, die immer wieder etwas Unbehagen auslöst, ist der ständig rülpsende rüpelhafte Fuchs, der den Sonnenvogel unzerkaut schluckt, nur um in dann per Bungee-Springen wieder aus seinem Magen zu bekommen.Aber „Der Mondbär“ hat auch seine netten Seiten und Figuren. So etwa den witzigen Hasen, der für alles neben seinen Möhren nur wenig Aufmerksamkeit übrig hat und mit einem Glühwürmchen per schnippenden Fingern ein niedliches Licht-an-Licht-aus-Spiel erfindet und den Waldbewohnern damit auf den Sender geht.Auch der mit seiner Gitarrerockende Frosch hat durchaus seinen Charme. Doch leider ist ausgerechnet der Mondbär selbst blass und nicht besonders zum Liebhaben. Das kitschige Ende tut sein Übriges.
Erschienen in der Dewezet am 23. Oktober 2008.

Hellboy II: Die goldene Armee

Es hat schon seinen Grund warum der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro jedes Mal alle noch so renommierten und verlockenden Angebote ignoriert, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet seine Lieblingsfigur, den roten, höllisch guten Comic-Helden Hellboy auf die Leinwand zu bringen. Für die Fortsetzung der Comic-Verfilmung schlug er die Möglichkeit aus, beim sechsten Teil von Harry Potter die Zügel in die Hand zu nehmen. Del Toros Begeisterung für den Höllenjungen überträgt sich schnell auf das Publikum. Mit einer grandiosen Liebe zum visuellen Detail und großer Sympathie für all seine Figuren ob gut, böse oder die Schlimmsten erweckt der visionäre Filmemacher eine unglaublich fantasievolle Welt zum Leben.Del Toro hat seine Kinokarriere nicht vom Regiestuhl aus gestartet, sondern war lange Zeit auch im Make-up-Department zuhause. Vielleicht mag daher seine Vorliebe rühren, in seinen Filmen größtenteils auf Computer-Animation zu verzichten und stattdessen auf Masken und Prothesen zu setzen, die die Welt von Hellboy zu seelenvollem Leben erwecken.Ab und zu hängtder Haussegen schiefNachdem Hellboy im ersten Teil dem Feuermädchen Liz seine Liebe gestanden hatte, hängt nun ab und zu der Haussegen schief. Ich würde für sie in den Tod gehen, gesteht Hellboy seinem besten Freund, dem Fischmann Abe. Aber sie will außerdem, dass ich abwasche. Doch für das zänkisch liebevolle Geplänkel im trauten Heim haben Liz und Hellboy nicht lange Zeit. Elfenprinz Nuada ist enttäuscht von der Ignoranz und dem Hochmut der Menschen und beschließt mit der grausamen goldenen Armee Krieg gegen die Menschen zu führen und sie auszulöschen. Dazu braucht er die drei Teile der Elfenkrone.Die Hellboy-Fortsetzung ist visuell so aufregend geworden, dass kleine logische Schwächen, wie die Charakter-Entwicklung von Johann Krauss, oder kleine Längen kaum auffallen. Zudem hat Del Toro seine Geschichte wieder mit viel Humor gespickt und bietet in der Szene, in der Abe und Hellboy Bier trinkend und voller Liebeskummer gemeinsam einen Barry-Manilow-Song singen, eine der hübschsten Szenen des Comic-Genres.
Erschienen in der Dewezet am 21. Oktober 2008.

Das Lächeln der Sterne

Bei einigen Schauspieler stimmt einfach die Chemie. Richard Gere und Diane Lane, die anscheinend einmal pro Dekade beschließen, gemeinsam vor die Kamera zu treten, sind so ein Chemie-Duo. Dass diese beiden wunderschönen Mimen sich für ihr neustes Projekt nun ausgerechnet einen schnulzigen Nicolas-Sparks-Stoff ausgesucht haben, ist allerdings schade.Noch bedauernswerter ist es, dass die Dialoge und die Dramaturgie etwas gestelzt wirken, was mit Regisseur George C. Wolfe zusammen hängen mag, der bisher eher fürs Vorabendprogramm im Fernsehen „Action“ gerufen hat.Adrienne zieht sich für ein langes Wochenende zurück in das Strandhotel ihrer besten Freundin, die für ein paar Tage weg muss. Sie entflieht damit ihrem Ex-Mann, der zu ihr zurück will und ihrer Teenager-Tochter, die ihr für jedes Schlamassel die Schuld gibt. In dem Hotel gibt es nur einen Gast. Den traumatisierten Arzt Paul, der nach einem unerklärlichen Tod eines Patienten den Kontakt zu seinem Sohn und irgendwie auch zu sich selbst verloren hat. Ist ja klar, dass diese beiden verwundeten Seelen sich während eines Hurrikans in diesem wunderhübschen Haus näher kommen und sich gegenseitig heilen.Keine glückliche,gemeinsame ZukunftAber es wäre ja keine Sparks-Geschichte, wenn den beiden eine glückliche, gemeinsame Zukunft beschieden wäre. Natürlich nicht. Schließlich will Sparks ja die Tränendrüsen der Damen mittleren Semesters ein bisschen beanspruchen und die Verkaufszahlen der Taschentücher-Industrie ankurbeln.So kitschig und gleichzeitig hölzern die Geschichte manchmal daher kommt, die ganz, ganz großen Kinogefühle mögen einen nicht übermannen. Selbst dann nicht, wenn Lane über einem Brief herzzerreißend schluchzend zusammenbricht.Wären es nicht Richard Gere und Diane Lane, die da den Strand entlang spazieren, sich schmachtende Blick zu werfen, betrunken den Hurrican-Vorratsschrank von Adriennes Freundin ausräumen und Konservendosen wie Basketbälle Richtung Mülleimer werfen – nun – selbst der größte Kitschfan wäre etwas peinlich berührt.Doch so darf das netteste Traumpaar sympathisch vor sich hinturteln und der Kinofan hofft, dass beim nächsten Treffen der beiden ein Film rauskommt, auf den sie stolz sein können."4"Interview Seite 58 Erschienen in der Dewezet am 18. Oktober 2008.

U-900

Warum Atze Schröder für seinen ersten Kinofilm sich ausgerechnet Nazi-Deutschland als Rahmen seiner Geschichte ausgesucht hat, bleibt ein Mysterium und sein Geheimnis. Zumal Atze natürlich Atze bleibt. Inklusive 80er Jahre Proleten-Brille und Unterhose mit Leoparden-Aufdruck. Ob es die damals wirklich schon gab?Der etwas trottelige Sprücheklopfer kommt natürlich mal wieder in Schwierigkeiten, weil er die Finger nicht von der jungen hübschen Frau eines Generals lassen kann. Gemeinsam mit dem Juden Samuel, den er in seinem Keller versteckt hält, muss Atze nun fliehen.Kommando einesU-Bootes erschlichenMit ein paar geklauten Uniformen und Yvonne Catterfeld, verkleidet als dritter Mann im Bunde, erschleichen sich die Freunde das Kommando eines U-Bootes und steuern auf Gibraltar und die enge Poseidon-Spalte zu. Ein Kult-Szenario.Atze hat zwar keine Ahnung was er macht und klopft nur dumme Sprüche, dennoch führt er seine Mannschaft nicht in den sicheren Tod, sondern wo ganz anders hin. Dass nebenbei der „heilige Gral“ zum ersten elektrischen Fritierfetterhitzer umgebastelt wird, nimmt das Publikum bei all dem Chaos irgendwann auch noch erschöpft und achselzuckend hin.Atze tapstdurchs BildWährend Cast und Crew allesamt so tun, als würden sie an einer ernsthaften Hommage des legendären Wolfgang-Petersen-Klassikers „Das Boot“ mitwirken, tapst Atze durch das Bild und - ja, ne, is klar - ist halt Atze. Da sind die Sprüche platt und die Witze haben auch nicht viel mehr Höhen.Dennoch – erstaunlicherweise – hat der Film „U-900“durchaus etwas Sympathisches an sich. Das mag an der Naivität liegen, mit der Atze Schröder durch das enge U-Boot schlendert oder auch an den Nebendarstellern, die ihre Rollen ein kleines bisschen ernster nehmen, ohne aber dabei Schröder zum völligen Fremdkörper in dem Streifen werden zu lassen.Besonders nett ist der Kurzauftritt von Jan Fedder als alter Seebär, der bereits im Original-Boot mitgespielt hat. Die stoische Ruhe dieses Nordlichts und die putzigen Ausführungen zur Mission sind einfach Gold wert.Ansonsten ist „U-900“ zwar kein Film, den man unbedingt gesehen haben müsste, aber wer Atze Schröder mag, wird vermutlich auch seinen Spaß an dem harmlosen Klamauk haben.
Erschienen in der Dewezet am 14. Oktober 2008.

Eagle Eye

Mit „Eagle Eye“ ist Regisseur D.J. Caruso ein rasant spannender Thriller gelungen, bei dem auf schmerzhaft-spektakuläre Weise mehr Autos zu Schrott gefahren werden, als man zählen kann. Irgendwo zwischen Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ und „Der Staatsfeind Nr. 1“ zieht die Überwachungsparanoia in dem Streifen ihre beängstigenden Kreise. Das Szenario ist schon längst keine überspitzte Science-Fiction mehr, sondern im Bereich des technisch Möglichen. Genau das macht „Eagle Eye“ so beunruhigend und hinterlässt ein sehr ungutes Gefühl – wenn man über Wolfgang Schäubles Plan eines Überwachungsstaats nachdenkt.Dass ein paar logische Lücken im Drehbuch klaffen, wird durch das unglaublich hohe Tempo der Geschichte wettgemacht.Waffen, Gift und Sprengstoff findet Jerry unerwartet in seiner Wohnung. Als das Telefon klingelt, befiehlt ihm einen Frauenstimme zu fliehen, weil das FBI vor der Tür steht. Ähnliches passiert der allein erziehenden Mutter Rachel. Durch Überwachungskameras, Satelliten und Handys kontrolliert die offenbar allwissende Frauenstimme die Beiden und benutzt sie, um ein Verbrechen auszuführen. Schnell werden Jerry und Rachel als mutmaßliche Terroristen gesucht.Shia LeBeouf spielt sich mit „Eagle Eye“ nach „Indiana Jones 4“ und „Transformers“ einen Schritt weiter in die Action-A-Liga. Auch Michelle Monaghan mausert sich immer mehr zum Leinwandstar.Wer sich im Kino gerne einen kleinen Adrenalinstoß abholt, ist bei „Eagle Eye“ genau richtig.
Erschienen in der Dewezet am 11. Oktober 2008.

Der Love Guru

Galt Mike Myers doch zumindest für Projekte wie „Wayne’s World“ und „Austin Powers“ sowie für seine Arbeit bei „Saturday Night Live“ als komödiantisches Genie, werden seine Projektwahlen im Kino immer fragwürdiger. „Der Love Guru“ ist in den Staaten gefloppt. Und auch hierzulande wird ihn wohl ein ähnliches Schicksal ereilen.Guru Pitka, verkörpert von Myers höchstpersönlich, will unbedingt zu Oprah. Als sich die Gelegenheit für einen medienwirksamen Einsatz bietet, der ihn zur mächtigen Talkmasterin aufs Sofa bringt, greift der Guru zu. Das Liebesleben eines Hockeyspielers ist durcheinandergeraten und seitdem ist sein Spiel ziemlich daneben. Der Love Guru soll es richten, denn ein paar wichtige Spiele stehen an. Nebenbei verliebt sich seine Heiligkeit auch noch in Jane, die hübsche Managerin des Hockey-Teams. Doch da der Guru von seinem Guru einen Keuschheitsgürtel verpasst bekommen hat, bis er gelernt hat sich selbst zu lieben, kommt es zwischen den beiden zu einigen missverständlichen Situationen.Besonders hübsch sind die Momente, in denen Myers mit seinem indischen Sidekick Duette singt oder auf seinem Teppich durch die Flure flitzt. Schön auch, wenn Justin Timberlake Celine Dion anhimmelt oder der Krisenstab im Büro des kleinwüchsigen Verne Troyer einberufen wird. Das lässt zumindest vage daran erinnern, dass Myers durchaus Talent hat, auch wenn viele Gags nicht zünden. Die Albernheit seiner platten Witze wird zwar immer wieder durch herrlich absurde Situationskomik durchbrochen – doch dann lacht meist der Guru selbst am lautesten über den gelungenen Scherz. Und die keuchend-kichernde Guru-Lache geht einem irgendwann auf den Zeiger.Figur aus„Saturday Night Live“„Der Love Guru“ entstand übrigens als Notnagel-Projekt, nachdem sich Myers über dem Drehbuch „Dieter“ mit dem Studio zerstritten hatte. Dieter, ein ständig beleidigter deutscher Talkmaster, stammt ebenso aus der legendären Comedy-Show „Saturday Night Live“ wie auch Wayne und der Love Guru. Vorerst dreht der Komiker übrigens in Babelsberg mit Quentin Tarantino „Inglorious Bastards“. Welch ein Imagewechsel – man darf gespannt sein.
Erschienen in der Dewezet am 9. Oktober 2008.

Burn after Reading

Selbst wenn es bei den Coen-Brüdern harmlos vor sich hinplätschert, sollte man nie der Ruhe trauen. Denn die Regie-Genies, die im vergangenen Jahr mit ihrer brutalen Killer-Ballade „No Country for Old Men“ bei den Oscars abräumten, haben einen verdrehten Humor, der immer wieder für eine makabere Wendung gut ist. Wenn am Ende ihres neuesten Streifens „Burn after reading“ die einzigen zwei Figuren, die so etwas wie einen gewissen Überblick über die Geschehnisse haben, sich kopfschüttelnd fragen wie und warum gerade diese Menschen so katastrophal aufeinander gekracht sind, dann ist das höchst amüsant.Daten auf eineCD kopiertEin CIA-Agent wird gefeuert. Wütend über das abrupte Karriereende beginnt er seine Memoiren zu schreiben. Seine Ehefrau will sich scheiden lassen und kopiert seine Dateien auf eine CD.Diese landet durch Zufall in einem Fitnessstudio und wird dort von den Mitarbeitern gefunden. Der Trainer Chad und seine Kollegin Linda, die Geld braucht, weil sie sich mit Schönheitsoperationen neu erfinden will, finden den scheinbar heißen Datenträger. Die beiden Schlichtgestrickten wissen zwar nicht, was sie in der Hand halten, wittern aber ihre große Chance und versuchen den Agenten zu erpressen.Zwischenzeitlich werden die Russen involviert, die aber auch nicht so genau verstehen, was alle von ihnen wollen. Nebenbei schläft die Agenten-Ehefrau mit Harry, der außerdem eine Beziehung mit Linda anfängt. Am Ende sind zwei der Akteure tot, einer befindet sich im Koma und ein anderer auf der Flucht ins Ausland. Und im CIA-Headquarter schüttelt man die Köpfe…Die Coen-Brüder verstehen es mal wieder ganz unauffällig die Figuren auf Kollisionskurs gehen zu lassen. Ganz nebenbei, ganz alltäglich. Es geht um keine großen Dinge – auch wenn die Beteiligten genau das nicht so ganz kapieren. Jeder der Charaktere hat wundervolle vertrottelte Spleens.Genial an dem Streifen ist, neben dem unauffälligen gemächlichen Tempo, aber vor allem die Besetzung. John Malkovich war selten so herrlich entgleisend wie als geschasster CIA-Agent Cox, George Clooney brilliert als der paranoide Harry, der im Keller an einem Dildo-Stuhl bastelt und nach dem Sex immer joggen geht und Frances McDormand könnte einem, trotz ihrer seltsamen OP-Versessenheit, kaum schneller ans Herz wachsen.Doch die Show wird ihnen allen noch gestohlen: Brad Pitt begeistert als simpler und hyperaktiver Trainer Chad, der sich so viel Mühe gibt, als aalglatter Erpresser einen Coup zu laden. Ein herrlich makaberes Vergnügen – sehenswert.
„Burn after Reading“glänzt mit seinem Staraufgebot: Brad Pitt als Fitnesstrainer Chad Feldheimer, John Malkovich als Osborne Cox.
Erschienen in der Dewezet am 4. Oktober 2008.

Wall-E

Eine herzige Roboter-Liebesgeschichte mit Tiefgang plus ökologischem Subtext und ein technisches Meisterwerk – das ist „Wall-E“, der neue Animationsfilm aus den Pixarstudios. Aber nicht nur, dass „Wall-E“ visuell Filmgeschichte schreiben dürfte, auch bedarf es der hohen Kunst eines Charlie Chaplin oder Buster Keaton, mit so wenigen Worten so viel Herz und Story zu vermitteln. Viel gesprochen wird nämlich nicht in „Wall-E“ – die Dialoge halten sich in Grenzen.Es ist eine düstere Welt, die uns Pixar zeigt. Der Müll hat auf der Welt so sehr zugenommen, dass sie sich in einen einzigen Schrottplatz verwandelt hat. Die Skyline von Manhattan entpuppt sich schnell als riesiger Berg gepressten Abfalls. Vor 700 Jahren schon hat die Menschheit hat die Welt verlassen und tuckert auf einem Luxusraumschiff durchs All. Zurückgelassen hat sie Maschinen zum Aufräumen. Doch bis auf Wall-E haben selbst die inzwischen den Geist aufgegeben. Obwohl Wall-E jeden Tag zur Arbeit rollt, ist es ihm zu langweilig geworden, immer nur Müll zu pressen. Er sammelt stattdessen interessante Objekte; sein größter Schatz ist eine Videokassette von „Kiss me Kate“. Und dann landet ja noch die futuristische und schießwütige Sonde Eve auf der Erde, in die sich Wall-E Hals über Kopf verliebt.Es ist schon erstaunlich, wie Pixar es schafft, aus der finsteren Kulisse, die den baldigen Untergang unserer Erde prophezeit, eine herzige und liebevolle Komödie zu zaubern. Das Bild übrigens, das die Macher von unseren menschlichen Nachfahren zeichnen, ist äußerst originell, aber kein besonders schmeichelhaftes.
Erschienen in der Dewezet am 29. September 2008.

Tropic Thunder

Ben Stiller ist ein Genie. Auch wenn das immer wieder durch Flops wie „Nach 7 Tagen ausgeflittert“ in Vergessenheit gerät. Wahre kreative Größe erreicht der Komiker immer dann, wenn er auch auf dem Regiestuhl Platz nimmt und zuvor seine Finger beim Drehbuch im Spiel hatte. „Tropic Thunder“ ist der vorläufige Höhepunkt Stillers filmischen Schaffens.Actionstar, Komikerund CharakterdarstellerDie ersten durch zügelloses Lachen begleiteten Tränen fließen noch bevor die Geschichte ins Rollen gerät. Die drei Hauptfiguren, drei Schauspieler, werden durch die Trailer ihrer Filmprojekte vorgestellt. Da ist der Action-Star der zum hundertsten Mal in die Rolle eines Helden schlüpft, der nur in Onelinern kommuniziert. Der Komiker, der gleich alle debilen Mitglieder einer degenerierten Familie spielt, die einen Hang zum Furzen haben. Und dann ist da der Charakterdarsteller, der sich an die Figur eines schwulen Mönches heranwagt, der mit der Versuchung hadert. Diese drei Hollywood-Diven, grandios dargestellt von Ben Stiller, Jack Black und Robert Downey Jr., drehen gemeinsam einen Kriegsfilm, der bereits in der ersten Szene alle Konventionen von „Platoon“ bis hin zu „Apocalypse Now“ liebevoll durch den Kakao zieht. Weil der Regisseur seine Stars nicht im Griff hat, ändert er den ursprünglichen Plan und schickt sie in den Dschungel, um mit versteckten Kameras ein bisschen Realität einzufangen. Nur geraten die Mimen in einen echten Kleinkrieg. Dass sie dennoch alle Vorkommnisse für Special Effects halten, sorgt für die absurdesten Situationen.Erzählerisches Tempoim KomödienfachNicht nur, dass Stiller es versteht, sein Hollywood intelligent aufs Korn zu nehmen und ein wahres Gagfeuerwerk zu zünden. Auch hält er ein erzählerisches Tempo durch, dass im Komödienfach seines Gleichen sucht. Tropic Thunder ist ein Geniestreich. Ein Meisterwerk. Wundervolles Extra: Tom Cruise mimt einen dicken, halbglatzköpfigen cholerischen Produzenten und stiehlt mit seinen Kurzauftritten die Show. Das i-Tüpfelchen, das den Film in höhere Sphären hebt, ist aber Robert Downey Jr.: Der Ausnahmedarsteller spielt den Ausnahmedarsteller Kirk Lazarus, der sich einer Pigmentoperation unterzogen hat, um einen Schwarzen spielen zu können. Ein Schauspieler, der das Image liebt, seine Rollen zu leben. Das Augenzwinkern in Richtung prätentiöser Schauspielkunst war noch nie so brüllkomisch und dennoch von solchem Tiefgang. Vielen Dank, die Herren.
Erschienen in der Dewezet am 20. September 2008.

Babylon A.D.

Vin Diesel galt noch vor ein paar Jahren als der rechtmäßige Erbe der Actionstars Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone. Das Muskelpaket fürs Grobe, das die Herzen der Jungs höher schlagen lässt. Während sein einziger Konkurrent, Dwayne „The Rock“ Johnson, seine Karriere immer erfolgreicher ausbaute, sich aber weigerte sich auf ein Genre festlegen zu lassen, wurde es in den letzten Jahren still um den glatzköpfigen Diesel.„Babylon A.D“ sollte den ganz großen Karriereschub bringen. Doch der Endzeitstreifen wird dem Actionpublikum zu wirr und subtil sein, während die Dramafans sich von dem vielen Krabumm und den logischen Löchern abschrecken lassen.„Babylon A.D.“ sollte wohl irgendwo zwischen Diesels größten Erfolg „XXX - Triple X“ und dem Cyber-Punk-Klassiker „Blade Runner“ positioniert werden. Doch die Mischung funktioniert nur bedingt.Die Schnauzevoll vom KriegToorop ist ein desillusionierter Söldner, der sich irgendwo in Osteuropa durchschlägt und die Schnauze voll hat vom Krieg. Als Mafiaboss Gorsky ihm die Chance auf einen Neuanfang bietet, schlägt er zu. Er soll das Mädchen Aurora und ihre Begleiterin, eine Nonne, in die USA schleusen. Auf der Reise benimmt sich Aurora immer wieder seltsam, sodass sich ihr Begleiter fragt, ob sie einen Virus in sich trägt, der die Menschheit gefährden könnte. Eine Frage, die nie geklärt wird.Die tatsächliche Auflösung des Rätsel um das Mädchen bleibt allerdings auch ein kleines bisschen schwammig und unbefriedigend. Bei ihrer Reise ist das Trio mit einem Zug, einem russischen U-Boot und Schneemobilen unterwegs, bevor sie in einem New Yorker Taxi sitzen.Immer wieder macht der Film seltsame Sprünge, die so einige Fragen offen lassen. Auch scheint die Nonnenbegleiterin nur deshalb Toorop bei Rangeleien mit Kung-Fu-Hieben unterstützen zu können, weil Michelle Yeoh sich bereit erklärte die Rolle zu übernehmen.Regisseur Matthieu Kassovitz, der eine verwirrende Filmographie vorweisen kann, gelingt es, eine faszinierende Atmosphäre zu schaffen. Sein Endzeitszenario taucht nur am Rande durch Eisenbahnbrücken über Bombenkratern oder geklonten Tigern subtil auf und überfrachten nie die Gechichte.Dennoch – ein bisschen mehr Halt wäre nett gewesen, damit man als Zuschauer nicht ständig das Gefühl hat, dass die Story einem entgleitet. Dafür lenken die Actionszenen nicht spektakulär genug ab. Erschienen in der Dewezet am 13. September 2008.

Winx Club

Die Welt des „Winx Clubs“ begann mit einer Zeichentrickserie vor vier Jahren. Inzwischen haben die Feen das Marketing-Universium völlig für sich erobert. Musik-CD, Comic-Magazin, Spielzeug, Panini-Bildchen – Bloom und ihre fünf Freundinnen sind überall dort zu finden, wo kleine Mädchen ihren verzweifelten Eltern Geld aus der Tasche jammern können. Und jetzt geht es auch noch ins Kino. Diesmal computeranimiert.Die Vorgeschichte rattert der Erzähler etwas wirr runter. Bloom ist ein einfaches Mädchen, bis sie entdeckt, dass sie eine Fee ist. Nun geht es in die Feen-Schule, wo sie und ihre schnatternden Freundinnen lernen sich zu verwandeln und ihre Kräfte zu nutzen. Ach ja – Bloom ist übrigens auch eine Prinzessin, ihre Eltern wurden von den bösen Urhexen in eine andere Dimension geholt, ihre Welt ist zerstört. Als der Schulabschluss ansteht, ist Bloom davon besessen, ihre Eltern zu finden. Also vereinen die Mädchen ihre Kräfte wie die Power Rangers, schnappen sich ihre Jungs, die ja nicht fehlen dürfen, und machen sich auf die Suche.Die Geschichte ist nicht schlecht erzählt. Doch es lässt sich nicht verbergen, dass „Winx Club“ vom italienischen Regisseur Igninio Straffi einzig dazu dienen soll, schnellstmöglich Geld zu verdienen. Die Figuren sind allesamt unglaublich lieblos und technisch teilweise schlecht animiert. Die Dialoge der zickigen und oberflächlichen Charaktere gehen einem schnell auf die Nerven. Zudem unterscheiden sich die Hauptfiguren ausschließlich durch ihre Frisuren und Klamotten voneinander.„Winx Club“ steckt zwischen Harry Potter für ganz Arme, Mangas wie Pokémon und dem Wir-haben-uns-alle-lieb-Universum der „Mein kleines Pony“-Welt. Ob die sehr junge Fangemeinde sich trotzdem von der Feen-Welt begeistern lässt, bleibt abzuwarten. Erfolg hat sich der hingeklatsche Streifen jedenfalls nicht verdient.
Erschienen in der Dewezet am 11. September 2008.

