Freitag, 13. Februar 2009

The Women

Wenn schon mal ein Film ausschließlich von Frauen und für Frauen gedreht wird und dann auch noch den unmissverständlichen Namen „The Women“ trägt, dann könnte frau doch zumindest erwarten, dass sich die Geschichte ein kleines bisschen von Klischees und Stereotypen wegbewegt. Doch Fehlanzeige. Die vier Freundinnen, die im Zentrum des Films stehen, besitzen so viel charakterliche Tiefe, wie die seichte Pfütze, die immer mal wieder auf dem Gehweg auftaucht.Da gibt es Sylvie, die alleinstehende Karrierefrau, die viel Geld in Klamotten, Maniküre und ihren Friseur investiert und ständig auf Zickenalarm aus ist. Dann ist da Edie, die Brutmaschine, die für ihr vier Töchter lebt und den fünften Braten bereits in der Röhre hat. Und Alex, die Lesbe mit der großen Klappe und den angeblich so schockierenden Bemerkungen.Und dann ist da noch die Hauptfigur Mary. Die reiche Hausfrau und Mutter, die von ihrem Mann mit einer jungen sexy Verkäuferin betrogen wird. Noch irgendein Klischee gefällig? Mary findet sich selbst, indem sie anfängt Kleider zu designen und ihre Tochter beginnt sich schwarz zu schminken als ihre Eltern sich trennen. Was so lieblos und prüde wie ein müder Abklatsch von „Sex and the City“ daher kommt, ist tatsächlich ein Remake eines Films, der 1939 gedreht wurde und auf einem Broadway-Stück von 1936 basiert.Aber nur weil ein Stück schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, heißt das noch lange nicht, dass man sich so stocksteif geben muss. Sicherlich hätte diese Vorlage durchaus Futter für eine netteGeschichte gegeben, wenn die Dialoge nicht so fürchterlich abgedroschen wären und die Schauspielerinnen so lustlos und verkrampft durchs Bild stöckeln würden. Allen voran die ehemalige Lächel-Königin Meg Ryan als Mary, die auch mit „The Woman“ nicht auf ein Comeback hoffen darf. Gespür fürKomödiantikDass Annette Bening die Sylvie spielt, mal Oscar-Leitungen auf die Leinwand gezaubert hat, hält man nach diesem Auftritt übrigens auch für ein unglaublich schlechtes Gerücht. Nur Debra Messing in ihrer kleinen Nebenrolle als Übermutter Edie beweist geniales Gespür für komödiantisches Timing und sorgt besonders bei der Geburtsszene für herzerfrischende Lacher. Netter kleiner Dreh übrigens. Im gesamten Film tauchen Männer nur über Telefonate oder Briefe auf. Die Leinwand bleibt dagegen völlig testosteronfrei.
Erschienen in der Dewezet am 15. Dezember 2008.