Freitag, 13. Februar 2009

Der fremde Sohn

Es ist der Albtraum jeder Eltern. Als Christine Collins im März 1928 von der Arbeit kommt, ist ihr neunjähriger Sohn Walter verschwunden. Aber die alleinerziehende Mutter muss nicht nur fünf Monate mit der Ungewissheit leben. Im August kommt plötzlich die freudige Nachricht, ihr Sohn sei gefunden worden. Doch bei der glücklichen Wiedervereinigung steht ein fremdes Kind vor ihr. Die Polizei glaubt ihr nicht. Ist es doch peinlich, wenn ein solcher Fehler zugegeben werden müsste. Selbst die Tatsache, dass der Junge viel kleiner ist als Walter, sorgt nicht für die Wiederaufnahme des Falls, sondern bringt die Mutter direkt ins Irrenhaus. Für die verzweifelte Frau beginnt ein Kampf gegen übermächtige Gesetzeshüter, der in die Geschichte von Los Angeles einging. Als die Polizei fast zufällig doch noch über die schreckliche Lösung zu Walters Verschwinden stolpert, nimmt der Kampf um Gerechtigkeit weiter an Fahrt auf.Ein ergreifendes undemotionales WerkClint Eastwood hat sich dieser unglaublichen wahren Geschichte angenommen und ein ergreifendes Werk geschaffen. Nicht nur beweist der Hollywood-Veteran, der meist auf dem Regiestuhl zu Höchstform aufläuft, wieder Gespür für eine spannende Geschichte; auch verfilmt er das Drama in unglaublich schönen und ruhigen Bildern. Seiner Hauptdarstellerin Angelina Jolie überlässt Eastwood die Leinwand – und tut auch gut daran. Die Aktrice versteht ihre Wut und Verzweiflung gerade durch ihre Zurückhaltung für den Zuschauer ins fast Unermessliche zu treiben. Neben ihr glänzt John Malkovich als Pfarrer, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Korruption der Polizei nicht länger hinzunehmen. Aber auch der in der Kinowelt noch völlig unbekannte Jason Butler Harner als geisteskranker Killer erschüttert die Leinwand mit seiner Präsenz.Beinahe hätte Angelina Jolie die Rolle nicht angenommen. Hollywoods Vorzeigemutti fand das Thema einfach emotional zu erschreckend. Dass sie trotzdem den Mut hat und in die Haut der Christine Collins geschlüpft ist, werden wir ihr ewig danken. Viel Glück bei den Oscars.
Erschienen in der Dewezet am 28. Januar 2009.