Wanted

Sicherlich wird es bei Filmen wie „Wanted“ immer wieder die Diskussion gegeben, ob die Masse an Gewalt wirklich nötig ist, die der Film zeigt. Ist sie verherrlichend? Ja, sogar gefährlich? Sicherlich muss es diese Diskussionen immer wieder geben. Doch bei „Wanted“ verpasst man möglicherweise ein visuelles Meisterwerk, das sich selbst genau diese Frage stellt. Muss die Gewalt wirklich sein? Nun die Killer der Bruderschaft töten nicht aus Blutrausch oder weil sie Gewalt für eine spaßige Sache halten. Sie töten, um Leben zu retten. Schließlich stand auch schon die Frage mal im Raum, was wäre passiert, wenn jemand Hitler vor seiner Machtergreifung einfach ausgeschaltet hätte? Wäre die Welt dann ein besserer Ort gewesen? Die Antwort der Bruderschaft: Ja.MoralischeZwickmühleSo sehr Regisseur Timur Bekmambetov seine Figuren mit dieser moralischen Zwickmühle hadern lässt, er verkopft seinen Film nie. Der Tiefgang steht nie dem visuellen Genie des Russen im Weg, der im Alleingang die Kinosprache seines Landes mit „Wächter der Nacht“ revolutioniert hat.Wesley Gibson ist ein ganz fürchterlich langweiliger Typ. Es interessiert ihn nichts. Er arbeitet mehr schlecht als recht als Account Manager und seine Freundin betrügt ihn mit seinem besten Freund. Für seine Panikattacken hat Wesley ein Dauerrezept bei der Apotheke.Da steht plötzlich diese unglaublich erotische Frau Fox (Angelina Jolie) vor ihm und erklärt, dass sein Vater einer der begnadetsten Killer war und gerade umgebracht wurde. Sekunden später hagelt es Kugeln. Es dauert nicht lange und Wesley, der sich anfangs noch hysterisch kreischend und tollpatschig wehrt, steckt mitten in der Killer-Ausbildung. Er soll den abtrünnigen Cross, der seinen Vater umgebracht haben soll, ausschalten.Bekmambetov inszeniert nicht nur eine gewaltige Balleroper mit Einstellungen und Slow-Motion-Bilder wie man sie so noch nie gesehen hat. Mitten drin steckt Hämpfling und Charakterkopf James McAvoy als Wesley, der seine erste Rolle als Actionheld kaum besser ausfüllen könnte. Ihm zur Seite stehen die bildschöne Angelina Jolie, die sich mit „Wanted“ offiziell aus dem Actionfach verabschieden will und der charismatische Morgen Freeman als Bruderschafts-Boss.Bekmambetov hat es verstanden mit „Wanted“ visuelles Genie, mit spannender Story, Tiefgang und ganz großem schauspielerischem Talent zu verbinden.
Erschienen in der Dewezet am 6. September 2008.

Dave

War Eddie Murphy doch einst Garant für einen Hit, so hat sich der Komiker zuletzt zum reinsten Kassengift entwickelt. Nur seine Sprechrolle als Esel in den „Shrek“-Filmen zeugte von vergangenem Ruhm. Auch seine neue Komödie „Mensch Dave“ wird diesen Trend nicht herumreißen können. Dabei ist der Film ganz nett geworden.Unauffälliges Flugobjektin Form von „Dave“Den Bewohnern des Miniaturplaneten Nil droht eine Energiekatastrophe. Also schicken sie ein Raumschiff zur Erde, um diese anzuzapfen. Was allerdings das Ende der Erde bedeuten würde. Damit sie nicht auffallen, sieht das Flugobjekt aus wie Eddie Murphy, nennt sich Dave und wird von einer kleinen Crew gesteuert, deren Captain ebenfalls von Eddie Murphy gespielt wird. Ein paar erste skurrile und ungelenke Gehversuche später, kracht das Schiff mit Gina und ihrem Auto zusammen. Prompt wird Dave von der quirligen Single-Mutti eingeladen, mit ihrem Sohnemann Josh und ihr am Familienleben teilzunehmen. Gar nicht so einfach. Die Crew hat nun alle Hände voll zu tun, um nicht als Alien aufzufallen und soziales Verhalten auch immer richtig zu interpretieren. Die sonst so gefühlslose Rasse wird von unbekannten Emotionen auf dem Planeten Erde angesteckt und macht im Kopf von Raumschiff Dave eine seltsame Wandlung durch.Am meisten dreht „Mensch Dave“ auf, wenn die Crew versucht ganz subtil sich den Bräuchen und Gepflogenheiten der Menschen anzupassen und immer wieder ein klitzekleines bisschen daneben greift. So klappt das Lächeln nicht immer ganz, der Captain versteht eine Grußformel von Kaufhausangestellten völlig falsch und eine Ketchup-Flasche wird mit einem erfrischenden Getränk verwechselt. Dass ausgerechnet ein mittelloser Penner, der besorgt seine einzige Decke mit Dave teilt, das Herz der kleinen Nil-Bewohner zum Schmelzen bringt, ergibt eine hübsche Szene.„Mensch Dave“ ist eine naiv-sentimentale Komödie über die Kraft von Emotionen und Freundschaft. Das ist zwar ganz nett, aber auch nicht der ganz große Wurf. Die Gags des Streifens sind eindeutig an ein jüngeres Publikum gerichtet und kommen tollpatschig und schlicht daher – was liebenswert und auch witzig ist. So ist Brian Robbins’ Science-Fiction-Werk ein kurzweiliger Spaß ohne besonders hohen Anspruch, aber dafür mit einer sympathisch erzählten, seltsamen Handlung.
Erschienen in der Dewezet am 30. August 2008.

Batman: The Dark Knight

Bereits jetzt hat der neue Batman-Film von Christopher Nolan – „The Dark Knight“ – alle Rekorde an den Kinokassen gebrochen. Und das liegt nicht nur an der makabren und bittersüßen Sensationslust der Zuschauer, die den Film sehen wollen, der den begnadeten Schauspieler Heath Ledger in den Tod getrieben haben soll. Nolan hat mit seinem zweiten Film über den Fledermaus-Mann ein Blockbuster-Meisterwerk geschaffen. Es gelingt ihm der schwierige Spagat zwischen rasanter Action, temporeicher Unterhaltung und zerrissenem Tiefgang. Dabei greift er zudem Themen auf, wie die gesellschaftliche Dynamik, die durch ständige Bedrohung von Terrorismus entsteht, und beleuchtet sie, ohne mit dem Holzhammer daherzu- kommen. Und das hält er über knapp drei Stunden durch – ohne jemals auch nur für ein paar Minuten langweilig zu werden.Strahlender Heldoder KriminellerDer selbst ernannte Beschützer und Rächer von Gotham City muss mit seinem zwiespaltigen Ruf kämpfen. So halten ihn die einen für einen strahlenden Helden und versuchen ihn sogar mit Nachahmer-Kostümen zu unterstützen, und die anderen sehen ihn als einen Kriminellen, der hinter Gitter gehört. Auch wird Gothams Situation nicht besser durch den Kampf des dunklen Rächers. Im Gegenteil: Batman drängt die Verbrecher in die Ecke und zwingt sie so zu extremen Maßnahmen. Auch werden Schurken ganz anderen Kalibers von dem Helden angezogen. Als der psychopathische Joker in der Stadt auftaucht, findet er den perfekten Nährboden, um schreckliches Chaos anzurichten. Welche seelischen Narben sich hinter dem Fratzengesicht dieses Superverbrechers verbergen, scheint einerlei. Gleichzeitig gibt der rechtschaffene Anwalt Harvey Dent als strahlender weißer Ritter der Stadt ein bisschen Hoffnung.Schier unlösbareEntscheidungenImmer wieder stellt Nolan, der auch das Drehbuch geschrieben hat, seine Figuren vor schier unlösbare moralische Entscheidungen, aus denen keiner heil am Ende wieder rauskommt. Dabei bringt Christian Bale erneut die tiefe Zerrissenheit des Milliardärs Bruce Wayne, der nachts zu Batman wird, subtil auf die Leinwand, während Heath Ledger mit seiner fiebrig-manischen Darstellung des Jokers durch den Film fegt. Die Rufe nach einen posthum verliehenen Oscar werden berechtigterweise immer lauter. Unterstützt werden die beiden Kontrahenten von Aaron Eckhart, der als Harvey Dent bald die tragische Verwandlung in Two Face ertragen muss. Außerdem dabei: die wundervolle Maggie Gyllenhaal, die Katie Holmes als Rachel ablöst, sowie Michael Caine als Alfred und Morgan Freeman als Lucius Fox. „The Dark Knight“ ist eine cineastische Sensation, die man unbedingt auf der großen Leinwand und nicht erst auf DVD sehen sollte.
Erschienen in der Dewezet am 23. August 2008.

Star Wars: The Clone Wars

Während noch vor ein paar Jahren ein neuer Star Wars-Film Monate zuvor Hysterien der Vorfreude verursachte und Fans vor Kinos campten, um ihre Lieblingscharaktere so früh wie möglich auf der großen Leinwand in einer weit, weit entfernten Galaxis wiederzusehen, lief der neu Streifen aus dem Lucas-Universum für viele Star- Wars-Liebhaber völlig unbemerkt in den Kinos an. Und das ist auch besser so.Schaden im kollektivverklärten GedächtnisHat George Lucas doch schon mit der zweiten Trilogie genug Schaden im kollektiv verklärten Gedächtnis der Science-Fiction-Freaks angerichtet. Anstatt liebevoll mit seinen großartigen Figuren umzugehen, hat Lucas sein Franchise in eine einzige Geldmaschine verwandelt. Stars Wars: The Clone Wars ist nichts weiter als ein übergroß aufgezogenes PR-Vehikel für die neue Animationsserie, die in diesem Jahr noch im Fernsehen starten soll. Bereits vor fünf Jahren kämpften Anakin Skywalker und sein Lehrer Obi-Wan Kenobi gemeinsam in einer Zeichentrick-Serie auf den Cartoon-Kanälen gegen die Droiden-Armee der Separatisten. Die Serie hieß sinnigerweise und völlig anders als das neue Projekt: Star Wars: Clone Wars. Man achte auf das brillant fehlende The. Komplett neues Projekt!Die Geschichte spielt zwischen Episode II und III. Count Dooku und damit verrät man wirklich nicht zu viel, hat Jabbas Sohnemann entführt und will das Verbrechen den Jedis in die Schuhe schieben. Denn Jabbas kontrolliert wichtige Handelsstrecken und könnte angeblich den Ausgang des Krieges entscheiden. Der Animationsstil ist an sich ganz aufregend und originell. Leider wirken die Figuren dadurch steif wie Holzpuppen. George Lucas war ja noch nie besonders gut auf die Schauspielkunst zu sprechen und hat seine Darsteller für Marionetten gehalten, die einfach das zu tun haben, was er ihnen sagt. Nun hat er diese Ansicht konsequent auf die Leinwand gebracht und einen derart seelenlosen Streifen geschaffen, dass dem Star- Wars-Fan das Herz blutet. Die Sprüche und Witze sind platt und auch mit dem Attribut kindgerecht nicht zu entschuldigen. Die Geschichte kommt fürchterlich absurd daher und ist dennoch so vorhersehbar wie eine beliebige Serie auf dem Kinderkanal . Und Ahsoka geht einem spätestens dann auf den Sender, wenn sie flapsig von dem „R-Zwochen“ spricht.Star Wars: The Clone Wars ist eine peinliche PR-Aktion, die man George Lucas wütend um die Ohren hauen sollte oder totschweigen, damit wenigstens einige Star- Wars-Fans das letzte bisschen Rest an magischer Erinnerung an ihre Ausflüge in eine weit, weit entfernte Galaxis erhalten können.
Erschienen in der Dewezet am 18. August 2008.

Leg dich nicht an mit Zohan

Adam Sandler ist seit vielen Jahren einer der am meisten verehrten Komiker in den USA. Seine riesige Fangemeinde bezeichnet ihn als Sandman, und in diesem Jahr ging selbst Tom Cruise bei den MTV Movie Awards vor ihm auf die Knie, um ihn als den größten Star auszuzeichnen. Bei uns ist Sandler nur einer von vielen, und seine Filme schlagen sich an den Kinokassen meist zwischen mittelmäßig bis recht gut. Der ganz große Hit blieb bisher aus.In seinem neuen Streifen „Leg dich nicht mit Zohan an“ wagt sich der Sandman an das Thema Nahostkonflikt und löst es seidig glänzend mit Haareschneiden in den Straßen von New York. Das mag absurd klingen, ist aber eigentlich ganz niedlich.„Rembrandt derHandgranaten“Zohan ist einer der besten Männer, die der israelische Geheimdienst Mossad hat. Seine Einsätze verlaufen meist spektakulär, aber unblutig. So zerlegt er einfach die Waffe des Feindes, bevor der schießen kann, und verknotet Gliedmaßen. Aber eigentlich hat der „Rembrandt der Handgranaten“ keine Lust mehr auf diesen Krieg.Stattdessen täuscht er seinen Tod vor und reist in die USA, um dort seinen Traum zu erfüllen und Friseur zu werden. Im Big Apple angekommen, muss er bald feststellen, dass Israelis und Palästinenser in einer Straße gegenüber wohnen und sich kaum einer darum schert, wer von wo kommt.„Leg dich nicht mit Zohan an“ beschäftigt sich zwar mit dem Nahostkonflikt, doch Sandler denkt gar nicht daran, eine sensible Komödie zu drehen. „Zohan“ ist stattdessen ein Vehikel für derbe Zoten, platte Witze und Slapstick im Stil der 80er Jahre.Versteher dereinsamen DamenDoch genau das tut dem Film ganz gut und nimmt die Berühungsangst mit dem Thema. Sandler wird es zudem nicht müde, Zohans riesiges Gemächt und sein ausgeprägtes Schamhaar immer wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Damit stilisiert er sich zum ausgesprochenen Macho und Versteher der einsamen älteren Damen und macht sich gleichzeitig lustig über seinen seltsamen Helden.Besonders sympathisch und gleichzeitig schwierig wird der Film allerdings durch die ausgeprägten Akzente, Dialekte und seltsamen Redewendungen, mit denen die Synchronsprecher nicht alle gleich gut klar kommen. Wenn sich Zohan und seine Angebetete Dalia mal wieder ein „Ne, ne, ne,ne“-Wortgefecht liefern, dann wird das schnell zum niedlichen Running-Gag, für den allein sich der Film durchaus schon gelohnt hat. Erschienen in der Dewezet am 16. August 2008

Die Mumie 3

Sieben Jahre ist es her, dass Brendan Fraser als Indiana Jones des altmodischen Horrorfilms, Rick O’Connell, zum letzten Mal sich mit einem renitenten Untoten rumschlagen musste. Jetzt wird das Franchise zum dritten Mal – wenn man den „Skorpion König“-Ausrutscher mal nicht mitzählen will – wiederbelebt. Doch die Anspielungen auf die alten Mumienfilme aus den Anfängen des Horror-Genres, die „Die Mumie“ so charmant und besonders machten, sind inzwischen völlig verblasst. Stattdessen gilt es nur noch möglichst viele Schauwerte und ordentlich viel Krawumm.Ein Mannfürs GrobeKein Wunder: Ist doch Action-Experte Rob Cohen eher ein Mann fürs Grobe. Der Vorteil ist natürlich, dass diejenigen mit einer niedrigen Ekeltoleranz endlich in Ruhe ihr Popcorn essen können, ohne dass ihnen das Kinofutter im Hals steckenbleibt.Rick O’Connell und seine Frau Evelyn wollten sich eigentlich zur Ruhe setzen, doch da ihr Sohn Alex in der Nähe von Shanghai durch einen blöden Zufall die Mumie des grausamen Drachenkaisers zu neuem Leben erweckt, müssen die beiden erneut auf Untotenjagd gehen.Hilfe bekommt die draufgängerische Familie von der Hexe Zijuan und deren Tochter. Ganz strenggenommen ist der alte Kaiser auch gar keine Mumie. Hat Zijuan ihn doch verflucht in einem Tonmantel eingeschlossen. Des Kaisers Armee hat sie übrigens auch in einen ganzen Terracotta-Park verwandelt, der nun ebenfalls wieder zu Fleisch und Blut werden könnte.Action, Humorund nette StorySicherlich könnte „Die Mumie 3“ trotz riesiger Konkurrenz in diesem Sommer ein Erfolg werden. Die Mischung aus Action, Humor und netter Story ist jedenfalls da. Zumal Evelyn inzwischen von der zwar schönen und überaus talentierten Maria Bello gespielt wird. Aber die spleenige Qualität von Rachel Weisz, die der Figur zuvor eine unheimlich sympathisch-tollpatschige Note gab, kann Bello bei allen Bemühungen einfach nicht ersetzen.Ausschließlich die von Zijuan zu den Waffen gerufene Skelett-Armee hat etwas von dem skurrilen und leicht morbiden Charme seiner Vorgänger und sorgt mit Slapstick-Szenen für ein paar Lacher.
Erschienen in der Dewezet am 9. August 2008.

Prom Night

Eigentlich sollte es in Donnas Leben der bisher schönste Abend werden. Doch der Abschlussball – oder auch die „Prom Night“ – wird für die Blondine und ihre Freunde zum Albtraum.Drei Jahre zuvor hatte sich ein Lehrer obsessiv in das Mädchen verliebt und mal eben ihre komplette Familie samt kleinerem Bruder abgemurkst. Eben jener Killer bricht zur Prom Night aus dem Gefängnis aus und richtet hinter den Kulissen der rauschenden Party eine Teenager-Schlachteplatte an. Das macht zwar keinerlei Sinn, aber gut, der Typ hat ja auch einen an der Waffel.Kein besondersgutes RemakeBereits in den 80er-Jahren geisterten vier Horror-Filme unter dem Titel „Prom Night“ durch die Kinos. Im ersten durfte sogar die damalige Scream Queen Jamie Lee Curtis schrille Geräusche von sich geben.Die Neuauflage ist aber nur ein ganz loses Remake. Und kein besonders gutes. Die Geschichte ist unglaublich langweilig. Selbst die angeblich spannenden Momente, in denen Musik und Kameraeinstellung für den Buh-Faktor sorgen sollen, sind derart konventionell und uninspiriert gestaltet, dass erfahrene Horror-Fans wohl das ein oder andere Gähnen unterdrücken müssen.Am Ende sind die meisten Figuren tot. Brittany Snow kreischt als Donna ein wenig hysterisch und der Zuschauer wartet völlig umsonst auf einen versöhnlichen klitzekleinen Twist am Ende.„Prom Night“ ist ein billiger Teenie-Slasher, der nichts Neues zeigt und das Alte nur sehr unengagiert vom Reißbrett abarbeitet. Erschienen in der Dewezet am 4. August 2008.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia

Angefangen hat alles mit dem bisher unerreichten Erfolg von Herr der Ringe. Natürlich wurde, wie bei jedem großen Box-Office-Ansturm eine Welle der Nachahmer losgetreten. So ist es kein Zufall, dass der erste Teil der Narnia-Filme besonders in seinen Landschaftsaufnahmen seinem großen Bruder derart ähnelte.Der zweite Trip in das Zauberland von C. S. Lewis, in dem nicht nur Tiere sprechen können, sondern auch Zwerge, Faune, Zentauren und Minotauren hausen, steht ein kleines bisschen mehr auf eigenen Beinen. Ist da doch der recht ordentliche Erfolg seines eigenen Vorgängers, auf den sich „Die Chroniken von Narnia Prinz Kaspian von Narnia“ stützen kann.In dem zweiten der insgesamt sieben Teile ist im Leben der Pevensie-Geschwister nur ein Jahr vergangen, seit sie aus einem langen Leben in Narnia als Kinder zurück nach England gekehrt sind. Da bricht plötzlich in der Londoner U-Bahn-Station die Wand weg und ein weiterer Weg öffnet sich in das magische Land.Doch Lucy, Susan, Peter und Edmund finden nicht ihre geliebte Zauberwelt vor. Dort sind nämlich inzwischen 1300 Jahre ins Land gezogen. Die Bewohner Narnias wurden von ihren menschlichen Nachbarn in Telmar verfolgt und systematisch ausgerottet. Nur wenige konnten sich verstecken und überleben.Als der Telmar-Prinz Kaspian vor seinem grausamen Onkel Miraz, der nach dem Thron trachtet, nach Narnia flieht, ruft er mit Susans Horn die Pevensie-Geschwister und ehemaligen vier Könige zurück, verbündet sich mit ihnen und kämpft gemeinsam mit den Geschöpfen Narnias gegen die Tyrannenherrschaft.Während der erste Teil noch voller christlicher Allegorien war und ganz kindgerecht vor sich hinplätscherte, kommt Kaspian etwas flotter und erwachsener daher. Die wilden Schlachten fordern schließlich ihre Opfer.Auch visuell hebt sich Narnia 2 von dem bilderbuchhaften Vorgänger düster ab. Dennoch hüpfen immer noch vor sich hin plappernde Tiere durchs Bild und besonders die kleine Lucy sieht einfach herrlich naiv niedlich aus. Das größte Problem mit dem sich der Fantasy-Streifen herumschlagen muss: Es gibt keine zentrale Figur, mit der die Zuschauer mitfiebern könnte. Dazu steht Newcomer Ben Barnes als Kaspian zu sehr im Hintergrund und auch die vier kindlichen Hoheiten teilen sich ihre Zeit auf der Leinwand gerecht auf. Dennoch: Sollte sich Regisseur Andrew Adamson mit jedem Narnia-Film derart steigern, dann darf man sich auf eine spannende Serie freuen.
Erschienen in der Dewezet am 2. August 2008.

Akte X: Jenseits der Wahrheit

Vor sechs Jahren wurden die X-Akten geschlossen. Die erfolgreichste Mystery-Fernsehserie aller Zeiten schreibt dennoch ein weiteres Kapitel. Im Gegensatz zum ersten „Akte X“-Film von 1998 bringt die Weiterführung kein in der Serie über mehrere Episoden aufgeworfenes Mysterium zu seinem Abschluss.„Jenseits der Wahrheit“ bewegt sich im Rahmen einer für sich stehenden Folge mit einer in sich geschlossenen Geschichte. Das hat natürlich den Vorteil, dass zwar die Fans der Serie ihre geliebten Figuren wiedersehen können und sich über kleine Anspielungen freuen, der Film aber auch Neueinsteiger nicht ausschließt.Weiterentwicklungder HauptfigurenStattdessen hat „Akte X“-Erfinder Chris Carter, der diesmal auch den Regiestuhl besetzt, die Weiterentwicklung der beiden Hauptfiguren Fox Mulder und Dana Scully in den emotionalen Mittelpunkt gestellt und beantwortet viele Fragen zu ihrer Beziehung. Damit durchbricht Carter sein selbst auferlegtes Maxim. Die Beziehung der beiden ehemaligen FBI-Agenten sollte nie einem Fall in die Quere kommen. Das ist zwar schauspielerisch spannend mitanzusehen. Doch was das Erzähltempo angeht, steht sich Carter mit diesem neuen Konzept selbst im Weg.Die Story: Mulder hält sich immer noch vor dem FBI versteckt, während Scully als Ärztin in einem Krankenhaus arbeitet. Als eine Agentin verschwindet und ein angeblicher Hellseher, die einzige Hoffnung darstellt, die Frau noch lebend zu finden, tritt das Büro an das Akte-X-Team heran und bittet um Hilfe. Beide sagen nur widerwillig zu, werden aber unweigerlich immer tiefer in den Fall gezogen. Während die Lösung des Falls nach alter Akte-X-Manier herrlich abstrus und dennoch auf realistischem Niveau daher kommt, ist der Film ungewöhnlich unaufgeregt und ruhig erzählt. Für alles nimmt sich Carter Zeit und lässt sowohl den Charakteren als auch der Geschichte Raum sich zu entfalten. Eine Entscheidung die für Kinoversionen von TV-Serien eher ungewöhnlich ist.Somit ist „Jenseits der Wahrheit“ eine überlange Episode geworden, die eigentlich nur für treue Fans wirklich spannend ist. Neueinsteiger finden zwar schnellen Zugang zu der Story, dürften sie aber eher langweilig finden und vom bedächtigen Tempo enttäuscht sein.
Erschienen in der Dewezet am 28. Juli 2008.

Superhero Movie

Die Superhelden haben das Box Office in diesem Jahr ganz fest in ihrer Hand. Obwohl der Trend schon seit dem ersten Spiderman-Film (2002) unermüdlich anhält, befindet sich das Genre auf einem kommerziellen Höhepunkt. Und für jedes Genre, das dickes Geld an der Kinokasse einbringt, muss es wohl auch Parodien geben. Das Team rund um David Zucker (verantwortlich für die „Nackte Kanone“- und „Scary Movie“-Reihen) scheint es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben, jeden Aspekt der Kinowelt einmal etwas hirnlos mit den ständig selben Gags durch den Kakao zu ziehen. Schließlich sind Fürze, Helden, die gegen irgendetwas laufen und dicke Brüste anscheinend immer witzig.Nur „Spiderman“vorgenommenDiesmal also die Superhelden: Doch anstatt sich den breiten Fundus dieses Genres, das sich eigentlich so herrlich zum Veralbern eignet, genauer anzugucken, haben sich die Macher nur „Spiderman“ vorgenommen. Aus einer Spinne wird eine Libelle und schon ist der Normalo Rick auf dem Weg in die Comic-Welt.Klar gibt es noch einen Bösewicht: die todkranke Sanduhr, die sich die Lebenszeit anderer klaut. Dann landet Rick zwischendurch noch bei den X-Men und Professor Xavier. Aber aus diesem kleinen Storyline-Ausflug wird nicht viel. Zwischendurch trifft er noch auf die menschliche Fackel, die prompt abfackelt und mit der Hitze nicht klar kommt. Superhelden, auf die völlig sinnfrei im Laufe der Geschichte mal ganz kurz angespielt wird, sind die Unsichtbare und Batman.Die Gags sind oft ziemlich lahm und abgedroschen. Selten gibt es wirklich originelle Ideen – wie etwa die Anspielungen auf die Entgleisungen von Superstar und Scientology-Anhänger Tom Cruise, der glaubt, fliegen zu können.Dabei wäre es doch wirklich an der Zeit für eine gute Superhelden-Parodie. So wie die liebenswert unterschätzte Komödie „Mystery Men“ von 1999 rund um eine Gang Möchtegern-Superhelden.Da hatte sich wenigstens mal jemand die Konventionen vorgenommen und auf den Kopf gestellt, anstatt nur eine Geschichte nachzuerzählen und dieses dünne Konzept mit pubertären Pipi-Pups-Witzen aufzufüllen.
Erschienen in der Dewezet am 26. Juli 2008.

Mamma Mia!

