Freitag, 13. Februar 2009

Pornorama

In den 70er Jahren lockten Aufklärungsfilme wie die von Oswald Kolle Millionen deutsche Kinogänger in die Lichtspielhäuser. Und wenn eine Kinokarte 2,50 Mark kostet, dann kann man bei ein paar Millionen Besuchern schon eine Menge Geld machen, denken sich Freddie, der in finanziellen Schwierigkeiten steckt, und seine Freunde. Nur leider hat die Truppe – bis auf den alten Filmvorführer – keine Ahnung von Dreharbeiten. Aber da ist ja auch noch Freddies Bruder Bennie, der bei der Polizei ist und bei Demonstrationen für seinen Arbeitgeber Beweisfilme dreht. Der ist wiederum in Luzi, eine politisch aktive Kommunen-Bewohnerin, verliebt, die ihn für einen Filmstudenten hält, der die Geschichte der sexuellen Revolution in Kontrast zum Spießbürgertum zeigen will.Skurrile Geschichte mitnetter ChaotentruppeChaos, brenzlige Situationen und jede Menge Notlügen sind da vorprogrammiert, als Bennie sich tatsächlich zum Aufklärungsregisseur erklären lässt und Luzi sich in der Nebenrolle der Eheberaterin vor die Kamera stellt. Doch damit nicht genug: Die sinnliche und divenhafte Hauptdarstellerin Gina spricht nur Italienisch und weigert sich die Hüllen fallen zu lassen.Regisseur Marc Rothemund erzählt diese absurde Geschichte von den Möchtegernfilmemachern mit so viel Liebe und Witz, dass man die Chaotentruppe einfach nur gern haben muss. Besonders nett sind die Szenen, in denen Gina die Speisekarte aus Césares Restaurant immer wieder dramatisch rauf- und runter betet, damit die Szene später nachsynchronisiert werden kann und Irene mit Taucherbrille ausgerüstet unter dem Tisch Zwiebeln über eine Reibe sausen lässt, um den Star zum Weinen zu bringen.Tom Schilling als sensibler Bennie und die süße Karoline Herfurth als resolute Luzi geben in dem augenzwinkernden Wirrwarr ein besonders hübsches Paar ab. Und zwischendurch gibt es immer wieder nette Ausschnitte aus den damals so revolutionären Filmen, die mit ihrer sexuellen Offenheit die Institution Ehe retten wollten und heute für so manchen kopfschüttelnden Schmunzler sorgen.
Erschienen in der Dewezet am 19. Oktober 2007.