Es ist schon ein Segen, dass das lange Zeit totgeglaubte Musical vor ein paar Jahren zu neuem cineastischen Leben erweckt wurde. Denn kaum ein anderes Genre kann solche Emotion hervorrufen. Schließlich ist Musik eine machtvolle Waffe. So wird uns heute diese wundervolle Verfilmung der Abba-Bühnenshow „Mamma Mia!“ zum Geschenk gemacht.Sophie lebt mit ihrer Mutter auf einer kleinen griechischen Insel. Als Sophie heiraten will, stöbert sie in Mamas alten Tagebüchern, um endlich herauszufinden, wer ihr Vater ist, damit dieser sie zum Altar führen kann.Gleich drei Männerkommen infrageDoch es kommen gleich drei Männer infrage. Kurzerhand lädt die junge Braut alle drei ein, ohne ihre Mutter vorzuwarnen. Und dann tauchen auch noch alle drei auf der Insel auf. Das Chaos ist perfekt. Zumal Mama Donna alte Gefühle für ihre Verflossenen entdeckt. Mit viel sonniger Sommerlaune, Schwung und Witz erzählt Regisseurin Phillida Lloyd die rasante Geschichte irgendwo zwischen griechischer Tragödie und Peter Steiners Bauerntheater.Und natürlich ist der Film von vorne bis hinten gespickt mit den besten, schmissigsten und herzzerreißendsten Abba-Songs, sodass es bisweilen schwer fällt, in seinem Kinosessel nicht lauthals die alten geliebten Hits mitzuträllern. Doch nicht die Musik allein macht den Charme dieses Feel-Good-Films aus. Wenn es um die Besetzung geht, könnte man bei jedem Einzelnen ins Schwärmen geraten. Das sind zum Beispiel die drei potenziellen Väter, dargestellt von dem kantigen Stellan Skarsgard, dem liebenswerten, wenn auch etwas tollpatschigen Colin Firth und dem unverschämt gut aussehenden Pierce Brosnan.Die bildschöne noch recht unbekannte Amanda Seyfried spielt mit einem ansteckenden Lachen und einer kräftigen Engelsstimme die junge Braut Sophie.Und dann ist da das Damentrio. Julie Walters und Christine Baranski rocken als die besten Freundinnen von Donna die Leinwand. Aber der Film gehört unbestritten der grandiosen Meryl Streep. Wenn wir es nicht vorher schon gewusst hätten, dass diese Frau das Beste ist, was das Kino seit Jahrzehnten zu bieten hat, dann wüssten wir es spätestens jetzt.Arschbombeam BootsstegNicht nur, dass Madame Streep eine beeindruckende Stimme hat. Auch tobt sie in Latzhose zu „Dancing Queen“ hüpfend übers Bett, nur um anschließend am Bootssteg eine Arschbombe hinzulegen. Gleichzeitig verleiht sie dem Song „The Winner takes it all“ so viel tragische Tiefe, dass sie einem das Herz bricht und „Mamma Mia!“ nicht nur ein glückliches Dauerstrahlen, sondern auch jede Menge Tränen auf die Gesichter der Zuschauer zaubern dürfte.„Mamma Mia!“ ist das Kino-Muss dieses Sommers. Unbedingt ansehen und sich zwei Stunden pure Freude im Kinosaal abholen.
Erschienen in der Dewezet am 22. Juli 2008.

Freche Mädchen

Seit dem ersten Band vor zehn Jahren sind in der Reihe „Freche Mädchen – Freche Bücher“ bereits 79 Titel erschienen. Darunter auch die neun Abenteuer von den drei Busenfreundinnen Mila, Hannah und Kati, den Heldinnen von Initiatorin Bianka Minte-König. Die drei Mädchen halten zusammen wie Pech und Schwefel. Doch dann werden auf einmal Jungs interessant.Hannah knutscht nur noch mit Branko und trainiert mit ihm auf dem Sportplatz, obwohl ihr Herz doch für die Musik schlägt. Kati verliebt sich alle Nase lang unsterblich und für alle Ewigkeit erst in Tobi, dann in Florian, der weit weg wohnt, dann in den schnöseligen neuen Schüler Brian, der in einer Band spielt – und dann wieder in Tobi.Wer verliebt sichschon in einen LehrerMila hat es am schwersten: Denn ihre Hormone tanzen für den hübschen Deutsch-Referendar Pit Winter. Doch der steigt lieber mit Milas alleinerziehender Mama ins Bett anstatt sensibel mit den wunderschönen, wenn auch vor Rechtschreibfehlern strotzenden Gedichten der Schwerverliebten umzugehen. Das Schlimmste aber, dass sie von ihrer heimlichen Liebe auch gar keinem erzählen kann. Wer verliebt sich schon in einen Lehrer!Noch jede MengeZickereienWenn auch Regisseurin Ute Wieland immer wieder etwas überzeichnet, so fühlt frau sich doch des Öfteren peinlichst genau an die ersten großen Gefühle erinnert und wie wundervoll albern man sich mit seinen Freundinnen aufführte, wenn man „jemanden gut fand“.Und dann gibt es da noch jede Menge Zickereien, große Versöhnungen, Ärger mit den Lehrern, die einfach nicht verstehen, warum einige Dinge halt sofort besprochen werden müssen, und natürlich Krach mit Mama.Nun mag die Geschichte oft etwas klischeehaft erzählt sein und nicht so richtig zünden. Doch die jungen Schauspieler haben durch die Bank weg eine sympathische natürliche Ausstrahlung, die einen den Film einfach gern haben lässt und in Nebenrollen tummeln sich durchaus sehenswert Anke Engelke als chaotische Mutti von Mila sowie Armin Rohde und Piet Klocke als Lehrer.
Erschienen in der Dewezet am 22. Juli 2008.

Get Smart

In den 60er Jahren zog der Agent 86, Maxwell Smart, von Control durch die Lande und rettete regelmäßig und meist doch eher zufällig die Welt vor den Schurken der Organisation Kaos. In Deutschland lief die Serie unter dem Titel „Mini-Max“. Erfunden wurde sie von keinem geringeren als dem Komödien-Genie Mel Brooks („Frankenstein Junior“, „The Producers“). Jetzt schafft der liebenswerte ganz kleine Bruder von James Bond den Sprung auf die große Leinwand.Offiziell gibt es Control und Kaos seit Ende des kalten Krieges nicht mehr. Inoffiziell sind beide noch äußerst aktiv. Für Maxwell Smart ist endlich der ganz große Tag gekommen. Der Analytiker bekommt die Testresultate seines Außendienst-Lehrgangs. Als dann auch noch Kaos auf einmal zuschlägt und viele Außenagenten umbringt, erfüllt sich für Smart der ganz große Traum, endlich Agent zu werden.Ihm an die Seite gestellt wird die hübsche und kompetente Agentin 99. Die ist allerdings alles andere als begeistert, mit dem Frischling zusammenarbeiten zu sollen. In der Zwischenzeit verteilt der größenwahnsinnige Siegfried nukleare Sprengköpfe an besonders labile Machthaber auf der ganzen Welt und versucht selbst den US-Präsidenten in die Luft zu sprengen. Nur Max und 99 können die Katastrophe noch aufhalten.Was so fürchterlich sympathisch an „Get Smart“ ist: Es handelt sich um keine reine Agenten-Parodie. Sicherlich ist Maxwell Smart durchaus etwas tollpatschig – aber nicht unfähig. Und so hat Regisseur Peter Segal auch eher eine spannende Mischung aus Komödie und Actionthriller abgeliefert, die jeden Moment wunderbar unterhält. Wenn Max mit einer etwas fülligen Dame eine heiße Sohle aufs Parkett legt, sieht das zwar urkomisch aus, ist aber nie so billig, dass es sich über die Tanzpartnerin an sich lustig machen würde.In den USA bereitsein MegastarSteve Carell, der als Maxwell Smart den Film trägt, ist in den USA bereits ein Megastar. Durch „The Office“ (das amerikanische Pendant zu „Stromberg“) und Filme wie „Little Miss Sunshine“ oder „Evan Allmächtig“ hat er sich längst in die A-Liga gespielt. Auch in Deutschland dürfte der sympathische Komiker bald allen bekannt sein.Während Anne Hathaway als Agentin 99 mal wieder ihren bezaubernden Charme versprüht, darf Dwayne Johnson, ehemals „The Rock“, als Star-Agent 23 glänzen und dabei nicht nur seine Muskel einsetzen, sondern einmal mehr sein oft unterschätztes komödiantisches Talent unter Beweis stellen. „Get Smart“ ist eine rundum gelungene Sache geworden, die einfach viel Spaß macht. Erschienen in der Dewezet am 19. Juli 2008.

Der unglaubliche Hulk

Es klang alles so vielversprechend. Als vor etwa einem Jahr auf der Comicon verkündet wurde, dass Marvel einen neuen Versuch startet den „Hulk“ zu verfilmen und Charakterschauspieler Edward Norton sowohl als Hauptdarsteller als auch Drehbuchautor vorstellte, machte sich Hoffnung breit. Neue Besetzung, neuer Regisseur, neues Konzept. Man wolle den Flop von Ang Lee von vor fünf Jahren ganz hinter sich lassen. Das Ergebnis ist eher gemischt.Der Wissenschaftler Bruce Banner, der durch Gammastrahlen verseucht bei Wutanfällen zum grünen Hulk mutiert, ist auf der Flucht. Seit fünf Jahren ist er untergetaucht. Aktueller Aufenthaltsort ist eine kleine Stadt in Brasilien. Er versucht ein Heilmittel zu finden und ruhig zu bleiben.Natürlich findet ihn das Militär und es kommt zur ersten Karambolage. Und wieder ist Banner auf der Flucht. Unterwegs trifft er seine große Liebe, Betty Ross, wieder, die ihm hilft. Ihr Vater, General Ross entwickelt in der Zwischenzeit mit dem überehrgeizigen Soldaten Emil Blonsky einen ebenbürtigen Gegner für den Hulk. Die beiden schießen jedoch übers Ziel hinaus und kreieren die Abomination.Während die ersten zwei Akte durchaus ihre Reize habe, die Charaktere entwickelt werden und die eine oder andere Szene ganz humorig daher kommt, steckt im letzten Akt nur noch Popcorn-Kino.Dabei ist der finale Kampf zwischen dem Hulk und Abomination derart dilettantisch zusammengestückelt, dass man das Gefühl nicht los wird, dass ganze Szenen fehlen. Die Gerüchte um Endfassungsstreitereien zwischen Norton und dem Studio ergeben in diesem Licht durchaus Sinn.Der Rest des Films ist solides Unterhaltungskino geworden mit ein bisschen Anspruch und einem ehrfürchtigen Kopfnicken des grünen Wüterichs in Richtung der Kollegen King Kong und Frankensteins Monster.Doch scheint „Der unglaubliche Hulk“ sich in der Abschlussszene nur zu einem der Auftaktfilme eines ganz anderen Marvel-Projektes zu entwickeln. So kündigt Robert Downey Jr. in einem kleinen Gastauftritt als Tony Stark alias Ironman an, dass man ein Team zusammenstellen wolle. Fans dürfen sich wohl auf ein „Avenger“-Abenteuer freuen. Den „Hulk“ kann man in der Zwischenzeit genießen. Doch vielleicht ist das grüne Muskelpaket einfach nicht für die Leinwand geschaffen. Zwar sieht diese Version lange nicht so peinlich aus wie Ang Lees Version. Doch so cool und aufregend anzusehen wie Spiderman, Ironman oder auch Batman ist er einfach nicht.
Erschienen in der Dewezet am 15. Juli 2008.

Kung Fu Panda

Po ist ein Geek par excellence. Der dicke Panda hat nicht nur alle Action-Figuren seiner Helden und jede Menge Poster an den Wänden. Der tollpatschige Kerl träumt auch davon, supercool mit den Megakämpfern abzuhängen und gegen ganze Heerscharen von fiesen Feinden total legendär zu kämpfen.Schon der Auftakttraum von Möchtegern-Held Po ist in dem neuen Dreamworks-Animationsstreifen niedlich, liebevoll und unglaublich witzig gestaltet. Zumal man einen kurzen Moment später rausfindet, dass Po alles andere als ein toller Kämpfer ist, der für Legenden bestimmt ist. Er kommt ja kaum unfallfrei die Treppe zu dem Nudel-Restaurant seines Vaters runter, wo er arbeitet.Ein Schock fürMeister ShifuDoch als der gefürchtete Kung-Fu-Kämpfer Tai Lung aus dem Hochsicherheitsgefängnis ausbricht und Meister Oogway den Drachenkämpfer bestimmen will, kommt Pos Leben durcheinander. Denn er wird von dem alten runzeligen Kung-Fu-Meister durch einen kleinen Unfall mit dem Feuerwerk ausgewählt.Ein Schock für Meister Shifu und dessen heldenhafte Schüler Tigress, Mantis, Crane, Monkey und Viper. Po muss nun im Jade-Palast sein hartes Training beginnen und es bleibt nicht viel Zeit.Kung Fu Panda besticht nicht nur durch seine liebenswerten Figuren, allen voran Po, der, wenn er wütend ist, immer anfängt zu essen. Die Geschichte wird auch temporeich erzählt und spielt mit den Konventionen des Martial-Arts-Genre.Immer wieder wird gerade durch den naiven Kung-Fu-Fan, der sich schnell kindlich begeistern kann, die hochtrabende und ehrwürdige Martial-Arts-Atmosphäre brüll-komisch durchbrochen. Dazu noch jede Menge gut platzierter Slapstick und Dialoge, die vor allem durch ihr perfektes Timing und die stimmige Mimik der Figuren immer sitzen - und ein großer Lacher jagt den anderen.Während Po bald fürchterlichen Muskelkater vom schweren Training hat, tut den Zuschauern die Bauch- und Gesichtsmuskeln vom ständigen Lachen und Kichern weh. Kung Fu Panda ist seit langem einer der besten Filme im Animationsgenre und setzt dort an, wo die zwei ersten Shrek-Filme (ebenfalls von Dreamworks) aufgehört haben.
Erschienen in der Dewezet am 10. Juli 2008.

Hancock

Willkommen im Blockbuster-Sommer 2008. Nach einer kurzen EM-bedingten Flaute in den Lichtspielhäusern, knüpft „Hancock“ dort an, wo „Iron Man“ und „Indiana Jones 4“ im Frühling angefangen haben. Die Saison gehört den Helden. Und den Superhelden. Was an „Hancock“ so nett ist: Es gibt keine Entstehungsgeschichte. Der Held wird nicht gebissen, verstrahlt oder nach einer Verletzung mit einer Energiequelle ausgestattet und muss nun lernen mit seinen Fähigkeiten und Kräften umzugehen und Menschen zu retten. Oh nein, Hancock ist an einem ganz anderen Platz in seinem Leben.Der nicht alternde Mann kann sich bereits an 80 Jahre erinnern, in denen er geflogen ist und Kugel von ihm abprallten. Doch seine Retter-Rolle mag er immer noch nicht so gerne annehmen.Versoffen undflegelhaftMenschenscheu, versoffen und flegelhaft, macht er sich bei allen Bewohnern von L.A. unbeliebt, indem er bei jedem Einsatz für mehrere Millionen Dollar Schaden anrichtet. Hier eine Häuserfassade, weil der menschliche Flieger etwas zu nahe am Gebäude vorbei segelt, dort eine Fahrbahndecke oder ein entgleister Güterzug. Und bei fast jedem Start eine Parkbank. Immer geht irgendetwas zu Bruch. Als er dem PR-Berater Ray das Leben rettet, will sich dieser revanchieren und ein bisschen Image-Arbeit leisten. Hancock geht ins Gefängnis und gelobt sich zu bessern, Alkoholentzug zu machen und bei einer Aggressionstherapie teilzunehmen. Es dauert nur wenige Tage bis die Stadt ihren Helden vermisst und die Polizei um seine Hilfe bittet.KurzweiligeFrischzellenkur„Hancock“ ist eine unheimlich unterhaltsame und kurzweilige Frischzellenkur für das Superhelden-Genre. Mit viel Humor und Situationskomik stellt der Film einige Konventionen ordentlich auf den Kopf. Und dann gibt es da noch diesen netten Twist, in dem verraten wird, warum der Superheld ein solcher Miesepeter ist.Dass Regisseur Peter Berg seinen Streifen zum großen Höhepunkt ein kleines bisschen zu lange in Zeitlupen-Manier etwas pathetisch und musikalisch zu dramatisch hinzieht, ist ganz gut zu verschmerzen. Schließlich bekommt man viele freche Dialoge und mit dem Hauptdarsteller-Trio Will Smith als Hancock, Jason Bateman als etwas naiver und fröhlicher Gutmensch Ray und Charlize Theron als dessen Frau einen Kinoleckerbissen geliefert, der unheimlich viel Spaß macht.
Erschienen in der Dewezet am 5. Juli 2008.

Die Insel der Abenteuer

Von so einem Leben hat wohl jeder schon einmal geträumt. Die elfjährige Nim und ihr Vater sind die einzigen Bewohner einer kleinen südpazifischen Insel. Während Papa seltene Plankton-Arten erforscht, spielt Nim mit ihrer besten Freundin, der Robbe Selkie, Fußball oder geht mit dem Leguan Fred auf kleine Entdeckungsreisen. Wenn sie nicht grade draußen am Strand tobt oder durch den kleinen Dschungel streift, wird das Mädchen zur Leseratte und lässt sich in die Welten des Abenteurers Alex Rover entführen. Doch dann gerät ihr Vater bei einer seiner Forschungsfahrten mit dem Segelboot in Seenot. Als dann auch noch ein Kreuzschiff mit vielen lauten Touristen einen Zwischenstopp auf Nims Insel einlegt, bittet die Elfjährige ihren Helden, Alex Rover, per E-mail um Hilfe. Was sie noch nicht ahnt: Hinter dem größten Abenteurer der Welt verbirgt sich ein riesiger Angsthase.NeurotischeSchriftstellerinNämlich die neurotische Schriftstellerin Alexandra Rover, die sich nicht einmal traut ihre Wohnung zu verlassen und hysterische Anfälle bekommt, wenn eine kleine Spinne über ihren Schreibtisch klettert. Doch in der Notsituation müssen die beiden Frauen über sich selbst hinaus wachsen, und stützen sich, wenn auch hunderte von Kilometern von einander entfernt, ins Abenteuer.Auf den ersten Blick ist „Die Insel der Abenteuer“ nichts weiter als ein verklärtes, wenn auch liebevoll verspieltes Bild eines modernen Robinson-Lebens. Doch dann ist da Jodie Foster als die durch und durch von Phobien geplagte Alexandra. Hätte irgendjemand vorher schon gewusst, dass die Drama-Dame auch Slapstick derart perfekt beherrscht, und so herrlich komisch sein kann, hätte ihre Karriere bestimmt ein bisschen anders ausgesehen.Ein besonders netter Clou: Immer wieder gleiten sowohl Nim als auch Alexandra in ihre Fantasiewelten, um ihren Alltag zu bewältigen ab. Während Nim Abenteuer wie ihr Held Alex Rover erlebt, führt Alexandra ein heftig diskutierende Beziehung zu ihrer Fantasiefigur.Ebenfalls ein schöner Kniff ist übrigens, dass sowohl Rover als auch Nims Vater von dem wundervollen Gerald Butler gespielt werden. „Die Insel der Abenteuer“ bietet nicht nur für Kinder spaßige und spannende Kinozeit - und das vor traumhafter Südsee-Kulisse.
Erschienen in der Dewezet am 21. Juni 2008.

Nie wieder Sex mit der Ex

Erster Tipp vorweg: Bloß nicht von dem dusseligen deutschen Titel irritieren lassen! Ein großer Indikator, ob diese Herzschmerz-Komödie gefallen könnte oder nicht, ist der Produzent. Judd Apatow hat seit der Fernsehserie „Freaks and Geeks“ einige befreundete Schauspieler, Drehbuchschreiber und Musiker um sich versammelt, die in den vergangenen Jahren ein paar beeindruckende Hits im Komödienfach gelandet haben. Sowohl „Jungfrau (40), männlich, sucht“ als auch „Beim ersten Mal“ und „Superbad“ überzeugten durch frischen Humor und authentische Figuren. Jason Segel hatte bisher bei diesen Projekten immer ein wenig in der zweiten oder sogar dritten Reihe gestanden. Doch in „Nie wieder Sex mit der Ex“ spielt der hochgewachsene Schauspieler nicht nur die Hauptrolle. Er hat auch das Drehbuch und einige Songs verfasst.Sympathische Figurenund peinliche Situationen Peter ist Komponist und schreibt die Musik für eine Fernsehserie. Seine Freundin Sarah ist der Star der Show. Als sie völlig unerwartet mit ihm Schluss macht, ist Peter am Boden zerstört und beschließt Urlaub zu machen. Doch auf Hawaii trifft der arme Single gleich an der Hotelrezeption Sarah wieder, die dort mit ihrem Neuen rumturtelt. Ausgangssituation für ein paar herrlich peinliche und schmerzhafte Momente für Peter und viel schallendes Gelächter für das Publikum. Noch komplizierter wird es, als der Verlassene die hübsche Rachel kennenlernt.„Nie wieder Sex mit der Ex“ ist vor allem eins: sympathisch. Diese Figuren muss man einfach gern haben. Auch bietet die Komödie einige wundervoll absurde Momente – wie die Szene, in der Sarah mit dem splitternackten Peter Schluss macht. Übrigens: ein kleiner Einblick in Jason Segels privates Liebesleid. Aber auch der Song aus dem „Dracula“-Puppenmusical, den Peter Rachel vorspielt, ist ein absolutes Highlight, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.Leider krankt der Film ein wenig an einer völlig lustlosen deutschen Synchronisation, die es sich anscheinend vorgenommen hat, so viele Witze wie möglich abzuwandeln, sodass sie nur noch wenig Sinn ergeben. Auch gibt es leider immer wieder Phasen, die sich ein wenig schleppen. Dennoch: „Nie wieder Sex mit der Ex“ gehört zu den besseren Komödie des Kinojahres.
Erschienen in der Dewezet am 19. Juni 2008.

The Happening

Anfangs glauben noch alle an einen Anschlag. Die furchtbaren Ereignisse beginnen in New York. Im Central Park. Menschen werden orientierungslos, bleiben stehen und begehen Selbstmord. Und das in Massen. Die Experten tippen auf ein Nervengas, das den Selbsterhaltungstrieb aushebelt.Dann werden Stimmen laut, dass die US-Regierung dahinter stecken könnte. Warum ist nur der Nordosten der USA betroffen? Ist die Dichte der Atomkraftwerke schuld? Weshalb sind alle Bienen verschwunden? Aber vielleicht fühlt sich ja die Natur angegriffen und entledigt sich seiner größten Bedrohung: dem Menschen.M. Night Shyamalan bleibt sich auch mit „The Happening“ treu. Der Mystery-Thriller baut eine bedrohliche Atmosphäre auf und lässt seine Figuren kammerspielartig konsequent im Dunkeln tappen. Der einst nach seinem Debüt-Wunder „The Sixth Sense“ als Regie-Genie geltende Shyamalan fällt mit jedem Film, den er dreht, immer weiter durch – an der Kinokasse, bei den Kritikern und bei den Fans. Auch „The Happening“ wird nicht den angestrebten Erfolg wiederholen können.Gespür für denunvorstellbaren HorrorDennoch beweist der gebürtige Inder, dass er ein unglaubliches Gespür dafür hat, mit einfachen Bildern und ohne große Effekte den unvorstellbaren Horror zu suggerieren. Die Gewalt, die seine Figuren und Statisten ausüben, findet meist außerhalb der Kamera statt. Das mag die durch „Hostel“- und „Saw“-Serien abgehärteten Kinogänger ja langweilen. Doch muss man wirklich sehen, wie ein Mann von Löwen zerrissen wird? Sind die Geräusche nicht erschreckend genug?Der Horror, der dem Beobachter ins Gesicht geschrieben steht, setzt sich im Kopf fest und wirkt noch Stunden später nach. Besonders erschreckend sind die anfänglichen Bilder von einer Gruppe Bauarbeiter, die sich von einem Gebäude auf die Kamera fallen lassen. „The Happening“ ist ein brillant subtiler und beklemmender Minimal-Thriller mit einem beunruhigenden Öko-Gewissen geworden.
Erschienen in der Dewezet am 14. Juni 2008.

The Eye

Seit ihrem fünften Lebensjahr ist Sidney Wells blind. Ein Unfall mit einem Feuerwerkskörper war schuld daran, dass sie ihr Augenlicht verlor. Nun hat die junge Violinistin eine Hornhautspende bekommen und kann ganz langsam wieder sehen. Herzlichen Glückwunsch sollte man ja nun meinen.Im HorrorgenreangesiedeltDoch „The Eye“ ist im Horrorgenre angesiedelt. Und somit ist klar, dass diese Hornhaut mit einem seltsamen Trauma behaftet ist und Sidneys geordnetes Leben völlig aus den Fugen gerät. Denn Sidney sieht mit ihren neuen Augen nicht nur bereits geschehene Unglücke über sogenanntes zellulares Gedächtnis, das noch in den Zellen steckt. Sie hat damit auch die verstörende Gabe ihrer Spenderin erhalten, die Toten zu sehen. Anfangs manifestieren sich die Schreckensbilder nur schemenhaft, doch mit dem Heilungsprozess werden sie immer klarer. Gemeinsam mit ihrem Arzt Paul macht sie sich auf nach Mexiko, um mehr über ihrer Spenderin zu erfahren.Dass „The Eye“ wenig originell daher kommt liegt nicht nur daran, dass es sich um ein Remake des gleichnamigen Originals der Hongkong-Brüder Oxide und Danny Pang handelt. Auch sonst ist das Thema Organtransplantation mit Eigenleben und der Blick auf die Toten schon so oft abgehandelt worden.Einzig kleine selbstironische Momente, wenn Sydney ein „Ich sehe..“ hervorstößt und Paul mit einem spöttischen „... Etwa tote Menschen“ kontert und damit auf das oft zitierte Meisterwerk „The Sixth Sense“ anspielt, lockern den Streifen ein wenig auf.Der Horror der Visionen hält sich im Übrigen im US-Debüt der französischen Regisseure David Moreau und Xavier Palud ziemlich in Grenzen. Jessica Alba macht als Scream-Queen eine ganz gute Figur und überzeugt in ihrer panischen Verzweiflung.Horror-Welle ausdem fernen OstenBesonders nett sind auch die Sound-Effekte. Was „The Eye“ von seinen Horror-Konkurrenten abhebt, ist das Rätsel, das Sydney zu lösen hat und das ihr ihre Augenspenderin aus dem Reich der Toten aufgibt. In der Hinsicht erinnert der Streifen eher an „The Mothman Prophezeihungen“ mit Richard Gere als an die aktuelle Horror-Welle, die aus dem fernen Osten den US-Markt überschwemmt.Dabei bleibt „The Eye“ durchweg spannend und unterhält bis zum Schluss, hinterlässt aber leider keinen wirklich bleibenden Eindruck.
Erschienen in der Dewezet am 7. Juni 2008.

Rettet Trigger

Der skandinavische Kinderfilm „Rettet Trigger“ überzeugt vor allem durch seine realistischen Kulissen und das aufregende Abenteuer, das Alise mit ihrem Opa und ihrer Freundin durchlebt. Sowohl Alise als auch der verstörte Rassehengst, den sie Trigger nennt, müssen ihre große Angst vor dem anderen überwinden, bevor sie sich gegenseitig helfen und etwas mutiger im Leben stehen. Die fiesen Besitzer von Trigger wollen ihn beim Schlachter wegen Geisteskrankheit und hoher Versicherungssumme nämlich loswerden. Das kleine pummelige Mädchen ist auf sich alleine gestellt, um dem Pferd das Leben zu retten.Was „Rettet Trigger“ so charmant macht, ist wohl die ungewöhnliche Dramaturgie, mit der er sich vom üblichen Mädchen-Pferdefilm abgrenzt. Zwar ist die Story in allen möglichen Varianten schon mehrmals gedreht worden und lief selbst in den vergangenen zwei Jahren in Form von „Dreamer“ oder „Hände weg von Mississippi“ über die Leinwand. Aber Ann-Kristin Somme wirkt in ihrer Angst vor dem Hengst und ihrer Sorge um das Tier besonders authentisch.Hinzu kommt, dass Regisseur Gunnar Vikene seine Geschichte spannend zu erzählen weiß und zu Tränen rührt, ohne kitschig zu werden. Der schräge skandinavische Humor, mit dem die Dialoge anders verlaufen, als man es gewohnt ist, wirkt zudem wie eine Frischzellenkur für das Genre. Erschienen in der Dewezet am 5. Juni 2008.

Sex and the City

Wenn erfolgreiche Fernsehserien von der Mattscheibe auf die ganz große Leinwand springen, dann ist meist zu befürchten, dass Studios die Geld-Kuh einfach noch so lange melken wollen, wie es irgendwie geht. Es werden die Schauwerte ein wenig erhöht, aber meist ist nichts anderes als eine Geschichte vom Reißbrett zusehen. Nur wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel. Und „Sex and the City“ ist eine dieser Ausnahmen.Vier Jahre ist es erst her, dass Hauptfigur Carrie Brad-shaw im Serienfinale abschließende Worte fand und vorübergehend ihren Laptop zusammenklappte, auf dem all diese pointierten Kolumnen über Liebe, Labels und Freundschaften entstanden. Inzwischen sind die vier Busenfreundinnen Carrie, Charlotte, Samantha und Miranda in festen Händen und haben das Single-Leben und die Suche nach der großen Liebe abgeschlossen. Denn alle vier haben sie scheinbar gefunden.Als Carrie und Mr. Big, von dem sie sich zuvor immer wieder getrennt hatte, nur um wieder in seinen Armen zu landen, dann auch noch beschließen zu heiraten, scheint das Glück perfekt. Doch der Beziehung von Carrie und Big würde etwas fehlen, wenn nicht etwas schief laufen würde. Nebenbei zerbricht auch noch die Ehe von Miranda, weil ihr Ehemann Steve sie betrügt, und Samantha fängt durch ihren sexbesessenen Nachbarn in ihrer monogamen Beziehung an, fürchterlich zu leiden. Und auch Charlotte passiert ein Unglück – auch wenn dieses eher herzliche Lachtränen als einen Kloß im Hals hervorruft.Freundschaftenliebevoll gezeichnet„Sex and the City“ ist eine der großen Überraschungen in diesem Kinojahr. Der Film weigert sich, seine vier Grazien in ein abgedroschenes Kinoformat der romantischen Komödie zu zwängen. Stattdessen lässt er sich für das Genre mit 145 Minuten, die sich sonst nur große Epen leisten, unglaublich viel Zeit und lässt allen Erzählsträngen und Figuren genau den Raum, den sie brauchen. Und genau deshalb ist „Sex and the City“ eine so schöne runde Sache geworden.Viel Humor, sympathische Figuren, liebevoll gezeichnete Frauenfreundschaften und dennoch viel Herzschmerz. Aber „Sex and the City“ hat auch noch einen anderen Effekt, der am weiblichen Publikum nicht ganz unbemerkt vorbeiziehen dürfte. Die Schauwerte in Sachen Mode sind derart grandios, dass so manches Mal die Augen der Fans genauso begeistert wegen eines Kleides strahlen dürften, wie die der vier modeversessenen New Yorkerinnen. Besonders Carries Hochzeitskleid von Vivienne Westwood hat es einfach in sich. Selbst Modemuffeln dürfte hier ab und zu der Kiefer runterklappen. Dennoch überdeckt dieser Aspekt nicht die Geschichte, sondern begleitet sie als wichtiges Element, das einfach dazugehört. Für „Sex and the City“ sollte sich jeder seine Freundinnen schnappen und einen wunderschönen Abend im Kino verbringen.
Erschienen in der Dewezet am 31. Mai 2008.

Indiana Jones: Das Königreich des Kristallschädels

Es ist 19 Jahre her, dass der größte Haudegen und Abenteurer des Kinos seine berühmte Peitsche schwang und auf Reisen mythische archäologische Funde machte. Nach langem Hin und Her um das perfekte Drehbuch ist Indiana Jones, der Mann mit dem Schlapphut zurück. Das Ergebnis des vierten Teils der Serie hätte die Fans von den Sitzen hauen müssen. Nichts anderes rechtfertigt die Fortsetzung der in sich derart perfekten Trilogie. Doch umhauen kann dieses Comeback von Schauspieler Harrison Ford wirklich gar nichts.Statt grandios ist „Das Königreich des Kristallschädels“ nur ganz gut. Und das ist eine Katastrophe. Vielleicht hätten Regisseur Steven Spielberg und George Lucas doch noch eine Weile länger das Hin und Her um das perfekte Drehbuch mitspielen sollen. Oder vielleicht lieber die Finger von dem Projekt lassen. Sicherlich ist es Fords bester Film seit Jahren, aber das ist bei Fehlgriffen wie „Firewall“ auch nicht wirklich schwer.Es lockt eineStadt aus GoldIn „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ bekommt es der Halbtagsprofessor mit fiesen Russen zu tun, die auf der Suche nach dem Kristallschädel sind. Allen voran: Cate Blanchett als die Degen schwingende Irina Spalko.Der Legende nach gibt es in Südamerika eine versunkene Stadt ganz aus Gold, aus der ein solcher Schädel verschwunden ist. Wer ihn zurückbringt, erlangt die Macht über die Kräfte, die dort walten. Ein verlockendes Versprechen mitten im Kalten Krieg und der heißen Aufrüstphase zwischen den Supermächten. Damit auch alle dies richtig einzuordnen wissen, landet Indy mitten in einem Atomtestfeld in Nevada und wird poetisch silhouettenhaft vor einem Atompilz gezeigt. Konsequenzen hat das für den Helden natürlich nicht. Schließlich ist dies ein Indy-Abenteuer, in dem ganz naiv mit den Naturgesetzen und der menschlichen Verletzbarkeit umgegangen wird. Dort wo andere draufgehen würden, stolpert Ford nur mal kurz etwas benommen in seiner unvergleichlichen Art durch die Gegend.Spielberg gibt sich redliche Mühe seinen Film im nostalgischen Stil der Original-Trilogie zu drehen, um die Fans zurück in ihre Kindheit zu versetzen, als Indy sie noch in abenteuerliche Welten entführte und Kino Magie bedeutete. Doch der Regisseur meint es dabei etwas zu gut und erstickt im gleichen Zug seinen Film im Overkill von Effekten und Gimmicks.Einziges Highlight:Gezeter mit Karen AllenBei seinem Abenteuer begegnet Indy übrigens dem jungen Mutt, der in Gestalt des Jungstars Shia LaBeouf, der wie einst Marlon Brando in „Der Wilde“ supercool auf seinem Motorrad hängt, und seiner großen verflossenen Liebe Marian (Karen Allen). Während die Story immer wirrer wird, die Verfolgungsjagden immer actionreicher und auch Außerirdische (!) ihren Platz finden, bildete das Gezeter zwischen Ford und Allen das einzige wirkliche Highlight des Films. Hier lebt ganz kurz mal wieder der charmante Mix aus Humor und Action auf. Allerdings hält es nicht lange an.
Erschienen in der Dewezet am 24. Mai 2008.

Shine a light

Über die Rolling Stones ist schon alles gesagt worden. Fand zumindest Martin Scorsese. Der Meisterregisseur wollte mit „Shine a light“ dennoch einen Film über die Rocklegenden in die Kinos bringen. Doch anstatt ihr Leben mit Schauspielern zu verfilmen oder eine Dokumentation zu drehen, entschied er sich für einen Konzertfilm. Und zwar von einem Konzert im New Yorker Beacon Theater. 15 Kameras versteckte Scorsese im Publikum, auf der Bühne und unter der Decke. Durch die Linsen sahen dabei einige der besten Kameramänner, die die Branche derzeit zu bieten hat. Das Ergebnis ist grandios.Der Film beginnt aber dokumentarisch – damit, dass Martin Scorsese einen Konzertfilm über die Rolling Stones machen will. In wenigen Minuten erfährt der Zuschauer ein bisschen über das Chaos hinter den Kulissen. Darüber, dass die Beleuchtung Mick Jagger in Flammen aufgehen lassen könnte, wenn er zu lange bestrahlt wird, und dass Scorsese erst Sekunden, bevor die Bühne im Sound von „Jumping Jack Flash“ geradezu explodiert, erfährt, welche Songs die Rocker gedenken zu spielen.Alles höchst amüsant und menschelnd. Auch Ex-US-Präsident Bill Clinton hat einen kurzen Auftritt. Abgesehen von einigen wenigen Archiv-Bildern, die Scorsese zwischen die Songs streut, stehen anschließend nur noch die Rolling Stones auf der Bühne und lassen es krachen. Wenn Mick Jagger in einem Interview in den Siebzigern grinsend erklärt, dass er sich ganz leicht vorstellen könnte, das mit 60 Jahren immer noch zu machen, dann ist ein solcher Moment Magie. Scorsese gelingt es immer wieder, genau diese Magie von Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts einzufangen. Ob Energiebündel Jagger über die Bühne tobt oder keiner mehr Spaß an dem Konzert zu haben scheint als der ständig glücklich und schelmisch lächelnde Richards. Fast jedes Bild, ob intimes Close-up oder eine Totale, könnte eingerahmt in einer Galerie hängen. Perfekt komponiert, und dennoch unendlich dynamisch kommt dieses Meisterwerk daher. Wer vor diesem Film kein Fan von den Rolling Stones war, der ist es spätestens danach!
Erschienen in der Dewezet am 22. Mai 2008.

Verliebt in die Braut

Wenigstens hat Julia Roberts am Ende von „Die Hochzeit meines besten Freundes“ nicht dem Brautpaar die Eheschließung versaut, sondern mit ihrem schwulen Kumpel Rupert Everett getanzt. Eine romantische Komödie ohne den erlösenden Und-sie-kriegen-sich-doch-Kuss. Mutig. In der Variante „Verliebt in die Braut“ fällt Frauenheld Tom alias Patrick Dempsey ebenfalls erst dann ein, dass er seine beste Freundin Hannah liebt und mit ihr zusammen sein will, als diese ihre Hochzeit mit einem anderen plant. Der nette kleine Dreh, den sich die Macher hier ausgedacht haben, ist, dass Hannah den Macho Tom bittet, ihre Brautjungfer zu werden. Okay, denkt Mr. Womanizer, als Brautjungfer kann ich die Hochzeit am besten sabotieren und Hannah gleichzeitig beweisen, dass ich erwachsen geworden bin und sie liebe.Lieblos runtergedrehteGeschichteUm die Sache noch ein bisschen schwieriger für Tom zu machen, ist der Ehemann in spe ein schottischer Herzog, Erbe einer Whiskey-Dynastie mit vier Schlössern und – was noch schlimmer ist – er kann beim Basketball dunken. Es ist immer ein bisschen ärgerlich, wenn ein Film nicht wegen seiner Geschichte verfilmt wird, sondern am Reißbrett als Starvehikel konstruiert wird. „Verliebt in die Braut“ ist ein solcher Fall. Patrick Dempsey, der ehemalige Teenieschwarm aus den 80er-Jahren, schaut derzeit einer steilen Karriere entgegen. Durch den Erfolg der Ärzteserie „Grey’s Anatomy“, die ihm den Spitznamen „McDreamy“ und den zweiten Platz auf der „Sexiest-Man-Alive“-Liste einbrachte, probiert der ewige Nebendarsteller erneut den Sprung in die Kino-A-Liga. Warum auch nicht? Doch nach dem zauberhaft-sympathischen „Verwünscht“ bleibt Dempsey in „Verliebt in die Braut“ peinlich blass. Was allerdings nicht an dem Schauspieler liegt, sondern vor allem durch die schwache und recht lieblos runtergedrehte Geschichte eine Bauchlandung erlebt.Zwar wird Toms Traumfrau Hannah von der süßen und talentierten Michelle Monaghan gespielt. Aber so richtig mag der Funke zwischen den Beiden nicht überspringen. Fast schon wünscht man sich, dass sich Regisseur Paul Weiland ein wenig mehr an dem Julia-Roberts-Vorbild entlanggehangelt hätte und seine Hauptfiguren am Ende nicht gemeinsam vor den Altar treten ließe.
Erschienen in der Dewezet am 17. Mai 2008.

Speed Racer

Nichts Geringeres als eine erneute Revolutionierung des Kinos hatten sich die Wachowski Brüder vorgenommen. Doch was ihnen vor knapp zehn Jahren noch mit „Matrix“ gelungen war, verursacht mit „Speed Racer“ einen unglaublichen Crash. Das knallbunte Autorenn-Spektaktel krankt nicht nur an unnötiger Überlänge, auch ist die Geschichte um den talentierten jungen Rennfahrer Speed Racer und seine liebevolle heile Familienwelt derart altbacken, dass sie auch in einer Sitkom aus den 50er-Jahren statt in der hoch technisierten Zukunft, die die Wachowskis hier darstellen wollen, angesiedelt sein könnte.Sicherlich hat „Speed Racer“ einige optische Leckerbissen-Momente. Doch macht das Regie-Duo den gleichen Fehler wie in den beiden Matrix-Nachfolgern. Visuelle Gimmicks und Schauwerte verkommen schnell zur Masche anstatt die Charakterentwicklung zu unterstützen oder die Geschichte voranzutreiben.So gehen einem die übereinandergelegten Bildelemente, die ständig von einer Seite der Leinwand zur anderen gleiten, und die schicken Zeitlupe Crashs fürchterlich auf die Nerven.Die Familie Racer hat das Rennfahren im Blut. Aber das verrät ja schon der Name. Pops baut die schneidigen Schlitten. Seine Söhne Rex und Speed legen auf der Rennstrecke halsbrecherische Manöver hin. Speed ist noch ein kleiner Dreikäsehoch als sein großes Vorbild Rex mit der Familie bricht, um für große Sponsoren zu fahren, und bei einem Unfall ums Leben kommt. Jahre später kämpft Speed auf der Piste gegen die Machenschaften der Großen, Mächtigen und Reichen, die versuchen den Grand Prix zu einem abgekarteten Spiel zu machen.Dass bei dem wilden Fahrstil immer mal wieder alle physikalischen Gesetze nicht nur ausgesetzt werden, sondern scheinbar von Anfang an kaum eine Rolle spielen, tut dem Streifen trotz spektakulärer Bilder nicht gut. Denn leidet die Glaubwürdigkeit mag man einfach nicht mehr mit dem Helden mitfiebern.Der abgesehen von den glücklicherweise guten und sympathischen Schauspielern komplett am Computer entstandene Film mischt den Stil von „Matrix“ und „Spy Kids“ mit Bud Spencer und Terrence Hill-Prügeleien, mischt noch ein bisschen Anime hinein (der Film basiert auf der japanischen Serie „Mach Go Go Go“ aus den 60er Jahren) und klaut beim Pod-Rennen aus „Star Wars – Episode I“. Und das alles in bonbonbunten Farben. Die Dialoge bleiben naiv und abgeschmackt. Als Kurzfilm hätte „Speed Racer“ bestimmt das Kino der Zukunft maßgeblich beeinflusst. Doch mit Überlänge schlittert der rasend schnelle Film immer wieder in die gähnende Langeweile. Erschienen in der Dewezet am 14. Mai 2008.

Love Las Vegas

Wo geht man hin, wenn man vergessen möchte, dass man gerade erniedrigt wurde? Auf die Frage mag jeder eine andere Antwort haben. Für Joy und Jack ist es Las Vegas. Joy wurde gerade von ihrem Verlobten vor der versammelten Mannschaft ihrer Freunde verlassen und Jack von seinem eigenen Vater gefeuert.In Vegas treffen die beiden aufeinander, feiern gemeinsam eine rauschende Nacht und, wie das in Vegas schon so vielen passiert ist, wachen verheiratet wieder auf. Eigentlich sind sich die beiden ja schnell einig: Eine Annullierung muss her. Doch dann gewinnt Jack mit Joys Münze am Automaten den Jackpot. Drei Millionen Dollar. Tja, was deins ist, ist auch meins, heißt es so schön. Doch statt zu teilen, werden die beiden Frischverheirateten zu einem halben Jahr Zwangsehe verurteilt. Ehetherapie inklusive.KonstruierteAusgangssituationDiese fürchterlich konstruierte Ausgangssituation bietet Cameron Diaz als Joy und Ashton Kutcher als Jack eine herrliche Spielwiese, um sich im kleinen Ehekrieg auszutoben und ihr komödiantisches Talent einmal mehr unter Beweis zu stellen. Doch die fiesen kleinen Fallen, die sich die beiden stellen und die Zickereien sind nicht der Grund, warum der Film „Love Vegas“ erstaunlich gut funktioniert. Sicherlich ist von der erste Minute an klar, dass sich die beiden am Ende doch noch ineinander verlieben.Doch Diaz und Kutcher entwickeln ganz, ganz schleichend eine Anziehungskraft zwischen den beiden Figuren, die den Funken auf die Zuschauer überspringen lässt. Da stimmt einfach die Chemie – und vor allem das Tempo.„Love Vegas“ ist alles andere als ein Höhepunkt in der Karriere der beiden Schauspieler und mit Sicherheit auch kein Film, an den man sich in zehn Jahren noch erinnern wird. Aber, immerhin, für nette romantische Unterhaltung ist gesorgt. Im Übrigen ist die toughe Lake Bell, die Cameron Diaz als beste Freundin zur Seite steht, eine echte Offenbarung. Den Namen sollte man sich unbedingt merken. Denn die hübsche Dame wird man wohl jetzt hoffentlich des Öfteren auf der Leinwand zu sehen bekommen.
Erschienen in der Dewezet am 10. Mai 2008.

Iron Man

Spider-Man war gestern. Die Welt der Comic-Verfilmungen hat einen neuen Star und die Blockbuster-Saison 2008 ihren ersten großen Hit. Robert Downey Jr. liefert mit „Iron Man“ eine Vorstellung ab, die niemand von ihm erwartet hätte. Regisseur Jon Favreau gibt dem ersten Teil der Marvel-Superhelden-Geschichte jede Menge Spaß und Rock’n’Roll.Der Waffenindustrielle Tony Stark wird beim Vorführtermin seiner neuen Bombe in Afghanistan entführt. Doch anstatt für seine Peiniger die Waffe nachzubauen, werkelt das Genie an einer Rüstung, die ihm Superkräfte verleiht, und kann fliehen. Zudem hat Stark einen kleinen Reaktor in der Brust. Der gemeinsam mit einem Magneten seinen Tod verhindert – und nebenbei seine rotgoldene Superrüstung betreibt.Wie in jedem ersten Teil einer Superhelden-Saga steht die Genesis der Figur im Mittelpunkt. Nach der ersten etwas schwachen halben Stunde kommt „Iron Man“ mit der Konstruktion des stählernen Kostüms und den ersten desaströsen Testflügen richtig in Schwung. Favreau versteht es, bombastisches Kino mit grandiosen Schauwerten, hinreißenden Schauspielern, knackigen Dialogen und urkomischer Situationskomik zu verbinden. Ein absoluter Hochgenuss, der im großen Kampf zwischen Iron Man und seinem größenwahnsinnigen Gegenspieler Obadiah Stane zum Höhepunkt kommt.Dass Comicverfilmungen nicht mehr nur trashige Unterhaltung sind, sondern durchaus Anspruch haben, ist an der hochkarätigen Besetzungsliste abzulesen. Tummeln sich doch allein in „Iron Man“ mit Downey Jr., Jeff Bridges und Terrence Howard drei Oscar-Nominierte, während Gwyneth Paltrow ihren goldenen Jungen schon im Schrank stehen hat. „Iron Man“ ist die erste Eigenproduktion aus dem Hause Marvel, was für Fans den netten Nebeneffekt hat, dass sich Superhelden nun in Cross-over-Momenten gegenseitig besuchen können. Somit müssen wir nicht lange warten, um Iron Man wiederzusehen. Er schaut nämlich demnächst bei seinem Marvel-Kumpel Hulk auf Stippvisite vorbei.
Erschienen in der Dewezet am 3. Mai 2008.

Die Drachenjäger

Das Aufregendste am französischen Fantasyfilm „Die Drachenjäger“ ist das Design der Welt. Dort fliegen einzelne Landstriche, ganze Felsblöcke oder Häuser schwerelos durch die Atmosphäre. Diese grandiose Kulisse mit bröckelndem Gemäuern löst sich immer weiter auf, je näher die Helden sich dem Ende der Welt nähern. Ob der Weltenfresser an dieser Bröselei schuld ist oder ob dies einfach das bizarr-schwebende Universum dieser Geschichte ist, wird nicht geklärt. Doch „Die Drachenjäger“ hat nicht nur seltsame und fantasiereiche Schauwerte und eigenartige Geschöpfe, um aufzutrumpfen. Auch die Geschichte ist flott, liebevoll und spannend erzählt: Eigentlich sind der schlitzohrige Gwizdo, der muskulöse Softie Lian Chu und ihr kleiner Mini-Drache Hector nur arme Jungs, die mit Drachenbekämpfung versuchen, ein bisschen Geld für einen Bauernhof zusammenzukratzen. Als sie die kleine Zoe, die von strahlenden Rittern und Heldentaten träumt, retten, scheint sich ihr Wunsch zu erfüllen. Denn ihr Onkel gibt ihnen einen großzügigen Vorschuss dafür, dass sie den Weltenfresser zur Strecke bringen. Auch wenn dabei einige Fragen offen bleiben.Lian Chus Kämpfe mit den Drachen bringen ein actionbepacktes Moment in die Geschichte, das man von Animationsfilmen in diesem Maß nicht gewohnt ist. So aufregend das auch sein mag, es ergeben sich dadurch für die Helden Schwierigkeiten an der Kinokasse: „Die Drachenjäger“ haben keine klare Zielgruppe. Für die Kleinen dürfte der Streifen zu gruselig sein. Doch das etwas erwachsenere Publikum wird sich von dem auf den ersten Blick kindlich wirkenden Film abschrecken lassen und gar nicht erst in den Genuss des Abenteuers kommen. Schade, denn so viel Fantasie erreichen Filme nur selten.
Der Wanderer über dem Geröllmeer: Durch unwirkliche Kulissen besticht der Animationsfilm „Drachenjäger“.
Erschienen in der Dewezet am 29. April 2008.

Sommer

Mit „Sommer“ steigt Jimi Blue Ochsenknecht, nachdem er sich mit fünf „Wilde-Kerle“-Filmen als Leon einen Namen gemacht hat, in seine erste etwas erwachsenere Rolle ein. Charmant und nett erzählt der Film die kleine Liebesgeschichte zwischen Tim und Vic gegen alle Vorurteile der Inselbewohner. Das mag fürchterlich klischeebehaftet daherkommen, aber die offenen Gesichter der jungen Darsteller machen all das wett. Und auf die ist der Film auch maßgeschneidert zugeschnitten. Denn Uwe Ochsenknechts Sohnemann ist der neue Teeniestar der Nation.In der Komödie von Mike Marzuk spielt er Tim, dessen Vater bei der Luftwaffe ist und immer wieder an einen anderen Ort stationiert wird. Jeder Umzug bedeutet für den Jungen eine neue Schule. Nur diesmal nicht. Denn Somalia ist nichts für ihn. Diesmal landet er bei Oma auf einer kleinen Nordsee-Insel. Kaum angekommen, gerät der 15-Jährige in seinen ersten Streit mit der coolen Clique des Ortes. Die hat es nämlich auf den dicken Eric abgesehen. Tim eilt diesem zur Hilfe und wird kurz darauf durch eine Schaufensterscheibe geworfen. Und da der erste Eindruck sich oft in den Köpfen festsetzt, besonders wenn der Neuankömmling eine Lederjacke trägt, gilt Tim nach ein paar Minuten Inselleben als kriminell. Um die kaputte Scheibe abzuarbeiten, nimmt er einen Job im Reitstall an und lernt dort die niedliche Vic kennen. Allerdings: Sie ist bereits vergeben und zwar an Lars, den Anführer der fiesen Clique. Aber immerhin: Tim findet in Eric sofort einen Freund.Der Rest der „Sommer“-Geschichte ist leider ein bisschen nach Schema F geraten und wenig originell gedreht. Natürlich siegt die große Liebe nach einigen Hürden und kleineren Katastrophen und alles löst sich in Wohlgefallen auf. So wie es sich für eine romantische Teenie-Komödie gehört. Selbst der dicke Eric landet bei seiner Angebeteten und darf ein bisschen schmusen.
Erschienen in der Dewezet am 22. April 2008.

Ein Schatz zum Verlieben

Mit „Wie werd' ich ihn los – In 10 Tagen“ traten Kate Hudson und Matthew McConaughey erstmals gemeinsam vor die Kamera. „Ein Schatz zum Verlieben“ ist das zweite Projekt, in dem sich das Traumpaar als das neue Meg-Ryan-Tom-Hanks-Gespann etablieren soll.Wenn die Filme, die die beiden hübschen Akteure zusammen angehen, allerdings nicht besser werden, dann wird es wohl nie etwas aus diesem Erbe. Dann dient die Paarung auf den Filmplakaten irgendwann nur noch als Warnsignal.Leider ist Finnein ChaotIn „Ein Schatz zum Verlieben“ steht die Beziehung von Finn (McConaughey) und Tess (Hudson) bereits am Anfang der Geschichte vor ihrem Ende. Die beiden haben einen Scheidungstermin. Denn: Finn und Tess sind acht Jahre lang hinter einem Schatz hergejagt, den sie auf dem spanischen Schiff Aurelia vermuten. Das Schiff ging 1715 unter. Leider nur ist Finn ein Chaot, der mal eben Tess Schiff versenkt und überall Schulden macht. Das hält die beste Beziehung nur schwerlich aus.Doch kaum geschieden findet Finn einen Teller vor der Küste von Key West und entflammt eine neue Spur und damit nach und nach die Hormone seiner Ex-Frau. Natürlich, weil das so dazu gehört, bekommen sie Unterstützung von einem reichen und lieben Millionär, werden von Gangstern gejagt und bekommen beim Tauchen Konkurrenz. Sonst wäre das alles ja auch langweilig.Zwischendurch schwafeln Finn und Tess von ihren Theorien und erklären groß, breit und historisch, warum sie das Geld auf der Aurelia und die Aurelia vor Key West vermuten.Sicherlich hat die hübsche Hudson ihren Charme und McConaughey einen schicken Körper, den er auch bei jeder Gelegenheit so nackt wie möglich zeigt, aber das rettet diese schwache Geschichte auch nicht. Hinzukommt, dass das Verhältnis zwischen dem gönnerhaften Millionär Honeycutt (gespielt von dem doch sonst so wundervollen Donald Sutherland) und seiner geistig etwas minderbemittelten und fürchterlich verwöhnten Tochter Gemma (quietschig: Alexis Dziena) dermaßen nervig und unglaubwürdig mitanzusehen ist, dass sich ein bemühtes Lachen oft in ein genervtes Gähnen verwandelt. Für ein kleines bisschen unterhaltsames Abenteuer mit braungebrannten hübschen Darsteller ist der Streifen aber dennoch gut genug.
Erschienen in der Dewezet am 18. April 2008.

Jumper

Während in diesem Jahr die Superhelden schon Schlange stehen, um uns als Iron Man, Hulk, Hellboy und Wolverine von den Socken zu hauen, unterhält derzeit eine etwas andere Art von Held mit Superkräften das Kinopublikum. David, der sich an jeden beliebigen Ort teleportieren kann, ist nicht besonders heldenhaft. Er rettet niemanden und nutzt seine Fähigkeiten nur zu seinem eigenen Vorteil. Bis ihm ein Jäger, ein Paladin, auf die Spur kommt. Denn alles, so der Paladin Roland, hat seine Konsequenzen. Von jetzt an wird Mr. Sorglos zum Gejagten. Kein besonders guter Zeitpunkt, um sich seiner großen Jugendliebe Millie zu nähern. Aber David ist nicht der hellste und bald doch gezwungen, jemanden zu retten…Mit „Jumper“ hat „Bourne Identität“-Regisseur Doug Liman ein leicht verdauliches Action-Abenteuer in die Kinos gebracht, das ohne jeglichen Tiefgang hervorragend unterhält und dessen Verfolgungsjagden in Spezialeffekte gehüllt sind. Hauptdarsteller Hayden Christensen, den seit seiner Rolle als Anakin Skywalker in den „Star Wars“-Filmen kein Cineast auch nur ansatzweise mehr ernst nimmt, macht eine anständige Figur in diesem Streifen. Immerhin. Allerdings, und auch das wird seiner Karriere wohl nicht gerade helfen, wird er von Nebendarsteller Jamie Bell, der den kämpferischen Jumper Griffin spielt, in jeder gemeinsamen Szene gnadenlos an die Wand gespielt.
Erschienen in der Dewezet am 16. April 2008.

21

Die meisten Glücksspiele beruhen – wie der Name schon sagt – auf Glück. Bei Kartenspielen ist das etwas anderes. So lässt sich beispielsweise Black Jack durch Kartenzählen und Wahrscheinlichkeitsberechnungen vorhersagen. Das ist nicht illegal.Professor Mickey Rosa vom MIT in Boston macht sich das Genie seiner Studenten zunutze und fliegt mit einer Gruppe regelmäßig nach Las Vegas. Die Mathe-Cracks spielen. Der Prof kassiert. Mitten drin steckt Ben. Der junge Mann ist brillant, schüchtern – und arm. Sein größter Wunsch ist, in Harvard Medizin zu studieren. Aber das kostet 300000 Dollar. Somit ist Ben leichte Beute für den Zocker-Prof.Natürlich gerät alles nach einer Erfolgssträhne ins Trudeln und wie fast jeder Vegas-Film haben die Spiele immer einen doppelten Boden.An sich haben Casino-Geschichten im Kino oft einen glamourösen Touch. Spannend. Dekadent. Elegant. Das versucht auch „21“, der angeblich auf einer wahren Begebenheit basiert. Aber da nichts wirklich langweiliger zu filmen ist als Kopfrechnen, das sich über zwei Stunden hinzieht, hat „21“ so seine Schwierigkeiten die Spannungskurve oben zu halten.Hinzukommt, dass Kevin Spacey den skrupellosen Professor Rosa mit seiner altbewährten süffisanten Art spielt, die einem ganz langsam etwas auf die Nerven geht. Sehr nett, aber unspektakulär ist die niedliche Kate Bosworth, die die Hormone und romantischen Gefühle des armen Bens weckt.Aber dann ist da ja zum Glück noch Newcomer Jim Sturgess, der kaum einen besseren Eindruck hinterlassen könnte. Der sympathische junge Mann zeigt die Wandlung vom schüchternen Ben zum überheblichen Zocker so überzeugend, dass man etwas versöhnlich auf den Kinoabend mit „21“ zurückblickt. Erschienen in der Dewezet am 14. April 2008.

Der rote Baron

Wir schießen die Flugzeuge ab, nicht die Piloten.“ Manfred von Richthofen gibt seinen Kampfpiloten genaue Anweisugen. Für den naiven adligen jungen Mann ist der Krieg da oben in der Luft ein sportliches Turnier, bei dem die Soldaten ihre Kräfte messen. Die Idee, dass Menschen dabei sterben könnten, verdrängt er.Von Richthofen gilt mit 80 Abschüssen als der beste Kampfflieger des ersten Weltkrieges. Mit 25 Jahren wurde er selbst vom Himmel geholt. Bereits in den 70er-Jahren hatte Roger Corman dem „Roten Baron“ – sein Flugzeug war rot gestrichen, damit der Feind Angst vor ihm haben sollte – ein filmisches Denkmal gesetzt. Nun setzte sich die deutsche Filmindustrie daran, sich ihren legendären Kriegshelden doch selbst noch einmal vorzuknöpfen.Das Ergebnis ist schwach. Denn neben den vielen Luftschlachten, die zugegebenerweise grandios in Szene gesetzt werden, sich dann aber doch wiederholen, ist im Leben des Fliegerasses nicht viel passiert. Gut, da ist mal ganz kurz der Konflikt zwischen ihm und seinem Bruder Lothar und dann noch die kleine Romanze am Rande, in der Krankenschwester Käte dem Soldaten die Augen öffnet und ihm zeigt, dass Krieg kein Spaß ist. Das ist von der Britin Lena Headey auch ganz nett gespielt, wirkt aber oft im Kontext ziemlich lächerlich.Ansonsten sterben rechts und links immer mal wieder ganz unspektakulär und ohne emotionale Konsequenz die Freunde des Piloten weg und hinterlassen aber auch keine Lücken. Irgendwann ist das heroische romantisierende Denkmal vorbei und über von Richthofen weiß der Zuschauer immer noch nicht mehr als zuvor. Außer, dass der Mann anscheinend unglaublich uninteressant war.Matthias Schweighöfer gibt sich als Titelheld redlich Mühe den jungen Adligen etwas hochnäsig und trotzdem sympathisch und zerrissen zu spielen. Aber man nimmt ihm die Rolle nur sehr bedingt ab.Selbst in den wenigen emotionalen Szenen wird seine Leistung von unangemessener Musik oder dilettantischem Schnitt völlig untergraben. „Der rote Baron“ ist ein verklärendes Heldenepos, das zwar ganz hübsche Bilder liefert, aber ansonsten übersprungen werden darf.
Erschienen in der Dewezet am 12. April 2008.

Untraceable

Das Internet mag das demokratischste Medium sein, das die Menschheit je in die Welt gesetzt hat. Doch: Darf jeder zu Wort kommen, dauert es nicht lange, bis die dunkelsten Abgründe an die Oberfläche dringen. Genau diese macht sich ein sadistischer Mörder in dem neuen Film von Thriller-Regisseur Gregory Hoblit („Zwielicht“ und „Das perfekte Verbrechen“) zunutze. In einem Livestream auf der Internet-Seite www.killwithme.com stellt er seine Opfer zur Schau. Je mehr Leute sich auf die Seite klicken, desto schneller wird der gefolterte Mensch sterben. Jeder Surfer, der zuschaut, wird zum Mittäter.Zynische Kommentareund DiskussionenDie Geschichte „Untraceable“ wird erzählt aus der Sicht der FBI-Agentin Jennifer Marsh, gespielt von Diane Lane. Sie ist Spezialistin für Internet-Kriminalität. Ihr Gegenspieler scheint ihr aber immer einen Schritt voraus. Immer wieder landet ein neuer Mensch im Keller. Und immer schneller steigen die Klicks.Hoblit gelingt es, uns mit seinem Thriller einen hässlichen Spiegel vorzuhalten. Fahren wir doch auch an einem Unfall etwas langsamer vorbei, um einen kleinen Moment wenigstens gaffen zu können. Besonders zynisch sind die Kommentare, die User auf der Internet-Seite bei jedem neuen Fall wieder hinterlassen, und ihre Diskussion darüber.So brillant Hoblit der Aufhänger zu seiner Geschichte auch gelingt und so unangenehm man als Zuschauer berührt ist – unterhalten hat der Regisseur schon mal wesentlich besser. Sicherlich ist „Untraceable“ durchaus solides Handwerk. Aber dann doch in seinem Ablauf etwas hölzern und vorhersehbar. Zumal viele Auflösungen mehr als hanebüchen daherkommen. Höhepunkte dagegen sind Diane Lane in der Hauptrolle und der Sympathieträger Colin Hanks als ihr Lieblingskollege Griffin, der schnell selbst in die Fänge des Monsters gerät.
Erschienen in der Dewezet am 9. April 2008.

Hardcover

Äußerst vergnüglich ist die neue Komödie von Regisseur Christian Zübert („Vollidiot“, „Lammbock“): „Hardcover“, für den er auch das Drehbuch schrieb, ist ein herrlich gelungener Film, bei dem man vor lauter ad absurdum geführten Klischees immer wieder am liebsten vor Lachen und Fremdscham im Boden versinken möchte.Das liegt nicht nur an der skurril-komischen Handlung um Romanautor Christoph und Kleingangster Dominik, sondern auch am Schauspielergespann Lukas Gregorowicz und Wotan Wilke Möhring – ihre Charaktere sind einfach zum Brüllen komisch. Wenn der Hänfling und der Spacko aufeinander knallen, dann ist das Kleinchaos mit höchst amüsanter Situationskomik vorprogrammiert.Alles, was Christoph über die Gangsterwelt weiß, hat er sich in Filmen angeeignet. Kein Wunder, dass dem Krimiautor die Inspiration fehlt. Zwar sind es nur Groschenromane, die er nach Schema F verfassen soll. Aber Christoph will Authentizität. Nebenbei arbeitet der liebenswerte Trottel mit dem Wuschelkopf und der Fielmann-Nickelbrille in einem Autoverleih. Als der Firma ein Wagen gestohlen wird und Christoph auf der Polizeistation den Dieb identifizieren soll, wittert der Möchtegern-James-Ellroy seine Chance. Er hilft dem Kleinganoven Dominik und erwartet im Gegenzug eine Einführung ins Milieu.Dass Dominik ein etwas großmauliger Checker ist, der ihm nicht helfen kann, am allerliebsten Joint rauchend vor dem Fernseher sitzt und dessen Arbeit als Türsteher völlig harmlos ist, merkt Christoph erst, als er schon mitten im Schlamassel steckt. Milieustudie zwischen Spießigkeit und Schrankwand.Besonders Möhring als Dominik gewinnt in seiner balkonseidenen Proleten-Art sofort das Publikum für sich. Dominik liebt es, in einem Kauderwelsch aus prolligem Deutsch gemixt mit Englisch-Fetzen zu schwafeln, das oft überhaupt gar keinen Sinn ergibt. Lukas Gregorowicz als Christoph dagegen fallen die besten Antworten immer erst Minuten später ein.
Erschienen in der Dewezet am 5. April 2008.

Daddy ohne Plan

Er ist der King. Auf dem Football-Feld. In den Herzen der Fans. Und in seinem schicken, durchgestylten Apartment. Joe Kingman befindet sich als Bostoner Quarterback auf dem Höhepunkt seiner Football-Karriere. Da steht auf einmal die kleine Peyton vor der Tür und stellt sich als seine Tochter vor. Weil ihre Mama für vier Wochen in Afrika ist, will das Mädchen bei seinem Papa, den sie noch nicht kennt, bleiben. Das so erfolgsverwöhnte und durchgeplante Leben von Kingman kommt dadurch gehörig durcheinander.Regisseur Andy Fickman, der mit „She’s the Man“ eine lockere und sympathische High-School-Variante der Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ drehte und mit dem Kiffer-Musical „Reefer Madness“ schräge Innovation bewies, dreht „Daddy ohne Plan“ erschreckend konventionell und lieblos ab. Die Geschichte wurde vom Hause Disney schon zigtausende Male auf den Markt geschmissen – und teilweise schon wesentlich besser. Natürlich richtet das kleine Mädchen mit Vorliebe für Prinzessinnen-Geschichten, Glitzer-Klebesteine und Ballett ein großes Chaos an, bezaubert dann die gesamte Football-Mannschaft und gewinnt das Herz ihres Daddys. Aus dem wird durch den kleinen Fratz selbstverständlich ein besserer und glücklicherer Mensch. Und das obwohl er sein Cabrio gegen eine Familienkutsche eintauschen muss. Der Umstand, dass die Vater-Tochter-Komödie trotz aller Merkmale einer Produktion vom Fließband nicht völlig im schwarzen Loch der großen cineastischen Ärgernisse abtaucht, ist dem Kleinfamilien-Gespann Dwayne „The Rock“ Johnson und der kleinen Newcomerin Madison Pettis zu verdanken. Die Beiden besitzen zum Glück so viel Charme, dass es einen über die schlecht geschriebenen Dialoge und den unglaublich vorhersehbaren Plot hinwegtröstet.Leider völlig unerträglich ist Kyra Segdwick als Kingmans verzickte Agentin Stella. So viel hysterischer und unlustiger Unfug ist wirklich ein Trauerspiel, wenn man bedenkt, wie gut diese Schauspielerin doch in Filmen wie „The Woodsman“ oder „Singles“ war.
Erschienen in der Dewezet am 4. April 2008.

Vielleicht, vielleicht auch nicht

Will Hayes hat gerade die Scheidungspapiere auf den Tisch bekommen. Nun will seine Tochter Maya endlich die wahre Geschichte wissen, wie sich Papa in ihre Mutter verliebt hat. Will erzählt ihr von den drei Frauen, in die er vor seiner Ehe verliebt war. Er ändert dabei die Namen und ein paar Fakten. Maya muss nun raten, wer ihre Mama wurde.Komplizierterals vorgestelltDoch das ist komplizierter als die Zehnjährige sich das vorgestellt hat. Die Kandidatinnen sind Wills College-Freundin Emily, April, die er während der Wahlkampagne von Bill Clinton am Kopierer kennenlernt und Summer, eine ehrgeizige Journalistin.„Vielleicht, vielleicht auch nicht“ bietet eine erfrischende neue Struktur für eine Komödie. Anstatt die übliche Geschichte Junge trifft Mädchen bis zum erlösenden Kuss zu erzählen, dreht sich der Film mehr um die Höhen und Tiefen von Beziehungen.Regisseur Adam Brooks schafft es leider nicht, seine clevere Struktur so zu nutzen, dass er etwas wirklich Neues und erfrischend Anderes schafft. Die Liebesgeschichten sind dann doch irgendwie konventionell erzählt und Papas und Mayas Gespräche sind zwar ganz niedlich, aber dann doch nicht originell genug.Dennoch sorgt Ryan Reynolds dafür, dass man emotional mit ihm mitgeht. Der Sympath könnte durchaus noch ein Star in diesem Genre werden. Als die drei Frauen, die Will das Herz durcheinanderbringen, treten die strahlende Elisabeth Banks als Emily, die wundervoll quirlige Isla Fisher als April und die prachtvolle Rachel Weisz als Summer an. Abigail Breslin – der Star aus „Little Miss Sunshine“ löchert Reynolds als Maya mit Fragen. „Vielleicht, vielleicht auch nicht“ bietet zwar keine großen Überraschungen, aber sympathische Darsteller und eine solide Story, sodass man sich vielleicht eine Kinokarte kaufen könnte. Vielleicht aber auch nicht.
Erschienen in der Dewezet am 29. März 2008.

Die Geheimnisse der Spiderwicks

Wenn der Oger Mulgarath das magische Handbuch von Arthur Spiderwick in die Hände bekommt, wird er die Menschen und viele andere Wesen zerstören. Hätte Jared das gewusst, hätte er die Warnung auf dem Einband wohl ernster genommen. Aber dafür ist es nun zu spät. Das Buch ist geöffnet, die Welten haben sich verbunden und rund um das alte Haus lauern Kobolde, die Jared, seinem Zwillingsbruder Simon und seiner Schwester Malory ans Leder wollen.Seit Peter Jackson mit „Der Herr der Ringe“- Trilogie das Kino revolutioniert hat, ist das Fantasy- Genre auf dem Vormarsch. Immer wieder suchen Filmstudios nach neuem Stoff, der zu viel Geld an den Kinokassen gemacht werden kann. „Die Geheimnisse der Spiderwicks“ stammt aus der Feder der Kinderbuchautorin Holly Black.Wie die meisten Fantasy-Romane gibt es auch die „Spiderwick“ in mehrfacher Ausführung. Spielt der erste Teil um das Handbuch von Jareds Ur-ur-Onkel genug Geld ein, folgen mindestens zwei weitere Teile.So sehr man dem Stoff anmerkt, dass Holly Black für Grundschüler schreibt, so schlicht ist auch der Film gestrickt. Drei Kinder versuchen ein Buch zu beschützen und ihre genervte Mutter davon zu überzeugen, dass sie nicht spinnen, sondern dass Kobolde ihr Leben bedrohen. Nebenbei gibt es noch einen fliegenden Greif, wie man ihn schon aus „Harry Potter 3“ kennt, und einen kleinen Irrwicht, der sich mit Honig beruhigen lässt. Neben fantastischen Action-Sequenzen, in denen Jared und Malory in einem Tunnel vor einem Troll fliehen, ein Fechtkampf und dem finalen Kampf um das Haus fasziniert „Die Geheimnisse der Spiderwicks“ vor allem durch die optische Umsetzung der seltsamen Fabelwesen, die sich in den Blumen, auf den Bäumen und in der Luft trollen. Dabei werden einige Fantasy-Konventionen auf den Kopf gestellt und geraten einige Wesen so gruselig, dass sich jüngere Zuschauer sicher fürchten.
Erschienen in der Dewezet am 27. März 2008.

Step up 2 the streets

Das Konzept ist beim letzten Mal ganz gut aufgegangen. Ein Tanzfilm mit einer kleinen Liebesgeschichte und guten Choreografien. Schlicht gemacht, aber effektiv. Nun war zu befürchten, dass eine Aufwärmung der Story das harmlos-nette B-Movie-Feeling zerstören und so richtig in die Trash-Ecke rutschen könnte. Falsch gedacht: „Step up 2 the Streets“ hält sich nicht lange mit einer kitschigen Liebesgeschichte auf. Klar, die Romanze gibt es auch hier. Aber nur am Rande und charmant subtil, sodass die verstohlenen Blicke der Liebenden Vorfreude auf den finalen Kuss machen, anstatt ihn im kitschigen Schleim zu ersticken.In „Step up 2 the Streets“ dreht sich alles ums Tanzen. Tanzen als Ausdruck von Individualität. Tanzen als Ehrgeiz und Lebensinhalt. Tanzen als verbindendes Element verschiedenster Menschen. Tanzen als Harmonie. Tanzen als megacoole Choreografie, die einen kaum still auf dem Kinosessel sitzen lässt. So hält sich der Streifen wenig mit überflüssigen Dialogen oder dramatischen Szenen auf, sondern filmt unverbrauchte Darsteller bei wildesten Moves. Das ist optischer Hochgenuss und macht viel Spaß.
Erschienen in der Dewezet am 27. März 2008.

Juno

Es war die Erfolgsstory der vergangenen Filmmonate. Die Ex-Stripperin Diablo Cody wird durch ihren Internet-Blog von einem Filmproduzenten entdeckt. Dieser bittet sie, ein Drehbuch zu schreiben. Das Ergebnis ist „Juno“ – und ein Oscar für das beste Drehbuch des Jahres. Der Preis für das wunderschöne Independent-Werk ist auch gerechtfertigt.In liebenswertem undschrägem Ton erzähltDie 16-jährige Juno wird von ihrem Freund Paulie schwanger. Was dem schüchternen jungen Mann für einen kurzen Moment die Anerkennung von Junos Papa einbringt. „Das hätte ich dem Jungen gar nicht zugetraut“ – ist dessen erstaunter Kommentar. Dabei: Die Eltern hatten ja eigentlich gehofft, als Juno mit ihnen reden wollte, dass ihre Tochter von der Schule geflogen sei oder vielleicht auch Probleme mit Drogen habe. Da das Mädchen sich sehr schnell im Klaren ist, dass es selbst das Kind nicht großziehen will und auch eine Abtreibung nicht infrage kommt, sucht es die perfekten Eltern für den Nachwuchs. Und die findet Juno über eine Anzeige. Das junge und erfolgreiche Ehepaar Mark und Vanessa scheint zu passen. Auch wenn ab nun alles in geregelten Bahnen zu verlaufen scheint, muss die 16-Jährige doch bald merken, dass das Leben der Erwachsenen unglaublich kompliziert ist, ein großer Bauch im Schulkorridor Blicke auf sich zieht und Menschen einen sowohl enttäuschen als auch überraschen können.Die Geschichte von „Juno“ hätte schnell abgleiten und entweder albern oder melodramatisch werden können. Doch immer wieder gelingt es den liebenswerten, etwas schrägen Ton aufrecht zu erhalten. Das hat der Film vor allem der jungen Schauspielerin Ellen Page zu verdanken. Sie verleiht Juno eine derart nette und intelligente Kodderschnauze, dass es eine Freude ist, ihr beim Spielen zuzuschauen. Page, die schon in „Hard Candy“ mit ihrer ungeheuren Leinwandpräsenz erstaunte, übertrifft sich in diesem Streifen selbst. Aber auch die Nebenrollen sind perfekt besetzt. Besonders der „Superbad“-Star Michael Cera macht als Paulie mit seinen gelbroten Schweißbändern und Jogging-Shorts eine herrlich seltsame Figur. Jason Bateman und Jennifer Garner sind als werdende Adoptiveltern mit Junos schnellem Wortwitz ab und zu ein wenig überfordert und spielen die leicht verwirrten Normalos mit so viel charmanter Verklemmtheit, dass die Kombination der Darsteller kaum mehr Situationskomik heraufbeschwören könnte. „Juno“ ist der Independent-Hit des Jahres. Unbedingt ansehen und ganz viel lachen!
Erschienen in der Dewezet am 22. März 2008.

Horton hört ein Hu

Als der liebenswerte Elefant Horton durch die Tümpel des Dschungels Nümpels planscht, vernimmt er, weil er so große Ohren hat, plötzlich einen leisen Laut. Sehr schnell ist dem Dickhäuter klar: Da sind Leute auf dem Staubkorn, die ihn um Hilfe bitten. Er ahnt ja gar nicht, wie recht er damit hat. Denn auf dem Staubkorn befinden sich nicht nur winzige Leute, sondern ein kompletter kleiner Parallelkosmos, das Städtchen Huheim, dessen Welt durch ein bisschen Wind in Hortons Welt völlig durcheinandergeraten ist. Der Bürgermeister von Huheim ahnt aber ebenfalls noch nicht, in welcher Gefahr er sich befindet. Dazu hat er viel zu viel zu tun mit seinen 96 Töchtern und seinem etwas unglücklichen Teenager-Sohn Jo-Jo. Außerdem hat ihn der Stadtrat gerade einen Blödian genannt, weil er die 100-Jahr- Feier wegen der Erdbeben ausfallen lassen wollte. Doch Horton und der Bürgermeister werden bald Freunde und arbeiten zusammen, um die Welt der Hus zu retten.Cartoonzeichner und Autor Dr. Seuss alias Theodor Geisel sieht wie schon in seinem Grinch-Klassiker in den kleinsten Dingen ganze Welten. War es einst die Schneeflocke, die ein ganzes Universum in sich trug, ist es nun das Staubkorn, das Horton auf einem Kleestängel mit sich rumträgt, um ihm ein ganz ruhiges sicheres Plätzchen zu suchen. Mit diesem klitzekleinen Dreh bewirkt Dr. Seuss, dass sein Elefant Horton seine eigene Welt auf einmal mit ganz anderen Augen sieht und viel behutsamer mit ihr umzugehen lernt.Temporeich undmit viel TiefgangWährend der Hu-Bürgermeister versucht die Stadt davon zu überzeugen, dass Huheim in Gefahr ist, fällt es Horton schwer, sich vor den Dschungelbewohnern nicht lächerlich zu machen. Zumal er den Zorn des ordnungsliebenden Kängurus auf sich zieht. Das Staubkorn ist ihm ein Dorn im Auge und muss weg. Und zwar schnell. Sonst redet Horton den Dschungel-Kindern noch viel Blödsinn ein. Denn, so das kurzsichtige Motto des Kängurus: Was man nicht hören, nicht sehen und nicht fühlen kann, das gibt es auch nicht. Weil Horton mit seiner Weltenoffenheit und Hilfsbereitschaft diese Maxime in ihren Grundfesten durchzurütteln droht, hetzt es ihm bald den Dschungel-Mob auf den Hals.„Horton hört ein Hu“ ist ein ganz fantastisches Abenteuer, mit Herz am rechten Fleck, ungewöhnlich viel Tiefgang und gleichzeitig temporeicher charmanter Komik, wie sie nur selten gelingt.
Erschienen in der Dewezet am 20. März 2008.

Donnerstag, 12. Februar 2009

10.000 BC

In prähistorischer Zeit, in dem Jahr 10000 vor Christi Geburt befreit ein Held sein Volk und viele andere Sklaven. Seine Gegner sind dekadente Menschen, die sich für Götter halten und sich selbst Pyramiden bauen. Regisseur Roland Emmerich liefert mit „10.000 BC“ Bombastkino ab, in dem er viele Elemente zusammen schmeißt, die eigentlich mehrere tausend Jahre auseinanderliegen oder einfach geografisch nicht zusammen gehören.Aber das war ihm egal. Hauptsache die Abenteuer-Geschichte ist spannend und das Szenario gleitet nicht völlig in den Fantasy-Bereich ab. Gut und schön. Es muss ja nicht alles authentisch sein. Aber dennoch ist es manchmal ein wenig schwierig sich in der Geschichte fallen zu lassen, wenn Mammuts durch die Wüste stapfen und die Helden selbst bei tiefstem Winter auf dem Berg mit nacktem Oberkörper rumlaufen. Mit Höhlenmenschen hat das Urzeitdrama herzlich wenig zu tun.Die Geschichte: Der junge D’leh ist in die blauäugige Evolet verliebt. Doch um sie heiraten zu dürfen, so will es die Prophezeiung, muss er bei der letzten Mammut-Jagd seines Volkes ein Tier erlegen und die Führung über das Dorf übernehmen.Nach eben dieser spektakulären Jagd fallen Fremde über das Dorf her und nehmen viele der Menschen mit, um sie zu versklaven. Unter ihnen Evolet. Ist ja klar, dass D’leh keinen Moment zögert und hinter den Sklavenfängern herzieht, um seine große Liebe zu befreien. Die Reise bringt ihn und viele Mitstreiter, die er unterwegs dazu inspiriert, ihm zu folgen, bis zu den Pyramiden.Eines muss man ja Emmerich lassen. Der 52-jährige Schwabe versteht es durch grandiose Kulissen dem Film, der eigentlich nur die Geschichte einer kleinen Gruppe erzählt, Opulenz zu verleihen. Das ist ganz großes Kino. Zumindest für einige Momente. Die urzeitlichen Geschöpfe wie die majestätischen Mammuts oder der elegante Säbelzahntiger sowie auch die fiesen Laufvögel geben dem Streifen, wenn schon die Geschichte eigentlich ziemlich abgenudelt ist, einen frischen Look, den es so auf der Leinwand noch nicht gegeben hat. Allein dafür lohnt es sich schon ins Kino zu gehen. Die Story ist dagegen ganz konventionell und unspektakulär erzählt. Ein Abenteuer wie halt jedes andere. Ohne Überraschungen oder Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Kurzweiliges Popcorn-Kino in Reinkultur.
Erschienen in der Dewezet am 17. März 2008.

Knut und seine Freunde

Der kleine Eisbar Knut war die Sensation des vergangenen Jahres. Das knuddelige Bärchen wurde von seinem Tierpfleger Thomas Dörflein mit der Flasche aufgezogen und hat Besucher aus der gesamten Welt in den Berliner Zoo gelockt. Ob Knut und die in Nürnberg geborene Flocke tatsächlich Botschafter für den Klimaschutz sind, wie der Erzähler aus dem Kinofilm „Knut und seine Freunde“ behauptet, ist allerdings fraglich.Der Dokumentarfilm ist etwas lieblos zusammengestückelt: So dienen zwei Parallelgeschichten zu den so oft schon gesehenen Bildern von Knut dazu, globalen Anspruch zu suggerieren. Die Bilder von den Eis- und Braunbären sind teilweise auch ganz hübsch. Aber spektakuläre Aufnahmen, wie man sie aus anderen Dokus kennt, bleiben aus.Klar, die außergewöhnliche Freundschaft zwischen Dörflein und Knut ist goldig. So gibt der Tierpfleger seinem Schützling nicht nur die Flasche, badet ihn, krault ihn, lässt an sich rumkauen und albert mit ihm herum. Er bringt ihm auch das Schwimmen bei und macht gemeinsam mit ihm Mittagsschlaf. Dass bei jedem Rumtollen allerdings das eigens für den Film geschriebene Lied „That’s what friends do“ mindestens sieben Mal dudelt, ist eine Zumutung. Den Anspruch, mehr zu sein als ein etwas angefüttertes Déjà-vu des vergangenen Jahres, mit einigen „Ach-wie- süß“- Momenten, scheint der Film gar nicht zu haben. Und das ist auch ganz schnell und einfach vollbracht.
Erschienen in der Dewezet am 13. März 2008.

Meine Frau, die Spartaner und ich

Immer wieder kommen Filme ins Kino, die nichts anderes machen, als ein paar Filme aus den vergangenen Monaten gehörig durch den Kakao zu ziehen. Witzig war das ja noch, als Frank Dribin in „Die Nackte Kanone“ Chaos anrichtete. Auch über den ersten „Scary Movie“ haben wir noch herzlich gelacht. Doch fast alles, was danach kam, kratzte an der untersten Grenze der Lustigkeit seine albernen Gags zusammen.Mit „Meine Frau, die Spartaner und ich“ ist ein weiterer Tiefpunkt des Genres erreicht. So viel lieblos aneinandergereihten Müll hat es schon eine Weile nicht mehr im Kino gegeben. Und das liegt auch an der Frage, was die Macher eigentlich parodieren wollen. Klar, die meisterhafte, hoch stilisierte Frank Miller-Verfilmung „300“ bietet sich an. Und so zieht Leonidas nicht mit 300 Spartanern, sondern nur mit 13 in die Schlacht – hüpfend und „I will survive“ singend. Okay. Ganz nett. Aber dann werden seltsame Szenen aus irgendwelchen amerikanischen Fernsehshows wie „American Idol“ oder „Deal, no Deal“ eingeworfen. Auch die drei Partygirls Britney Spears, Paris Hilton und Lindsay Lohan kriegen ihr Fett weg. Was das mit den Spartanern zu tun haben soll und warum der dusselige Erzähler versucht, einem jede Anspielung noch zu erklären („Sie wurde wütend wie Tobey Maguire in ‚Spiderman 3‘“), ist nicht verständlich. Hat sich dann mal ein netter Gag aus Versehen in diesen Film verlaufen, wird er dermaßen überstrapaziert, dass er am Ende nicht mehr witzig ist.
Erschienen in der Dewezet am 10. März 2008.

8 Blickwinkel

Die Idee ist spannend: Ein Attentat. Die gleiche Geschichte erzählt aus verschiedenen Blickwinkeln. Immer wieder ein Zurückspulen auf 12 Uhr. Und die folgenden 23 Minuten noch einmal in den Augen eines anderen. Doch je öfter die Uhr sich wieder auf 12 Uhr zurück stellt, desto genervter wird das Publikum. Denn wie das so oft ist: Basiert eine Geschichte fast ausschließlich nur auf einer Idee, nicht aber auf einer spannenden Handlung oder Figuren, die einem wichtig werden, lässt selbst die cleverste Idee kalt.So bekam Regisseur Pete Travis wohl beim Zusammenschneiden seines ersten Spielfilms kalte Füße. Denn wer mitzählt, wird merken, dass sich der Film nicht aus acht Blickwinkeln zusammen setzt. Es sind fünf kleinere Geschichten mit um verschiedene Figuren. Und dann, um die Geschichte zu beenden, ein konventionelles Mischmasch aus den restlichen Informationen und Handlungspunkten.Die ganze Riege derKlischee-BesetzungDer amerikanische Präsident Ashton kommt zu einem Gipfeltreffen nach Spanien, um über den Krieg gegen den Terror zu reden. Bei seinem ersten Auftritt wird er erst angeschossen. Anschließend gehen zwei Bomben hoch. Wer hinter den Attentaten steckt, ist schnell geklärt. Es gibt obligatorische Verräter, unschuldige Opfer und Helden des Alltags – die ganze Riege der Klischee-Besetzung.Warum allerdings die Attentate verübt werden, scheint den Regisseur nicht zu interessieren. Diese Nachlässigkeit führt leider dazu, dass die vielen heroischen Momente eine unfreiwillige Komik entwickeln. Dabei war doch bei der Besetzung gar nicht so viel falsch zu machen: Dennis Quaid, Matthew Fox, Forest Whitaker, William Hurt und Sigourney Weaver ließen nur Gutes ahnen. „8 Blickwinkel“ ist der beste Beweis dafür, dass ein überambitioniertes Konzept Charaktere und Story nicht ersetzen kann. Egal, aus wie vielen Blickwinkeln.
Erschienen in der Dewezet am 6. März 2008.

27 Dresses

Jane leidet unter dem Helfer-Syndrom und kann nicht nein sagen. Das lässt sie zu einer sehr guten, wenn auch leicht überarbeiteten Assistentin werden. Und es verschafft ihr in ihrer Freizeit ein seltsames Hobby. Sie war schon 27-mal Brautjungfer – und zwar in extrem organisierender Funktion: Ein ganzer Schrank voller Brautjungfernkleider ist der Beweis. Dass die hübsche junge Frau dennoch weiterhin Single ist, versteht sich als Ausgangssituation für eine romantische Komödie ja fast von selbst. Als ihr Chef (Edward Burns), den sie anhimmelt, sich dann mit Janes jüngerer Schwester Tess verlobt und Jane immer wieder dieser Reporter Kevin (James Marsden), der die Hochzeitskolumnen schreibt, über den Weg läuft, gerät Janes seltsame Lebensordnung gehörig ins Wanken.Katherine Heigl ist der neue aufgehende Stern am Himmel der romantischen Komödien. Auch wenn sie ihren eigenen Stil noch nicht gefunden hat, macht sie doch eine nette Figur.So hübsch und schnuckelig „27 Dresses“ ja auch ist, so richtig begeistern kann man sich für diese nette kleine Komödie nicht. Die charmanten Gags sowie die Handlung wirken wie vom Fließband, so dass schon nach der ersten Minute klar ist, wie die Geschichte verläuft und wie sie endet. Dass ein paar bezaubernde Momente den Film beschwingen und Katherine Heigl einfach zum Liebhaben ist, ist ein großes Glück. Denn sonst wäre der Streifen so austauschbar wie ein weiteres Kleid in Janes aus allen Nähten platzendem Brautjungfernschrank.
Erschienen in der Dewezet am 21. Februar 2008.

John Rambo

In früheren Fassungen standen sowohl der Irak als auch Washington D.C. als mögliche Schauplätze für den Einsatz der Einmann-Armee John Rambo zur Diskussion. Doch Sylvester Stallone legte sein Veto ein und entschied sich als Schauspieler, Regisseur und Co-Autor für Birma.Warum? Weil dort seit Jahrzehnten einer der brutalsten Bürgerkriege der Welt tobe und niemand hinsehe. Stallone will also Bewusstsein schaffen und politisch aufrütteln. Die ersten paar Minuten des vierten Teils der Action-Serie sind dann auch sehr verstörend und lassen einen das Popcorn, das ja eigentlich zu einem solchen Film gehört, vorerst neben dem Kinosessel stehen. Nachrichten-Ausschnitte mit verstümmelten Leichen, Erschießungskommandos, weinende Kinder, Frauen und brutale Gewalt. Schnitt. Eine handvoll Soldaten jagen Gefangene über ein Reisfeld, in das sie Minen geworfen haben. Immer wieder explodiert einer der Menschen in einer roten Fontäne aus Blut und Körperteilen.Von KugelndurchlöchertWer den Minenlauf überlebt, wird von Kugeln durchlöchert. Doch dann wird das Gemetzel zur Routine. Und abgesehen von wenigen Momenten, schmeckt das Popcorn für den Rest der kurzen Schlachteplatte wieder ganz gut. Ob am Ende die Zuschauer mit mehr Bewusstsein über Birma das Kino wieder verlassen ist fraglich.John Rambo lebt inzwischen in Thailand. Eine Gruppe von amerikanischen Missionaren überredet ihn, sie flussaufwärts nach Birma zu bringen. Als die Gruppe vom Militär gefangen genommen wird, zieht der Muskelprotz mit Söldnern los, um sie zurückzuholen. Bei der Aktion klettert die Zahl der Toten auf über 230. Selbst für Rambo eine Rekordzahl.Nun mag man sich streiten, ob so viel Gewalt nötig ist, um auf einen Krieg aufmerksam zu machen. Stallone ist zynischer geworden. Egal was sein Held auch macht. Es wird gar nichts ändern. Ein unbefriedigendes, wenn auch reiferes Ende für einen Actionfilm.Der 61-jährige Stallone befindet sich im Moment als Action-Opa in bester Gesellschaft mit Harrison Ford, der in Kürze ein viertes Mal als Indiana Jones zur Peitsche greift. Dennoch beruhigend, dass sich Rambo scheinbar in den Ruhestand begibt.
Erschienen in der Dewezet am 16. Februar 2008.

Der Krieg des Charlie Wilson

Als dem Kongressabgeordneten Charlie Wilson 1980 zufällig ein Bericht über den Einfall der Sowjets in Afghanistan in die Hände fällt, ist der texanische Politiker schockiert. Doch er sitzt in den richtigen Ausschüssen, um viel Geld locker zu machen und die Afghanen mit heimlicher Unterstützung von den USA, Ägypten, Israel und Saudi-Arabien mit den richtigen Waffen auszurüsten, sie zu trainieren und damit 1989 die Sowjets aus dem Land zu schmeißen. Basierend auf dieser wahren Geschichte hat Hollywoods Drehbuch-Talent Aaron Sorkin (“Eine Frage der Ehre“) eine intelligente Polit-Satire abgeliefert.Feingeist Mike Nichols nahm im Regiestuhl Platz, während sich Tom Hanks und Julia Roberts nach einiger Zeit Leinwandabstinenz vor die Kamera begaben. Ganz unauffällig und ohne mit dem Holzhammer kritisch die amerikanische Außenpolitik - ob verdeckt oder ganz offen - auseinander nehmen zu wollen, erzählt Nichols die Geschichte von Wilson, der sich als Lebemann allen Lastern, wie Alkohol, Sex und Drogen, gerne hingab. Dabei geht die amerikanische Überheblichkeit ganz subtil Hand in Hand mit dem gutmenschlichem Idealismus und dem fehlenden Weitblick. Das Ergebnis ist das Gleiche. Auch muss Nichols nicht am Ende als Konsequenz des amerikanischen Handels die brennenden Twin Towers zeigen. Das Zitat von Wilson - „... aber das Endspiel haben wir versaut“ - reicht völlig aus.Julia Roberts glänzt ganz süffisant mit ihrer Rolle als reiche engagierte Texanerin, die immer genau kriegt was sie will. Auch wenn es der Sieg der Afghanen über die Sowjets ist. Tom Hanks gibt dagegen den sympathischen und sehr menschlichen Politiker, der Großes erreicht, um anschließend am System zu scheitern. Zwischen dem Starduo zaubert Charakterkopf Philip Seymour Hoffman einmal mehr eine großartige Leistung auf die Leinwand. Als der rüpelhafte CIA-Mann Gust Avrakotos zieht er die nötigen Strippen und holt den Politiker immer wieder auf den ernüchternden Boden der Tatsachen zurück. Auch beflügelt Hoffman zwei der besten Szenen des Streifens. Fliegt der Agent beim ersten Treffen mit Wilson doch im Minutentakt immer wieder aus dem Besprechnungszimmer, weil dieser parallel mit seinen Assistentinnen eine kleine Pressekrise bewältigen muss. Auch Hoffmans direkter Flirt mit Julia Roberts gehört zu den Highlights des Films.„Der Krieg des Charlie Wilson“ ist der Beweis dafür, dass Hollywood intelligente Politfilme drehen kann, die jede Minute lang erfrischend unterhalten.
Erschienen in der Dewezet am 12. Februar 2008.

Saw IV

Der sadistische Serienkiller Jigsaw ist tot. Er starb am Ende des dritten Teils der Horror-Serie, die vor knapp vier Jahren so originell das Publikum, das sich gerne schocken lässt, mit einer Frischzellenkur für das Genre erfreute. Aber nur weil der Killer tot ist, muss das Morden doch noch lange nicht aufhören, haben sich die Macher mit den Dollarzeichen in den Augen gesagt.Und so hat Jigsaw, der seine Opfer über die wildesten Folterapparaturen und perfide Spiele selbst über ihr eigenes Leben entscheiden lässt, noch einige blutige Fallen gestellt und Spiele vorbereitet. Er schickt einen Cop auf einen selbstmörderischen Trip, der von einem Spiel zum nächsten hüpft.Mal tragen diese Stationen zum Fortgang der etwas hanebüchen konstruierten Story bei. Manchmal sind sie nur dazu da, damit nicht zu viel Zeit im Film ohne saw-typische Folter verstreicht. Auch arbeitet der vierte Streifen mit einer Reihe von Rückblenden, die sich mit Jigsaw alias John Kramer beschäftigen, bevor er sein verdrehtes Interesse an mörderischen Maschinen entdeckte.Fast Sympathienfür den SadistenDas mag ja psychologisch ganz interessant sein, nimmt dem Killer aber ein wenig das sadistische Mysterium und hat bei Hannibal Lecter auch nur ganz bedingt funktioniert. Fast schon entwickelt man Sympathien für den Sadisten, der mit Radikalmaßnahmen Menschen den Wert ihres Lebens vor Augen führen will, mit dem sie zuvor zu leichtfertig umgegangen sind.Meist scheinen seine Opfer eine sogar genauso fiese Vergangenheit wie der Killer selbst zu haben, sodass die Frage nach der verschrobenen Moral nicht ganz so leicht zu beantworten wäre. Zumal Jigsaw-Darsteller Tobin Bell es bisweilen schafft, so brutal er auch sein mag, die Sympathien auf seiner Seite zu haben.Leider ist die „Saw“-Serie, die so genial und simpel mit zwei angeketteten Männern in einem Raum und einer Säge begann, zu einer Geldfabrik verkommen. Denn: Auch der fünfte Teil ist bereits in Planung und lässt bestimmt nicht lange auf sich warten.Die Elemente sind schnell aneinander gereiht. Ein paar neue Fallen. Ein bisschen Rahmengeschichte als Alibi. Und schon ist der Horrorstreifen vom Fließband fertig. Noch ist die Jigsaw-Masche nicht zu ausgelutscht und die vierte Auflage bietet zumindest unterhaltsamen Horror. Die Rahmenbedingungen sind weniger fies. Der Splatter hält sich zurück. Aber dafür ist der Twist am Ende ganz nett.
Erschienen in der Dewezet am 9. Februar 2008.

Asterix bei den olympischen Spielen

Dass der neue Asterix-Film – der inzwischen dritte in der Serie – kein besonders gutes Gespür für komödiantisches Timing hat, war nach dem Trailer zu erwarten. Kein Wunder, dass Original-Asterix Christian Clavier das Feld räumte und Clovis Cornillac die Rolle überließ. Hinzu kommt, dass das deutsche Publikum bisher nur selten mit dem hektisch-hysterischen Humor französischer Komödien zurechtgekommen ist. Die wahrscheinlich seltsamste Entscheidung: Asterix und Obelix verkommen zu Nebenfiguren. Der Film gehört vor allem Benoit Poelvoorde als Brutus. So war es wohl kein Scherz, als er in der Vorschau spöttisch verkündete: „Asterix? Es muss heißen: Brutus bei den Olympischen Spielen“. Der missratene Sprössling Caesars (von Alain Delon herrlich selbstverliebt gespielt) tritt bei den Olympischen Spielen an, um die griechische Prinzessin Irina zu heiraten. Sie verspricht sich dem Sieger der Wettkämpfe. Auch der Gallier Romantix ist in sie verliebt und bittet Asterix und Obelix mitsamt Zaubertrank um Hilfe. Nur zu dumm, dass Doping verboten ist und Brutus vor keiner Erpressung zurückschreckt.Was man dem Streifen zugute halten muss: Die aufwändigen Effekte, die den Stil der Comic-Vorlagen nachempfinden, sind gut gelungen sind. Leider geht der freche Humor des Originals oft in plattem Slapstick unter. Doch es gibt auch nette kleine Einlagen, etwa wenn Gérard Depardieu als Obelix seine Glanzrolle als Cyrano de Bergerac wieder aufleben lässt und dem liebeskranken Idefix Tipps zum Jaulen gibt. Besonders hübsch fürs deutsche Publikum sind die Minirollen von Michael „Bully“ Herbig als stummer Assistent von Brutus und Michael Schumacher als Favorit bei den Wagenrennen, Schumix.Besonders irritierend: die letzten zehn Minuten. Wohl eigentlich für den Abspann produziert, tauchen bei dem Hochzeitsfest jede Menge Promis auf und liefern sich eine etwas langweilige und eigenartige Gagschlacht.
Erschienen in der Dewezet am 7. Februar 2008.

Cloverfield

Alles beginnt ganz harmlos. Rob hat einen Job in Japan angenommen. Seine Freunde wollen ihm zum Abschied ein Video mit besten Wünschen schenken und eine Überraschungsparty feiern. Robs Kumpel Hud filmt per Camcorder. Rund 20 Minuten lang passiert nichts anderes als Partygeplänkel.Immer wieder kleine Ausschnitte eines Films über einen romantischen Tag, den Rob mit Beth auf Coney Island verbracht hat, den Hud unwissend überspielt. Und als man in dieser Nicht-Handlung schon fast überlegt, die langweilige Party zu verlassen, da knallt es auf einmal.Produzent Adams istAutor der Serie „Lost“Panik, Stromausfall. Eine riesige Explosion. Der Kopf der Freiheitsstatue schleudert auf die Straße. Irgendetwas hat Manhattan angegriffen. Und Hud lässt die Kamera immer weiter laufen. Allerdings ohne sich sehr darum zu kümmern, was sie so alles einfängt – oder auch nicht.J. J. Abrams, Autor und Regisseur der TV-Serie „Lost“, der für diesen Genre-brechenden Geniestreich verantwortlich ist, hat mit der Produktion dieses clever konzipierten Films, dem eine brillante Marketing-Kampagne vorausging, in den USA den besten Januarstart aller Zeiten hingelegt. Mit einem ominösen Teaser ging alles im Sommer los. Noch nicht einmal der Titel des Films wurde damals verraten. Lediglich eine Attacke wurde angedeutet. Gerüchte im Internet taten ihr übriges. J. J. Abrams hat vom „Blair Witch Project“ gelernt und es auf seine „Godzilla“-Variante übertragen. So drängt sich auch immer mal wieder ein Teil eines monströsen Riesenviehs durch die wackelige Kamera, während Hud einfach nicht die Nerven behält und innerhalb von Sekunden und panischem Gestammel den Camcorder sinken lässt, der nun wahlweise – mal nur beim Wegrennen – die Straße oder panische Passanten filmt. Zwischendurch bricht auch noch die Brooklyn-Bridge zusammen, während der Hobbyfilmer und seine Freunde draufstehen, und werden Hud, Rob, Lily und Marlena in einem U-Bahn-Schacht von vielen kleinen Monstern, die das Godzilla-Wesen in die Schlacht geschickt hat, angegriffen.Panik überträgt sichauf den ZuschauerDas Hochglanzkinopublikum mag einige Probleme mit der Dramaturgie des auf Authentizität setzenden Horrorfilms haben. Doch die Panik der Protagonisten und des Kameramannes überträgt sich schnell effektiv auf den Zuschauer, auch wenn der fast nichts zu sehen bekommt. Doch eine kleine Warnung. Wer schnell seekrank wird, im Auto mit dem Brechreiz zu kämpfen hat oder auch von Computerspielen Kopfschmerzen bekommt, wird hier keinen Spaß haben. So viel Unruhe auf der Leinwand – Spannung hin oder her – kann schon mal sehr auf den Magen schlagen.Alle anderen erwartet ein ungewöhnliches Kinoerlebnis, das mehr die Ohren als die Augen in Anspruch nimmt.
Erschienen in der Dewezet am 2. Februar 2008

Das Beste kommt zum Schluss

Zwei ältere Herren liegen zufällig im gleichen Krankenhauszimmer. Im Laufe der Behandlungen erfahren beide, dass sie nur noch ein halbes bis zu einem Jahr zu leben haben. Da zum Glück einer von beiden steinreich ist, beschließen die Todgeweihten, noch einmal so richtig auf den Putz zu hauen, und stellen eine so genannte Löffel-Liste zusammen. Eine Liste von Dingen, die sie machen wollen, bevor sie den Löffel abgeben müssen. „Knockin' On Heaven’s Door“ für Rentner also.Routinierte Leistung der SchauspielerBesetzt werden die beiden Herren mit Hollywood-Hochkarätern Jack Nicholson als einsamer Multi-Millionär Edward und Morgan Freeman als Mechaniker und Familienvater Carter. Nachdem die erste Hälfte von „Das Beste kommt zum Schluss“ sich langatmig mit dem Krankenhaus-Aufenthalt der beiden Männer auseinander setzt, kommt ganz langsam Schwung in die Sache. Doch nicht genug, um wirklich zu begeistern. Die beiden springen aus Flugzeugen zum Fallschirmspringen, fahren mit Rennwagen um die Wette, gehen auf Safari, klettern auf Pyramiden und sehen sich den Taj Mahal an. Und ständig streichen sie wieder einen Punkt von der Löffel-Liste, die sie mehr abarbeiten, als sie zu genießen. Dabei entsteht eine nette Freundschaft, die aber nur bedingt den Zuschauer berührt.Nicholson und Freeman agieren routiniert gut, aber bieten kaum Glanzmomente, um einerseits emotional einen Eindruck zu hinterlassen und andererseits gegen den großen Kitschfaktor anzugehen. Rob Reiner, der der Filmgeschichte Glanzlichter wie „Harry und Sally“, „Die Braut des Prinzen“ oder „Eine Frage der Ehre“ geschenkt hat, scheint sein Gespür für besondere Geschichten verloren zu haben. Vielleicht hätte sich Justin Zackham, der Gerüchten zufolge das Drehbuch in nur zwei Wochen geschrieben haben soll, etwas mehr Zeit für etwas mehr Herz in der Geschichte lassen sollen. Die Hast, die Klischees und die schablonenhaften Figuren lassen sich auch durch Charakterköpfe wie die von Freeman und Nicholson nicht wegretuschieren.
Erschienen in der Dewezet am 31. Januar 2008.

Mittwoch, 11. Februar 2009

Die rote Zora

Eine herrlich altmodisch- unterhaltsame Geschichte mit vielen liebenswerten Charakteren und einer wundervollen Kulisse bietet „Die rote Zora“. Der Film basiert auf dem Bestseller von Kurt Held von 1941. Geradlinig, ohne große Schnörkel, erzählt Regisseur Peter Kahane die Abenteuer der rothaarigen Göre (Linn Sara Reusse) und ihrer Jungsbande um Branko, die die Kleinstadt gegen den fiesen Kapitalisten Karaman (Ben Becker) und den korrupten Bürgermeister aufmischen. Dabei erhalten sie Hilfe von dem ehrlichen Fischer Gorian (Mario Adorf). Wie in allen guten Jugend-banden-Geschichten kommt es zu kleinen Schlachten – hier mit den reichen Gymnasiasten – und die Kinder spielen den Mächtigen einige Streiche. Hinzu kommt eine wundervolle Fischschlacht auf dem Markt, wie man sie sonst so nur aus einem kleinen gallischen Dorf kennt.Die abschließende Gerichtsszene ordnet sich etwas gutmenschlich in die derzeitige Jugendkriminalitätsdebatte ein und schmeißt gleich noch mit einer ganz einfachen Lösung um sich. Gebt dem Nachwuchs Arbeit und ein vernünftiges Dach über dem Kopf – dann ist alles kein Problem mehr. Die Welt in Jugendbüchern und deren Verfilmungen ist halt noch in Ordnung, und die Menschen an sich sind doch ganz nett. Kein Wunder, sah sich Autor Kurt Held doch einst als „Berufsrevolutionär für die Gerechtigkeit“.
Erschienen in der Dewezet am 29. Januar 2008.

P.S.: Ich liebe Dich

Holly und ihr irischer Mann Gerry führen eine wundervolle Ehe. Sie lieben sich, sie streiten sich, sie lachen viel und sind einfach für einander geschaffen. Das sieht man auf den ersten Blick. Doch kaum ist die Einführungsszene mit all den hübschen Fotos vorbei, sitzt Holly mit Freunden und Familie in Mamas Pub und gedenkt ihres gerade verstorbenen lebensfrohen Mannes. Die Welt der jungen Witwe bricht völlig zusammen. Und: Im Publikum strömen zum ersten Mal am Kinoabend die Tränen. Allerdings gemischt mit ganz viel Lachen. Es soll nicht das letzte Mal sein, dass dank der Verfilmung des romantischen Romans „P.S. Ich liebe Dich“ von Cecelia Ahern ein chronischer Taschentücher-Mangel in den Sitzreihen herrscht, verstohlen geschnieft und übers Gesicht gewischt wird und gleichzeitig überall verträumt gelächelt wird und schallende Gelächter zu hören ist.Denn Gerry hat sich vor seinem Tod etwas besonderes für seine geliebte Holly ausgedacht, was drei Wochen nach der Trauerfeier mit Hollys Geburtstag beginnt. Er hat ihr Briefe geschrieben, die sie auf die unterschiedlichste Weise erreichen, hat eine Reise nach Irland gebucht und einen singenden Kobold mit Luftballons engagiert. Mit all diesen Nachrichten, in denen er Holly immer wieder Aufgaben stellt, hilft er seiner Frau ganz langsam wieder auf die Beine und ins Leben zurück.Ein emotionalerLiebesfilmWas so fürchterlich kitschig hätte werden können, ist einer der schönsten Liebesfilme, die es auf der großen Leinwand je gegeben hat. Die Mischung zwischen großen Gefühlen und Komik besitzt ein beneidenswertes Timing. Aber vor allem liegt es an der wundervollen Chemie zwischen Hilary Swank und dem verschmitzten Gerald Butler, der kaum mehr Leichtigkeit, Energie und Charme auf die Leinwand bringen könnte. Auch in den Nebenrollen tummeln sich ein paar großartige Schauspieler, die viel zu selten zu sehen sind. Neben Kathy Bates, Gina Gershon und Lisa Kudrow findet Harry Connick Jr. endlich mal wieder für eine kurze Stippvisite in die Kinowelt zurück. „P.S. Ich liebe Dich“ ist genau das richtige für alle, die im Kino gerne mal so richtig heulen – also: massenhaft Taschentücher einpacken!
Erschienen in der Dewezet am 19. Januar 2008.

I am Legend

Eigentlich hatten Wissenschaftler nur die Ambition, Krebs zu heilen. Doch wie wir schon seit Frankenstein wissen – wenn die Forschung zu weit getrieben wird, dann hat dies für die Menschheit katastrophale Folgen.Einige wenigesind immunDer K-Virus, der dem Krebs so erfolgreich die Stirn bietet, macht sich selbstständig. Innerhalb von drei Jahren werden rund 90 Prozent der Menschheit durch den Virus, der über die Luft übertragen wird, getötet. Einige wenige sind immun. Der Rest mutiert durch die Krankheit zu aggressiven Monstern, die sich nur nachts bewegen können und ihre Mitmenschen nach und nach auffressen.Übrig scheint nur noch Robert Neville, der sich in New York City verbarrikadiert. So die Ausgangssituation von „I am Legend“. Tagsüber geht Neville jagen, rast mit einem Auto durch die völlig verwüsteten Straßen New Yorks, die ganz langsam von der Natur zurückgefordert werden und vertreibt sich die Zeit mit Freistilgolfen und Nahrungsbeschaffung.Nachtsüber verschanzt er sich in seinem großem Haus, in dem er auch Tierversuche macht, um die Monster zu heilen. Hatte er doch seiner kleinen Tochter versprochen, dass er die Katastrophe nicht zulassen würde.Als cleveren Kniff haben die Drehbuchautoren diesem Überlebenden die bildschöne, herzige Schäferhündin Sam an die Seite gestellt. So hat Will Smith als Neville jemanden zum reden, jemanden mit dem er spielen kann. So wird das Tier auch zum Herzstück des Streifens, für das es zu kämpfen gilt. Denn mehr hat Neville nicht mehr zu verlieren.Der postapokalyptische Thriller, der sich viel Zeit nimmt, um Nevilles Alltag und damit seinen seelischen Zustand zu beleuchten, schafft den Drahtseilakt zwischen Horrorthriller – denn die nächtlichen Monster des Big Apple bekommen natürlich ihre Kiffern-schnappenden Auftritte – und fast schon einem sensiblen Kammerspiel und sieht trotzdem aus wie ein Hochglanz-Blockbuster.Wer allerdings die Novelle „I am Legend“ von Richard Matheson von 1954 kennt, auf der der Film lose basiert, wird fürchterlich enttäuscht sein. Außer der allgemeinen Grundidee und dem Namen des Protagonisten haben die beiden Geschichten kaum etwas miteinander zu tun und reden aneinander vorbei. Mathesons Text ist einer der interessantestens Texte der westlichen Vampirliteratur und spielt mit den Ängsten vor einem nuklearen Weltkrieg.Dort hat Neville keine Sam, um nicht durchzudrehen und zieht tagsüber durch die Häuser einer Kleinstadt und bringt auf teils sadistische Weise Vampire im Schlaf um. Das Weltbild von Normal und Monster dreht sich und Neville wird zur unheimlichen Legende.Von Mathesonnur inspiriertDie Erklärung in Will Smiths Film für den Legenden-Titel wirkt dagegen äußerst platt. Aber Regisseur Frank Lawrence wollte sich für seinen postapokalyptischen Monsterthriller auch nur von Matheson inspirieren lassen. Und das hat immerhin einen hervorragenden Film produziert. Wer weiß was passiert wäre, wenn Arnold Schwarzenegger, der über Jahre mit dem Vampir-Stoff mehr als nur liebäugelte, seine Lieblingsprojekt tatsächlich auf die Leinwand bekommen hätte.
Erschienen in der Dewezet am 12. Januar 2008.

Ich weiß wer mich getötet hat

Während Lindsay Lohan ähnlich wie ihre singende Kollegin Britney Spears kaum noch aus der Klatschspalte wegzudenken ist, ist der letzte große Filmhit doch schon eine Weile her. Ein paar kleine sehr gute Nebenrollen, eine gefloppte Komödie und nun möchte Miss Lohan beweisen, dass sie kein kleines Mädchen mehr ist und mehr als Highschool-Sweethearts spielen kann.Kein glücklichesHändchenDass sie sich dafür nun ausgerechnet diesen abstrusen Horrorthriller „Ich weiß, wer mich getötet hat“ ausgesucht hat, zeugt davon, dass die junge Schauspielerin nicht nur ihr Leben zwischen Drogen und Reha nicht so ganz im Griff hat – auch bei der Wahl ihrere Projekte beweist sie kein glückliches Händchen.Die hochtalentierte Studentin und angehende Schriftstellerin Aubrey verschwindet auf einmal nach einem Football-Spiel. Entführt muss sie sich von einem Serienkiller über mehrere Wochen quälen lassen. Als das Mädchen am Straßenrand gefunden wird – rechte Hand und rechtes Bein fehlen – kann sie sich an ihr Leben nicht mehr erinnern. Sie nennt sich Dakota und behauptet Stripperin zu sein, die von einer Junkie-Mutter aufgezogen wurde. Über ihren Folterer kann sie nichts sagen. In wirren Rückblenden, von denen man nie weiß, ob sie Alpträume, Fantasien oder Realität sind, wird davon erzählt wie Dakota einfach der Finger abfault oder das Bein auf einmal matschig im Bett liegt. Dakota ist fest davon überzeugt, dass die wahre Aubrey immer noch in den Händen des Killer ist und sie ihr helfen muss. Ob das Mädchen sich in einer Identitätskrise befindet, sie sich das Leben ihres Romans über eine Stripperin namens Dakota in einer Identitätskrise hineinsteigert oder ob vielleicht ein übernatürliches Element das Leiden des Mädchens steuert, ist bis kurz vor Ende völlig unklar.Die Auflösung und der Twist am Ende des schaurigen Streifens, der sich unnötig an ekligen Folterbildern ergötzt, ist derart hanebüchen und an den Haaren herbei gezogen, dass es einem doch sehr Angst macht, dass man diese 106 Minuten verschwendete Lebenszeit nie wieder zurück bekommt.Aber nicht erst bei diesem grottenschlechten Ende herrscht kopfschüttelndes Erstaunen darüber, wie miserabel die sonst doch eigentlich ganz passable Lindsay Lohan ihre Doppelrolle spielt – ein bisschen gekonnt lasziv halbnackt an der Strippstange den Po entlang schieben reicht halt irgendwie nicht aus – und wie unlogisch die Geschichte aufgebaut ist. Dieser Schlag Film landet sonst sofort im DVD-Regal und ist selbst da eine peinliche Nummer.
Erschienen in der Dewezet am 8. Januar 2008.

Der Fuchs und das Mädchen

Luc Jacquet hat internationalen Ruhm mit seinem Naturfilm „Die Reise der Pinguine“ erlangt. Mit „Der Fuchs und das Mädchen“ beschreitet der französische Regisseur erneut den Weg der überwältigenden Naturaufnahmen, bettet die Bilder von Füchsen, Luchsen, Mäusen, Wölfen und Greifvögeln aber in eine spielfilmhafte Geschichte ein.Ein Mädchen begegnet auf dem Weg von der Schule zum elterlichen Bauernhof einer Füchsin. Das Tier bemerkt das Kind zuerst nicht, sodass die Kleine mit den roten Haaren ganz nah an sie ran kommt. Von diesem Moment an ist das Mädchen davon besessen, ihren Fuchs wiederzusehen und kommt jeden Tag zu der Stelle zurück und beginnt den Wald zu durchstreifen. Es dauert mehr als eine ganze Jahreszeit – zumal sie sich auf einem winterlichen Streifzug das Bein bricht – bis sie ihren Fuchs wiedersieht. Ganz langsam, mit jeder Begegnung ein bisschen mehr, nähern sich das Menschenkind und das Tier an, werden Freunde und erleben gemeinsam im Wald einige Abenteuer. Doch irgendwann verwechselt das Mädchen Freundschaft mit Besitz und versucht ihre Füchsin wie einem Hund ein Halsband und eine Leine anzulegen und sie im Zimmer festzuhalten. Es kommt fast zur Katastrophe.Jacquet erzählt seine Geschichte komplett aus der Sicht des Kindes. Untermalt wird dies durch die Stimme des inzwischen erwachsenen Mädchens – im Deutschen gesprochen von Esther Schweins –, die ihrem Sohn von der besonderen Freundschaft erzählt.Alles spieltin der NaturAbgesehen von einigen wenigen Einstellungen, die das Mädchen mit einem Gipsbein in ihrem Zimmer zeigen, spielt alles in der Natur und wird durch atemberaubend schöne Aufnahmen erzählt. So wie man es halt von Jacquet gewohnt ist.Doch „Der Fuchs und das Mädchen“ besticht nicht nur durch seine visuelle Schönheit, sondern auch durch seine märchenhafte und bezaubernd schöne Geschichte. Der Film macht Lust darauf, einfach mal einen Tag durch die Wälder zu streifen, sich treiben zu lassen und die Tierwelt zu beobachten. Ein ruhiger liebevoller Film, der sich nicht nur an Kinder oder Naturdoku-Fans richtet.
Erschienen in der Dewezet am 5. Januar 2008.

Kleiner Dodo

Verlockt der Boden auch zum toben, kleine Affen bleiben oben.“ Dies gibt Dodos Mama ihrem kleinen Äffchen jeden Tag mit auf den Weg, wenn der Wildfang sich durch die Bäume loshangelt, um zu spielen und Abenteuer zu erleben. Aber wie das bei Kindern so ist, irgendwann werden die Regeln gebrochen. Und bei Dodo ist das auch nicht anders. Zumal das Äffchen auf dem Dschungelboden eine Violine findet, die ganz komische Töne von sich gibt, wenn ein Wassertropfen auf ihren Seiten landet.Noch nicht aufregend genug, trifft Dodo auf Darwin, einen alten etwas schrulligen Orang-Utan, der bei den Menschen aufgewachsen ist, nicht klettert und in einer Höhle voller Menschensachen lebt. Hinter dem Rücken seiner besorgten Eltern lernt Dodo, der nichts mehr liebt, als die Geräusche des Dschungels nachzuahmen, bei Darwin nun Geige spielen. Die ersten Musikstunden entpuppen sich allerdings als klangliche Quälerei.Der niederländische Illustrator Hans de Beer erlangte hierzulande vor allem durch „Der kleine Eisbär“ Ruhm. Mit „Kleiner Dodo“ kommt nun ein weiteres Zeichentrickabenteuer aus seiner Feder in die Kinos.Zielpublikum: vier-bis achtjährige KinderMit dem kleinen Affentheater behalten die beiden Regisseure Thilo Graf Rothkirch und Ute von Münchow-Pohl sehr genau ihr Zielpublikum – etwa vier- bis achtjährige Kinder – im Auge. Die Figuren sind sympathisch und liebevoll gestaltet. Selbst das Krokodil, das versucht Dodo oder seine Freundin Padna, das kleine Nashorn, zu fressen, will eigentlich nur spielen. Und die gefährliche Tigerin lässt sich lächelnd durch die Musik verzaubern, die Dodo nach langem verzweifelten Üben seiner Geige entlockt. Erschienen in der Dewezet am 3. Janaur 2008.

Alien vs. Predator 2

Jeder für sich genommen ist seit den frühen 80er Jahren eine Ikone des Films. Als dann die Kinowelt Aliens gegen Predators antreten ließ, war diese für alle Fans der beiden Serien sowie der Comics, die beide Welten immer wieder miteinander vereinten, ein großes Ereignis.Auslöser: In dem Raumschiff eines Predators lag einmal ein Alienschädel. Nun, der erste „Alien vs. Predator“ hatte ja durchaus seine Reize. Ein paar Teenager-Predators wurden zur Erde geschickt, um dort in der Antarktis in einer unterirdischen Pyramide ihre kämpferischen Fähigkeiten an ein paar hundert Aliens zu trainieren. Ein Gruppe Menschen gerät zufällig ins schleimige Kreuzfeuer.Der zweite Teil beginnt genau dort, wo sein Vorgänger aufgehört hat: auf dem Schiff der Predators. Aus der Leiche eines gefallenen Kriegers schlüpft ein Alien. In den folgenden Kampfwirren stürzt das Raumschiff wieder auf die Erde zurück. Und zwar in einen Wald nahe einer Klein-stadt, die bald in Schutt und Schleim liegen wird.EpisodenhaftesGemetzelGanz willkürlich werden Figuren eingeführt, nur um wenig später blutig platt gemacht zu werden. Als sich nach der Hälfte des Films doch noch eine Heldentruppe zusammen findet, hat man sich derart an das episodenhafte Gemetzel gewöhnt, dass man nicht mehr wagt, Emotionen zu investieren. Lohnt sich ja eh nicht. Doch fehlen einem die Figuren, um die man zittern könnte, dann wird selbst die aufregendste Schlacht zur gähnenden Langeweile. Dabei sind die Kämpfe durchaus schön ekelig inszeniert, so dass der Genrefan an ein paar Stellen seinen Spaß haben dürfte. Aber wirklich spannend ist die Fortsetzung der Science-Fiction-Titanen leider nicht wirklich.
Erschienen in der Dewezt am 29. Dezember 2007.

Alvin und die Chipmunks

Seit mehr als 50 Jahren singen und quietschen Alvin und die Chipmunks ihre Songs. Die drei niedlichen Streifenhörnchen und ihre in Helium getauchten Gesänge sind so schön albern und überzogen, dass man sie einfach lieb haben muss. In einem Mix aus Realfilm und Computeranimation präsentiert Tim Hill nun die Kultfiguren, die Ross Bagdassarian 1958 erfand und die in den 80er Jahren erfolgreich als Zeichentrickserie im Fernsehen liefen, in ganz neuem Licht. Die Geschichte um den erfolglosen Musiker Dave (erstaunlich handzahm: Jason Lee), seinen geldgeilen Produzenten Ian (David Cross) und die drei Nager Alvin, Simon und Theodore, die dem Musiker zu einem Hit verhelfen, ist flott erzählt, voller liebevoll gestaltetem Slapstick, bei dem jedes Kind vor Vergnügen juchzt, und mit pädagogischem Mehrwert. Für die Älteren dürfte „Alvin und die Chipmunks“ vor allem ein nostalgischer Trip in die Kindheit sein. Und dass zwischendurch noch das ein oder andere Mal an unpassender Stelle einer der kleinen Nager pupst, findet der Nachwuchs zum Wegschmeißen komisch. „Alvin and the Chipmunks“ ist ein richtig schöner, spaßiger Familienfilm. Einerseits naiv-nett, andererseits durchaus kritisch, was die ausbeuterische Natur der Musikbranche angeht. Und: Wem bei Theodores großen Kulleraugen, die sich nichts sehnlicher wünschen als eine Familie, nicht das Herz aufgeht, der würde selbst Bambi doof finden und hat in diesem Film nichts verloren.
Erschienen in Dewezet am 27. Dezember 2007.

Elisabeth - Das goldene Königreich

Nicht ganz zehn Jahre ist es her, dass sich Cate Blanchett mit dem ersten Elisabeth-Film in die A-Liga der Hollywood-Schauspieler empor schwang und ihre erste Oscar-Nominierung einheimste. Auch in der Fortsetzung des Historienthrillers läuft die große Dame wieder zu absoluter Höchstform auf. Nur kann der Film mit ihr nicht ganz mithalten.„Elisabeth – Das goldene Königreich“ mag seinem Vorgänger nicht ganz an Klasse erreichen. Doch bei dem Vorbild ist das keine Schande. Cate Blanchetts Auftritt ist auf jeden Fall die Eintrittskarte wert. Und der Streifen gehört zu den besten Historienschinken der letzten Jahre.Bereits seit 27 Jahren reagiert Königin Elisabeth I. England als protestantische Herrscherin. Ihr Vater hatte mit der Gründung der anglikanischen Kirche das Land religiös geteilt. Der erzkatholische König Philip von Spanien sucht einen Grund, England anzugreifen. Und da Religion schon immer eine beliebte Ausrede war, einen Krieg zu beginnen, intrigiert Philip gegen Elisabeth. Das Ergebnis ist die berühmte Seeschlacht, in der die riesige spanische Armada vor der englischen Küste besiegt wird. Elisabeth kämpft hier mit einer Krise und einer kleinen Verliebtheit. Ihre Entscheidung, nie zu heiraten und damit keine Kinder zu bekommen, um ihre Macht nicht zu teilen, wird nur mit ein bisschen Wehmut thematisiert. Da helfen auch die funkelden und schmachtenden Augen von sexy Clive Owen als Sir Walter Raleigh nicht, um diese Frau umzustimmen. Zumal der sowieso in eine andere verliebt ist.Optisch schwelgt „Elisabeth – Das goldene Königreich“ in fantastischen Bildern von außergewöhnlichen Kostümen, Perücken und Kulissen. Auch benutzt Regisseur Shekhar Kapur Winkel und Einstellungen, die man nicht unbedingt von dieser Art Film gewöhnt ist, was den Streifen zu einem stilistischen Hochgenuss macht.Natürlich schafft es Shekhar Kapur durch Musik und Bombastik immer wieder, einen mitteldicken Kloß in den Hals zu befördern und mit Kleider wehendem Bombast und aufwühlender Musik die Emotionen in Wallungen zu bringen.
Erschienen in der Dewezet am 22. Dezember 2007.

Bee Movie - Das Honigkomplott

Der Bienenjunge Barry hat keinen Bock, nach seiner Ausbildung sich für einen Job im Bienenstock zu entscheiden und bis an sein Lebensende immer an der gleichen Stelle zu arbeiten. Stattdessen stiehlt sich der jugendliche Rebell mit dem Pollenkommando hinaus in die große weite Welt von New York. Als er dort von einer süßen Floristin Vanessa vor dem sicheren Tod gerettet wird, bricht er das wichtigste Bienengesetz, fängt an mit der großen Menschin zu reden und verliebt sich. Dabei ist das Mädchen doch so unbienisch.Barry muss während eines gemeinsamen Einkaufsbummels durch den Supermarkt feststellen, dass Menschen den Bienen ihren mühsam erschufteten Honig klauen. Kurz entschlossen verklagt er mit Vanessas Hilfe die Honigkonzerne, was fast apokalyptische Folgen hat. Denn schließlich, wenn Bienen keinen Honig mehr produzieren, nur noch faul in der Sonne liegen und keine Blüten mehr mit Pollen bestäuben, dann bricht das ganze Ökosystem zusammen.Der computeranimierte „Bee Movie“, in dem Komiker Jerry Seinfeld nicht nur Biene Barry seine Stimme leiht, sondern auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, ist einfach putzig. Allerdings – der Film reicht nicht an die genialen Trailer ran. Dort versuchte Seinfeld in einem überdimensionierten Bienenkostüm an einem Draht über einem Blumentopf zu schweben oder an einer Windschutzscheibe mit anderen Insektenschauspielern mit den Scheibenwischern zu kämpfen, was in verschiedenen Unfällen endete. Steven Spielberg gab ihm den Tipp lieber einen Trickfilm aus der Geschichte zu machen. Der Film selbst dagegen lässt derartig schräge Brüche nicht zu, sondern erzählt recht gradlinig seine honigsüße Geschichte. Aber das so bienenflott, dass nie Langeweile aufkommt und man gar keine Zeit hat, über die technisch brillanten Kulissen zu staunen. „Bee Movie – Das Honigkomplott“ ist der ideale Film in der Vorweihnachtszeit für die ganze Familie. Für jeden ein bisschen. Und das alles technisch perfekt umgesetzt.
Erschienen in Dewezet am 15. Dezember 2007.

Der Klang des Herzens

Es ist ein märchenhaftes Element, das dem Drama „Der Klang des Herzens“ Leben einhaucht und es zugleich ein wenig hanebüchen erscheinen lässt. Lyla, eine begnadete Cellistin, trifft bei einer Party Louis, der Sänger und Gitarrist in einer Rockband ist. Die beiden verbringen eine magische Nacht, in der Sohn Evan entsteht, verlieren sich durch Lylas ehrgeizigen Vater und sehen sich über Jahre nicht wieder. Durch eine Lüge ihres Vaters glaubt Lyla nach einem Unfall, dass Evan tot ist. Sein Leben lang wurde dem zehnjährigen Jungen im Kinderheim die Musik ausgeredet. Doch er glaubt, darüber seine Eltern hören zu können. Er haut ab nach New York und findet über eine Gruppe Straßenmusikantenkinder, die vom zwielichtigen Wizard betreut werden, Zugang zur Musik, den Instrumenten und seinem Genie. Evan hat nur ein Ziel: die richtige Musik schreiben und spielen, damit seine Eltern ihn hören und finden können.Sentimentales Themaehrlich erzähltDie irische Regisseurin Kirsten Sheridan schrammt immer wieder haarscharf am Rande des Kitsches vorbei. Doch der Film schafft es, das sentimentale Thema so liebevoll und ehrlich zu erzählen, dass einem das Herz ganz weit aufgeht. Man möchte für die zwei Stunden nichts mehr glauben, als dass diese drei Menschen über Musik und Klang verbunden sind und zueinander zurück finden.Das Schauspieler-Trio Freddie Highmore (Evan), Keri Russel (Lyla) und Jonathan Rhys-Meyers (Louis) ist nicht ganz unschuldig daran, dass die Magie des Filmes so natürlich und unverfälscht entsteht. Robin Williams, der als Wizard wie ein faszinierender moderner Charles-Dickens-Schurke wirkt, bleibt dagegen blass. Der wahre Star des Films ist die Musik. Komponist Mark Mancina schafft aus allem, was Evan umgibt, Musik. Ob es der Skateboarder ist, der an ihm vorbei düst, die U-Bahn, die durch den Lüftungsschacht zu hören ist, oder das Rascheln von Weizenähren im Wind – die Kraft der Musik bringt nicht nur diese Familie zusammen, sondern zieht das Publikum derart in seinen Bann, dass man nicht anders kann, als diesen Film zu lieben.
Erschienen in der Dewezet am 13. Dezember 2007.

Die Schwerter des Königs

Die Filme von Uwe Boll stehen im Internet auf den „Schlechteste-Filme-aller-Zeiten“-Listen meist sehr weit oben. Filmkritiker zerreißen den geistigen Sohn Ed Woods so gern in der Luft, dass der deutsche Trash-Regisseur sie kürzlich alle aufforderte, mit ihm in den Boxring zu steigen. In diesem Jahr kommt Boll gleich mit drei Filmen ins Kino; der Ambitionierteste ist mit Sicherheit „Die Schwerter des Königs“.Doch der Fantasy-Streifen wirkt trotz netter Einstellungen und Aufnahmen wie ein „Herr der Ringe“ für Arme. Und zwar für ganz, ganz Arme. Die simple Story von Gut und Böse in einem alten Königreich, rivalisierenden Magiern und einem Farmer (sinnigerweise heißt er auch gleich Farmer), der zum Kriegshelden und König aufsteigt, ist größtenteils so unachtsam zusammengeklatscht, dass man die Figuren einfach nicht ernst nehmen kann. Geschweige denn sich mitreißen lässt. Dabei hat Boll klitzekleine Stern-Momente, in denen man für ein paar Sekunden geneigt ist, seine Meinung zu ändern. Doch dann wird die Einstellung – weil es doch so schön war – gleich noch dreimal wiederholt, wie etwa der von Pfeilen durchbohrte dunkle Reiter und sein Pferd, die sich dem Helden im Schlachtgetümmel nähern. Oder es folgt ein unvermittelter, befremdlicher Schnitt. Doch nicht nur dieses nicht vorhandene Gefühl dafür, effektvolle Akzente zu setzen, sorgt für unfreiwillige Komik. Auch die Dialoge wirken wie vom achtlos in die Ecke gestellten Reißbrett. Um das wieder auszugleichen, legt Boll in jeden dramatischen – oder auch nicht so dramatischen – Moment anschwellende Bombastik-Orchester-Musik über die Szene. Denn so viel hat er erkannt: Die Worte werden die großen Gefühle ganz bestimmt nicht wecken.Trotz allem: Boll ist KultDennoch: Boll ist Kult. Und so sehr man über die billigen Masken seiner Monster lacht, so sehr man ungläubig den Kopf auch schüttelt – Boll macht Spaß. Und wenn er nur dazu dient, dass man sich lachend aufregt und seine Filme auf eine Flop-Liste setzt. So viel Emotion muss jemand erst einmal lostreten können, bevor er eine derartige Beachtung findet.
Erschienen in der Dewezet am 6. Dezember 2007.

Meine schöne Bescherung

Ein wunderbar schräger Familien- und Weihnachtsfilm, der in unserer Singlewelt für eine liebende Großfamilie mit schrulligen Figuren plädiert, ist die deutsche Komödie „Meine schöne Bescherung“ mit Martina Gedeck, Heino Ferch und Meret Becker, die uns lehrt:Eine Patchwork-Familie ist nicht immer einfach. Doch bei Sara ist der Fall noch komplizierter als bei anderen. Sie hat drei Ex-Männer, drei Kinder. Einen aktuellen Ehemann, ein Stiefkind. Als Sara ihm dann vor versammelter Mannschaft als besonderes Geschenk verkündet, dass sie schwanger ist, ist der Abend für Jan gelaufen. Er hat sich nämlich heimlich sterilisieren lassen.Das große Weihnachtschaos ist vorprogrammiert zwischen niedlich singenden Kindern, Reden am Festmahlstisch und dem Besuch des Weihnachtsmanns, der über kurz oder lang sturzbetrunken im verschneiten Garten liegt. Die Situation ist herrlich absurd. Die Figuren sich zwar klischeehaft und nicht besonders tiefgehend, aber immerhin im Großen und Ganzen sympathisch. Dass der arme Jan bei der Suche nach dem Erzeuger „seines“ Kindes erstmal bei seinen Vorgängern abklopft, wird leider nicht genug auf die Spitze getrieben, so dass das Drehbuch so einige Gelegenheiten verpasst, aus der netten Familienkomödie einen richtigen Brüller zu machen. Nette Gags nur spärlich gesätAuch wenn die Gags in der Inszenierung von Vanessa Jopp ganz nett sind, so sind sie doch ein wenig spärlich gesät und verlassen sich allein auf das Ensemble, das von Martina Gedeck als Übermutter Sara und Heino Ferch als dem gepeinigten Viert-Ehemann Jan angeführt wird. Doch die beiden können ja auch nur so viel aus der Geschichte rausholen, was diese hergibt. Dass eine eigentlich tolle Jasmin Tabatabai dabei fürchterlich blass bleibt, ist leider Programm.
Erschienen in der Dewezet am 24. November 2007.

Beowulf

Was für die Deutschen das Nibelungenlied, ist für den angelsächsischen Raum das Epos „Beowulf“. Die Geschichte dreht sich um den großen Helden Beowulf, der die armen Skandinavier von dem Monster Grendel befreit, aber damit den Fluch von dessen dämonischer und verführerischen Mutter auf sich zieht. Das Ergebnis ist ein noch viel schrecklicheres Monster, dem Beowulf ebenfalls gegenüber treten muss.Robert Zemeckis hatte bereits mit dem Weihnachtsmärchen „Der Polarexpress“ versucht die Animationsecke des Kinos zu revolutionieren, indem er Schauspieler nicht nur um ihre Stimmen bat, um den Figuren aus dem Computer Leben einzuhauchen. Die Mimik und Körpersprache wurden ebenfalls per Motion Capturing eingefangen.Das ist vom technischen Aspekt gesehen auch ganz spannend. Aber wie beim „Polarexpress“ wirken auch in „Beowulf“ die Figuren ein wenig tot. Es gibt kein wirkliches Funkeln in den Augen und die Bewegungen sind dermaßen steif, dass die meisten Filmsequenzen von Computerspielen realistischer sind.Dass Zemeckis einige aufregende Bilder mit seinem Animationsteam geschaffen hat, steht außer Frage. Auch sind einige halsbrecherische Kamerafahrten erst durch diese Technik möglich geworden. Aber dennoch fragt man sich, warum Zemeckis so sehr auf revolutionäres Experiment setzt, anstatt Realfilm und Animation zu kombinieren. Zumal er eine beeindruckende Schauspielerriege mit Sir Anthony Hopkins, John Malkovich, Ray Winstone, Robin Wright Penn, Brendan Gleeson und Angelina Jolie für das Projekt gewinnen konnte. Ihre CGI-Doubles können da mimisch nur ein ganz, ganz müder Abklatsch sein. In „Der Herr der Ringe“ hat die Kombination von Realfilm und Welten aus dem Computer doch auch wunderbar funktioniert.Es ist schon ein Jammer. Denn „Beowulf“ hat durchaus einige Momente, die die Kraft hätten haben können, das Publikum emotional mitzureißen. Wie etwa der Selbstmord von König Hrothgar. Stattdessen amüsiert man sich eher über die holprigen Bewegungen des laufenden Beowulfs oder seiner Pferde.Nur der Kampf mit dem Drachen, ist ein beeindruckendes Spektakel geworden. Aber war es dieser kurze Moment wirklich wert, seine Figuren zu toten Wachsfiguren verkommen zu lassen? Erschienen in der Dewezet am 22. November 2007.

American Ganster

Gangster-Epen haben einigen Regisseuren schon unwiderruflichen Ruhm eingebracht. Die beiden Giganten in dem Geschäft sind Francis Ford Coppola und natürlich Martin Scorsese. Nun möchte sich auch Ridley Scott in diese illustre Gesellschaft einreihen. Doch ob ihm das mit seinem Film „American Gangster“ wirklich gelungen ist, ist fraglich.Der überlange Streifen erzählt die Geschichte von dem Afroamerikaner Frank Lucas, der Ende der 60er, Anfang der 70er im Drogengeschäft New Yorks aufstieg und der Mafia das Leben schwer machte. Parallel dazu beleuchtet Scott das Leben des Cops Richie Roberts, der Lucas mit seinem Team zur Strecke brachte und gleichzeitig den größten Korruptionsskandal bei der Polizei auslöste.Hier mal ein kleiner dramatischer Höhepunkt, dort mal eine nette Szene. Aber im Großen und Ganzen passiert nicht viel. Na klar – Scott weiß schon was er macht, so dass die Bilder, die er seinem Publikum zeigt immer fantastisch aussehen. Schöne Einstellungen, schönes Licht.BeeindruckendeDarstellungHinzukommt, dass Scott sich für seine Hauptfiguren die zwei Oscar-Giganten Denzel Washington als Lucas und Russel Crowe als Roberts an Land ziehen konnte. Und beide geben auch beeindruckende Darstellungen ab.Washington schwankt zwischen stolzer Eleganz und mal jähzorniger, mal kalkulierender Gewalt, während Crowe mit etwas dickem Bauch und speckiger Jeans den leicht runtergekommenen Cop ohne große Gesten mit viel Natürlichkeit gibt. Es ist ein wahres Glück, dass diese beiden Mimen auf einander losgelassen wurden. Denn ohne ihr Charisma dürfte selbst der Letzte im Kinosaal nach der Hälfte etwas gelangweilt eingeschlafen sein. Was schade wäre, denn die letzten 20 Minuten – nach der Verhaftung von Lucas – werden durchaus spannend.Denn dann haben Washington und Crowe ihre ersten Szenen zusammen. Wenn die Geschichte und die Figuren einen schon nicht emotional fesseln können, dann ist es doch zumindest die große Schauspielkunst, die einen in diesen letzten Szenen etwas versöhnlich mit Scott großem Epos stimmen, das nichts weiter ist, als eine völlig banal erzählte Geschichte.
Erschienen in der Dewezet am 22. November 2007.

Von Löwen und Lämmern

Das amerikanische Kino wird derzeit immer mutiger in seinen politischen Kommentaren. Nachdem jüngst „Operation: Kingdom“ kritisch an der Außenpolitik der USA gerüttelt hat, liefert nun Hollywood-Veteran Robert Redford zum selbstreflektierenden Actionkino die intellektuelle Debatte. Dass „Von Löwen und Lämmern“ nur an der plakativen Oberfläche kratzen kann, liegt in der Natur der Zielgruppe. Redford versucht mit Publikumsmagnet Tom Cruise, die breiten Massen zu erreichen. Redford verkauft seine politischen Gedankenspielereien auf drei Schauplätzen.Erster Schauplatz: Der Regisseur selbst spielt den rechtschaffenen Politikprofessor, der versucht, einen begabten Studenten vom zynischen Resignieren zum Aktiv-Werden zu bekehren. Zweiter Schauplatz: Der smarte republikanische Sena-tor, gespielt von Tom Cruise, verkauft der alternden Journalistin (Meryl Streep) die angeblich Erfolg versprechende, neue militärische Strategie in Afghanistan.Dritter Schauplatz: Zwei Soldaten und ehemalige Studenten des Professors sind Teil dieser Strategie, geraten in eine Falle und scheitern für ihren Idealismus.Am Ende bleibt nichts als eine Debatte ohne Höhepunkt oder neue Erkenntnisse. Und Menschen, die von äußeren Umständen zermalmt werden. Ob es die Idealisten sind, die im Gebirge von Taliban-Kämpfern erschossen werden, der Politiker, die Journalistin, der Professor oder der Student – sie alle sind traurige Figuren, die durchaus den Anspruch hatten, die Welt zu verbessern. Das allein zwischen all den langatmigen Dialogen ist der tragische Eindruck, den Redfords Film hinterlässt. Wenn er einige Menschen zur Selbstreflexion aufrüttelt: umso besser! Doch wahrscheinlicher ist, dass der cineastische Debattierklub nur eine starlastige, wenig unterhaltsame Randnotiz des Kinojahres sein dürfte. Erschienen in der Dewezet am 19. November 2007.

Halloween

Es ist inzwischen 29 Jahre her, seit John Carpenter seine Horror-Ikone Michael Myers mit einem großen Küchenmesser und unheimlicher Halloween-Maske ins große Teenager-Schlachten schickte. Zehn Jahre nach der sechsten Fortsetzung hat sich nun Rob Zombie daran gemacht, die Legende noch einmal von vorne aufzurollen. Seine Version von „Halloween“ ist allerdings nicht einfach nur ein Remake des Originals, sondern erweiterte die Geschichte durch Prequel-Elemente.Anstatt dem Horror-Mythos einen ganz neuen Look zu verpassen, verneigt sich Zombie in seinem Film, der eher wie eine Hommage als ein Remake aussieht, vor dem Horrorstil der späten 70er Jahre als der Teenie-Slasher-Film seinen erfolgreichen Ursprung fand. Zwar lässt Zombie seine Hauptfigur an die 50 Mal morden, doch der Film fällt für die Genre-Verhältnisse recht harmlos aus. Sicherlich klebt überall der rote Lebenssaft an den Wänden und Fußböden, doch die Brutalität bleibt bei den meisten Morden als Andeutung im Dunkeln.Das besonders Bedrohliche dieser Bestie hat auch Rob Zombie wie sein Vorbild herausgearbeitet. Mit entschlossener Ruhe verfolgt der schweigsame Psychopath Michael Myers seine Opfer und lässt sich von nichts aufhalten – aus der Psychiatrie bricht er aus, kehrt in seine Heimat zurück und will seine kleine Schwester Laurie – inzwischen ein hübscher Teenager – ermorden. Auch eine Kugel in den Kopf kann dem gruseligen Stehaufmännchen nur sehr wenig anhaben. Irgendwann kriegt er sie alle.Zwischen all den immer perfider werdenden Horrorfilmen, die sich in Foltermethoden weiden wie die ultrafiesen „Saw“- oder „Hostel“-Serien, kehrt „Halloween“ zu den Urängsten des Horrorkinos zurück. Es braucht keine Foltermaschinen, um sich zu gruseln. Eine einfache Maske und ein Küchenmesser reichen aus, um die Zuschauer um ihren Schlaf zu bringen.
Erschienen in der Dewezet am 3. November 2007.

Nach 7 Tagen ausgeflittert

Wer nach dem Trailer zu „Nach 7 Tagen ausgeflittert“ mit Ben Stiller geglaubt hat, dass er eine kleine verrückt-romantische Komödie nach bewährtem Schema vorgesetzt kriegt, der dürfte beim Kinobesuch ein bisschen überrascht sein. Dass die Farrelly-Brüder auf den Regiestühlen saßen und der Film in den USA als nicht jugendfrei eingestuft wurde, gibt einem schon eher einen Hinweis, was einen erwartet.Eddie ist 40 Jahre alt und immer noch Single. Nachdem seine Ex-Verlobte heiratet und er als letzter am Single-Tisch mit den Kindern sitzen muss, lässt er sich bei der nächsten Frau einfach fallen. Er ehelicht die hübsche Lila nach nur sechs Wochen, in denen die beiden ausschließlich geknutscht haben. Bei so viel Lippenkontakt erlebt Eddie in den Flitterwochen so einige Überraschungen.Lila ist brutal im Bett, schnarcht, wird für ihren ehrenamtlichen „Job“ nicht bezahlt und hatte mal ein Koksproblem, das einen riesigen Berg Schulden hinterlassen hat. Die beiden hätten ihre Münder halt mal kurz zum Reden benutzen sollen.Und wie es in einer romantischen Komödie so ist, die mit dem Liebesglück anfängt – es geht natürlich alles schief und Eddie lernt in Miranda die vermeintlich Richtige eine Woche zu spät kennen. Dass er ihr nichts von seiner Frau erzählt, führt zu einigen Missverständnissen. An dieser Stelle ist Ben Stiller als Eddie die ideale Besetzung. Denn hier ist der Mann, dem keine Situation zu peinlich ist, Experte. Die süße Newcomerin Michelle Monaghan ist die perfekte Mischung zwischen coolem Kumpel und sexy Schönheit. Doch der heimliche Star ist Malin Akerman als Lila, die ihrer Rolle zwischen allen Katastrophen so viel Charme und Lebensfreude verleiht, dass man sich auf ihre Seite schlägt.
Erschienen in der Dewezet am 3. November 2007.

Lissi und der wilde Kaiser

Die Anweisung von Michael Bully Herbig an die kreativen Köpfe an den Animationscomputern war: „Lissi ist die schönste Frau der Welt, na ja, und sie sieht außerdem ein bisschen aus wie ich.“ Grund für diesen seltsamen Design-Wunsch: Bullys Film „Lissi und der wilde Kaiser“ basiert auf einem Sketch aus der Bully-Parade, in dem der deutsche Starregisseur und Schauspieler für die Rolle der hübschen jugendlichen Kaiserin immer selbst in Kleid und Perücke gestiegen ist. Da er für einen ganzen Spielfilm den Zuschauern diesen Anblick ersparen wollte, entschied er sich dafür, die Parodie auf die alten Sissi-Filme als Animationsfilm zu machen.Das Monarchen-Pärchen Lissi und ihr Franz sind wie immer glücklich verliebt und turteln in trauter Eintracht in ihrem Schloss. Sie gehen jagen, blamieren sich gemeinsam auf dem Ball, gucken sich den neuen Gärtner an, diskutieren über ausgestorbene Dinosaurier und lesen Gedichte vor. Als Lissi am Turteltag für ihr Franzl als kleines Vorspiel tanzt, während der Hofmarschall beim Blubberbad Erzeugen aus der Puste kommt, wird die junge hübsche Kaiserin von einem Yeti entführt. Der haarige Gesell hat nämlich Mist gebaut und ist einen Deal mit dem Teufel eingegangen. Wenn er dem Satanischen die schönste Frau der Welt bringt, dann muss er nicht in der Hölle schmoren. Und weil das Militär entweder gegen die Preußen kämpft oder auf Sardinien Überstunden abbaut, muss der wilde Kaiser selbst die Verfolgungsjagd aufnehmen.Ein Gag-Feuerwehr wie in „Der Schuh des Manitu“ darf man in diesem Film nicht erwarten. Aber das macht nichts, denn „Lissi“ ist trotzdem ein durch und durch gelungener Spaß. Die Sprecher verknoten sich immer wieder ihre Zungen. Ob es nun die verschiedenen Stimmen und Dialekte sind oder der ungewöhnliche Kontext, in dem Worte wie etwa Namen von Krankheiten gebraucht werden. Aber „Bully“, der das Drehbuch geschrieben hat, auf dem Regiestuhl saß und neben Lissi noch zwei weiteren Figuren seine Stimme leiht, hat ja schon immer gern mit Sprache jongliert. Und an Situationskomik und schrägen Ideen fehlt es dem Film beileibe auch nicht. Technisch kann „Lissi“es besonders in der perfekten Animation der herzigen Kaiserin locker mit den Amis und ihren Filmen wie der Shrek-Reihe oder „Ratatouille“ aufnehmen. Dass bei den Teutonen ein kleineres Budget vorhanden war, merkt man besonders an den Hintergründen. Aber man muss auch keine raschelnden Blätter auf den Bäumen haben, um einen guten Film vorzulegen. Die Figuren sind viel, viel wichtiger. Und die sind grandios gut geworden.Nebenbei weiß der Bully auch wie man eine Geschichte witzig erzählt.
Erschienen in der Dewezet am 26. Oktober 2007.

Enttarnt

Wenn im Vorspann die Bemerkung „nach einer wahren Begebenheit“ eingeworfen wird, wird man hellhörig. Schließlich verabschieden sich viele Hollywood-Filme gern von Realität, von Naturgesetzen und Logik. Da ist es ganz Vertrauen erweckend, wenn man getrost glauben darf, dass dies nicht nur so (oder so ähnlich) passieren könnte, sondern gar so passiert ist. Oder so ähnlich.„Enttarnt“ erzählt einen der spektakulärsten internen Fälle des FBIs: 2001 wurde Agent Robert Hanssen überführt, 22 Jahre lang für die Gegenseite Russland spioniert zu haben. Eine Schlüsselrolle in der Enttarnung spielte sein Assistent Eric O’Neill. Denn die Vorgesetzten wissen zwar von Hanssens Untreue, müssen ihn aber auf frischer Tat ertappen.So spektakulär die Aufdeckung in der Realität war, so unspektakulär wurde „Enttarnt“ mit Chris Cooper als Hanssen und Ryan Phillippe als O’Neill inszeniert. Sicherlich gibt es Nerven zerreißende Momente, in denen Hanssen ahnt, dass etwas faul ist, und O’Neill beinahe dabei erwischt, wie er die Tasche seines Bosses durchwühlt. Aber diese Momente sind rar. Dafür entschied sich Regisseur Billy Ray, das Agentendrama als Kammerspiel in Szene zu setzen und lässt damit seinen beiden Hauptdarstellern viel Raum, was den Film zu einem echten Erlebnis macht. Cooper baut Hanssens arrogante Art auf durch seine Tiraden über die Verfehlungen des FBIs, durch seine verklärten Ansichten über die Kirche und seine schroffen Anweisungen, nur um langsam eine weichere Seite zum Vorschein kommen zu lassen.Ryan Phillippe drückt die Veränderung der von ihm verkörperten Figur oft allein durch Körpersprache und subtile Mimik aus – wie man es dem Schauspieler, dessen Filme hierzulande oftmals nur auf DVD erscheinen, gar nicht zugetraut hätte. Wer ausdrucksstarke Schauspielkunst liebt und spannende Geschichten mit moralischem Dilemma mag, ist mit „Enttarnt“ gut beraten.
Erschienen in der Dewezet am 25. Oktober 2007.

Der Sternwanderer

Wie es sich für ein ordentliches Märchen gehört: Diese Geschichte ist liebevoll unkonventionell erzählt und hält sich gleichzeitig an alle Traditionen, die dazu gehören. Mit viel Liebe und einem verschmitzt zwinkernden Auge inszeniert Matthew Vaughn, der bisher nur an Gangsterfilmen wie „Layer Cake“ beteiligt war, Stars wie Michelle Pfeiffer als nach Jugend süchtige Hexe Lamia, Robert de Niro als Can-Can tanzenden Captain Shakespeare, die leuchtende Claire Danes und den charmanten Newcomer Charlie Cox. Aber auch in den ganz kleinen Nebenrollen tummeln sich bekannte Gesichter wie die von Sienna Miller, Rupert Everett, oder Jason Flemyng. Neil Gaiman, aus dessen kreativem Hirn die Geschichte entsprungen ist, hatte sie Vaughn auf reiner Vertrauensbasis kostenlos überlassen. Er sollte mit dieser für Hollywood ungewöhnlichen Geste Recht behalten. Dass der Streifen mit nur 70000 Dollar Budget ein billiges Projekt für das Genre ist, sieht man ihm übrigens nicht an.Zwischen der menschlichen Welt – in diesem Fall: England – und der Welt von Hexen und seltsamen Königen – Stormhold – verläuft eine Mauer. Niemand sollte sie überschreiten. Doch Tristans Vater hat dies als junger Mann getan. Das Ergebnis seines Abenteuers: Tristan. Wie der Vater, so der Sohn, stürzt auch Tristan sich in die Fantasie-Welt, um seiner Angebeteten Victoria als Liebesbeweis einen vom Himmel gefallenen Stern zu bringen. Doch statt eines kostbaren Steins findet er ein hübsches Mädchen. Und schon ist ein wunderschöner Märchenfilm im Gang. Die Hexen wollen das Herz des Sternmädchens, um sich zu verjüngen. Und die Prinzen wollen den Rubin, der den Himmelskörper aus dem Firmament geschubst hat, um König zu werden. Dazwischen gibt es einen tuntigen Blitzpiraten, der sein raues Image zwischen all den Federboas aufrecht halten muss, und die Geister ermordeter Prinzen – auf dem Weg zum Thron.
Erschienen in der Dewezet am 25. Oktober 2007.

Die Liebe in mir

Es gibt sehr wenige Filme, die sich mit der Tragödie vom 11. September auseinandersetzen. Einige zeigen das Grauen und den Schock des Tages. Andere das New York in der Zeit danach. Wieder andere die politischen und militärischen Konsequenzen. An die Hinterbliebenen der Opfer hat sich keiner herangetraut. Der Film „Die Liebe in mir“ ist somit in zweierlei Hinsicht eine Besonderheit: Zum Einen steht ein junger Mann im Fokus, der durch die terroristischen Angriffe seine Familie verloren hat. Zum Anderen wurde diese Rolle mit einem Schauspieler besetzt, den niemand spontan mit einer solchen in Verbindung bringen würde: Adam Sandler, der trotz seines Images als Klamauk- und Brachialkomiker ein seriöser Schauspieler sein kann.Charlie hat sich nach dem 11. September in einen Kokon des Vergessens eingewickelt. Wenn er auf der Straße unterwegs ist, trägt er immer riesige Kopfhörer und lässt sich von der Musik seiner Collegezeit entführen. Menschen, die mit seiner Familienvergangenheit zu tun haben, lässt er nicht an sich heran. Erzählt wird die Geschichte zaghaft aus der Sicht von Alan, der sich im College mit Charlie das Zimmer geteilt hat. Als sich die beiden zufällig wiedertreffen, wird Alan von Charlies Art, in den Tag zu leben, verführt. Der etwas verwahrloste, traumatisierte Mann lässt den alten Freund an sich heran.Der Film über die heilende Kraft der Freundschaft und den verschiedenartigen Ausdruck von Trauer hätte schnell zum sentimentalen Kitschfest werden können. Doch Regisseur Mike Binder arbeitet viel mit Musik, anstatt mit dem Holzhammer auf die Tränendrüse zu schlagen. Zudem hat das bewegende Drama in den Nebenrollen hochkarätige Darstellungen von Liv Tyler oder Saffron Burrows zu bieten.
Erschienen in der Dewezet am 14. September 2007.

Lizens zum Heiraten

Das junge Glück von Sadie und Ben steuert zielstrebig auf den Altar zu. Und da Sadie unbedingt von dem Kleriker getraut werden möchte, der seit Jahren für die kirchlichen Angelegenheiten der Familie zuständig ist, bleibt dem nichtsahnenden Ben nichts weiter übrig, als Reverend Frank kennen zu lernen. Und der verheiratet nur, wenn das Paar zuvor noch einen Vorbereitungskurs durchläuft. Ben ist skeptisch, Sadie begeistert.Der Film könnte auch „Meine Braut, ihr Priester und ich“ heißen. Denn er funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Ob Robin Williams als Reverend Frank es sich zum Hobby gemacht hat, möglichst viele Paare auseinander zu bringen mit seiner Tortur, ob er Sadie vielleicht sogar für sich will, oder ob er die zukünftige Ehe erst so richtig stiftet – all das erschließt sich dem Zuschauer nicht. Warum auch immer Frank die jungen Liebenden quält – es sorgt für einige Lacher. Bei der Übung zum ordentlichen Streiten fliegt der Bräutigam in spe durch Sadies Schlagfertigkeit quer durch den Raum. Die Roboterbabys, mit denen das Paar die Elternfreuden probt, verlieren bald den Kopf, und das Sex-Verbot scheint für Ben ein schlechter Scherz zu sein.Robin Williams läuft als Frank zwar nicht zur Höchstform auf. Dennoch sorgt der quirlige Komiker für eine Menge schräger Szenen.Mandy Moore liefert als Sadie ihre zuckersüße Schnuckelchen-Rolle wie immer perfekt, aber unspektakulär ab. Die große Entdeckung ist John Krasinski. Der sympathische junge Mann begeistert seit drei Jahren in der amerikanischen Stromberg-Variante „The Office“. Das Publikum leidet mit ihm und genießt das lockere Fremdschämen beim Beobachten, wie Ben von einer seltsamen Situation in die nächste tapst. Dass das Ende sehr bieder daher kommt, war zu befürchten, verdirbt aber nicht den netten Spaß an dieser harmlosen, unterhaltsamen Komödie. Erschienen in der Dewezet am 7. September 2007.

Beim ersten Mal

So hatte Alison das ja nun auch nicht gemeint. Als Ben noch mit dem Kondom rumwuselt wie ein nervöser Teenager, ruft sie „Mach schon!“ Ben nimmt sie beim Wort, schmeißt das Kondom weg und seinen leicht dicklichen Luxuskörper auf sie. Dumm gelaufen. Ein kleines betrunkenes Missverständnis – und schon ist frau schwangerZwar ist Alison gerade bei einem hippen Entertainment-Fernsehprogramm vor die Kamera befördert worden und Ben ist – ohne Job und ständig bekifft – nicht gerade ihr Traummann. Das Kind soll trotzdem kommen. Klar, dass das der Auftakt zu herrlich abstruser Situationskomik ist, wenn sich die Schönheit und der Faulenzer auf ihren Nachwuchs vorbereiten.Regisseur Judd Apatow hat einen Teil seines Nebendarsteller-Teams aus dem Erfolg „Jungfrau (40), männlich sucht“ zusammengetrommelt und eine wunderschöne Komödie mit unverbrauchten Gesichtern gemacht. Zwar leitet der Trailer das Publikum ein wenig in die Irre und verspricht leicht pubertären Klamauk rund um Sex, hässliche Babys und Gynäkologen. Doch was sich hinter „Beim ersten Mal“ verbirgt, ist eine ehrliche Betrachtung des Erwachsenwerdens im Angesicht neuen Lebens. Mittendrin, die wahrscheinlich sensibelste und authentischste Szene über Sex während der Schwangerschaft, die ein Mainstream-Film je auf die Leinwand gebracht hat.Dass „Beim ersten Mal“ dabei mit seinen 129 Minuten ein bisschen sehr lang ausgefallen ist, verzeiht man bei so vielen hübschen Szenen ganz leicht. Besonders weil Seth Rogen als Ben und Katherine Heigl, die durch „Grey’s Anatomy“ bekannt wurde, so sympathisch und unpretentiös daher kommen. Ein Highlight, wie immer: der König der Charakternebenrollen Paul Rudd. Als in die Enge des Familienalltags gedrängter Ehemann Pete sorgt er für einige der besten und bewegendsten Szenen.Apatow setzt mit seiner charmanten Komödie auf Ehrlichkeit und auf die ganzen kleinen absurden Situationen, die sich abspielen, wenn Mann und Frau versuchen zu kommunizieren. Dass der Humor dabei auf keinen Fall zu knapp kommt, das versteht sich ja von ganz alleine. Gelungenes Unterfangen!
Erschienen: 28. August 2007.

Rush Hour 3

Brett Ratners Enthusiasmus und unerschöpfliche Energie steckt einfach an. Das haben schon viele Schauspieler über den jungen Regisseur gesagt. Sein erster Erfolg war vor neun Jahren der urkomische Slapstick-Buddy-Film „Rush Hour“. Während Ratner inzwischen durchaus seine Ambitionen auch in andere Richtungen ausstreckt (“Red Dragon“ und „X-Men 3“), scheint er doch immer wieder mal zu seinen Wurzeln zurückzukehren. 2001 kam „Rush Hour 2“ raus und nun läuft der dritte Teil in den deutschen Kinos.JugendfreiePrügelszenenRatner ist dabei seinem alten Erfolgsrezept, das schon seit dem dynamischen-Duo Bud Spencer und Terence Hill immer nach dem gleichen Strickmuster funktioniert, treu geblieben. Das mag erstmal äußerst unoriginell klingen, funktioniert aber ziemlich gut. Chris Tucker als Plappermaul Detective Carter ist fürs dumm Rumquatschen ohne Abstellknopf zuständig und Jackie Chan als Inspector Lee legt mit seinen nicht mehr ganz so jungen Knochen immer noch atemberaubende Stunts und toll choreographierte und jugendfreie Prügelszenen hin.Die Story ist wie immer relativ unkompliziert, dazu ein paar hübsche Frauen und zuletzt ein Siegestanz, wenn der Bösewicht irgendwo tot in der Ecke liegt. Manche Konflikte lassen sich halt doch mit Fäusten lösen. Zumindest im Kino.Diesmal wird Botschafter Han angeschossen, weil er der Identität der Triaden-Bosse auf die Spur gekommen ist. Lee und Carter führt die Spur nach Paris. Ratners berühmte Energie springt bei der so simplen Formel der Slapstick-Action und den schnellen Sprüchen zum Glück auf die Leinwand über, so dass der Film vom Reißbrett genau das tut, was er sich vorgenommen hat: Der Zuschauer bekommt lockere und spritzige Unterhaltung geboten.Kleiner Bonusim AbspannDas eingespielte Team Tucker und Chan lässt dazu die Funken sprühen. Super ist übrigens die Nebenfigur des Taxifahrers George, der eine augenzwinkernde Anspielungauf Luc Bessons