Warum machen es sich Frauen nur immer so schwer. Erfinden sie doch alle möglichen Ausreden, wenn er Ausreden erfindet, um sich nicht zu melden, nur um die Hoffnung nicht aufgeben zu müssen, wenigstens diesmal den Richtigen – oder zumindest einen Interessierten – gefunden zu haben. Dabei ist die Antwort oft so klar, wie Alex der ständig daneben greifenden Gigi erklärt: Ruft er nicht an, dann steht er vielleicht gar nicht auf dich. Die Möglichkeiten, dass er die Nummer verloren hat, vom Bus angefahren wurde oder ganz plötzlich zu einer Geschäftsreise fort gerufen wurde, sind zwar möglich – aber, Mädels, wir müssen es wohl einsehen – sehr unwahrscheinlich. In verschiedenen episodenhaften in einander verknüpften Geschichten erzählt „Er steht einfach nicht auf dich“ von Männern, die keinen Heiratsantrag machen und Frauen, die daran verzweifeln, von Männer, die lügen und fremdgehen und Frauen, die dadurch paranoid werden und auch von Frauen, die Männer manipulieren und hinhalten. Zum Glück aber erzählt „Er steht einfach nicht auf Dich“ auch, damit aus dem Publikum kein völlig romanzen-nihilistisches Pessimisten-Heer wird, von den süßen Ausnahmen, wo sich zwei Menschen doch verlieben und glücklich zusammen sind.SympathischesEnsemble
Im Mittelpunkt dieser hübschen Wendungen stehen Justin Long als abgeklärter Alex, der Ginnifer Goodwin als nach einem wahrhaft Interessierten suchender Gigi immer wieder rät, dass sie Reißaus nehmen soll. „Er steht einfach nicht auf dich“ glänzt durch eine Mischung aus ernsthaften, traurigen, brüllkomischen und intelligenten Einblicken in den Dschungel aus Verabredungen und Abfuhren. Dabei bestechen nicht nur die cleveren und herzerfrischenden Dialoge, sondern vor allem auch das sympathische Ensemble mit Jennifer Aniston, Jennifer Connelly, Bradley Cooper, Ben Affleck, Scarlett Johansson und Drew Barrymore.
Erschienen in der Dewezet am 14. Februar 2009.
Freitag, 13. Februar 2009
Das Hundehotel
Ein gut gemeinter Rat unter Filmschaffenden lautet: Arbeite niemals mit Tieren – oder Kindern. Regieneuling Thor Freudenthal hat diese Tipps völlig ignoriert und bis zu fünfzig Tiere gleichzeitig durchs Bild toben lassen. Wie viel Nerven ihn das gekostet haben mag, will man sich gar nicht vorstellen. Das Ergebnis allerdings kann sich sehen lassen. Nicht nur, dass Freudenthal ein gutes Kinderensemble gefunden hat, um den Film zu tragen. Auch die Vierbeiner machen ihre Sache sehr überzeugend und unterhaltsam. Und darum geht’s: Bruce und seine ältere Schwester Andi haben ihre Eltern verloren und werden nun von einem Pflegeelternpaar zum nächsten geschickt. Weil zwei Kinder auf einmal zu vermitteln schon schwer genug ist, verstecken die beiden ihren Hund Friday. Als sie ein altes verlassenes Hotel mit bereits zwei tierischen Bewohnern finden, kommt den beiden eine Idee. Mit der Hilfe von zwei neuen Freunden und dem Einfallsreichtum des technisch hochbegabten Bruce entwickeln sie bald einen Ort, in dem Dutzende von herrenlosen Hunden ein Zuhause finden. So gibt es etwa einen Schuhautomaten für eine Bulldogge, die alles zerkaut, eine Tennisballwurfmaschine für Apportierfanatiker und einen Hydranten, der nach dem kleinen Geschäft automatisch abduscht. Auch die hütwütige Colliehündin bekommt eine ganz eigene Herde Schafe, die sie durchs Zimmer jagen kann. Dass diese Konstrukte auf alte Autoscooter montiert sind, das stört den Vierbeiner nicht die Bohne. „Das Hundehotel“ wartet immer wieder mit neuen liebevollen Einfällen auf. „Das Hundehotel“ ist ein charmanter Streifen, mit viel Herz. Dass das Ende etwas zu zuckersüß ausgefallen ist, verzeiht man nach so unterhaltsamen und herzerfrischenden eineinhalb Stunden gerne. Nicht nur für eingefleischte Hundefans ist der Film ein Leckerbissen. Aber: Es hilft, wenn man grundsätzlich ein Herz für die Vierbeiner hat.
Erschienen in der Dewezet am 12. Februar 2009.
Erschienen in der Dewezet am 12. Februar 2009.
Ein mutiger Weg
Anfang 2002, in den noch frischen Nachwehen des 11. Septembers, wurde in Pakistan der jüdische „Wall Street Journal“-Korrespondent Daniel Pearl entführt und einige Tage später geköpft. Seine Frau Mariane, ebenfalls eine Journalistin, hielt sich zu dem Zeitpunkt auch in Pakistan auf. Sie war hochschwanger. In „Ein mutiger Weg“ erzählt Regisseur Michael Winterbottom von der Zeit kurz vor der Entführung bis nach der Tötung des Journalisten. Der Film basiert auf einem Buch, das Mariane Pearl über diese Tage geschrieben hat.Anstatt auf emotionales Hollywood-Drama zu setzen über eine Frau, die um das Leben ihres Ehemanns bangt, spielt der schon als Dokumentarfilmer aufgefallene Winterbottom nur Mäuschen und beobachtet. Dabei setzt er erstaunlich wenig Musik ein. Angelina Jolie, die als Mariane eine ihrer bisher stärksten Rollen spielt, setzt auf eine sehr zurückgenommene Darstellung. Mariane verliert fast nie die Fassung. Jolies intensiv gespielter Zusammenbruch bei der Nachricht vom Tod ihres Mannes ist gerade deshalb umso erschütternder. Winterbottom verleiht Pearl und seiner Frau sowie ihrer Tragödie nichts Heroisches. Er weist keine Schuld zu, sondern zeigt auf, dass Terrorismus keine schwarz-weiße Angelegenheit ist, in der es Gute und Böse, Gewinner und Verlierer gibt. Dass Daniel Pearl dabei in einem unkritisch sympathischen Licht gezeigt wird, ist verzeihlich.Winterbottoms Weigerung, den Zuschauer emotional zu manipulieren, sowie Jolies zurückhaltende Verkörperung der Journalistin sind sowohl das große Plus des Streifens als auch seine größte Schwäche. Während der anscheinend wertneutrale Umgang mit dem Thema viel über Winterbottoms politisches Engagement aussagt, wird der Zuschauer erst viel zu spät von dem Film berührt. Es ist ein Jammer, dass der Regisseur es kaum schafft mitzureißen, aufzurütteln und zum kritischen Nachdenken anzuregen. Wer durchhält und sich darauf einlässt, wird jedoch ein Kinoerlebnis mitnehmen, das noch eine Weile nachwirkt.
Erschienen in der Dewezet am 20. September 2007.
Erschienen in der Dewezet am 20. September 2007.
König der Wellen
Es ist schon arg verwunderlich, dass ausgerechnet Pinguine in den letzten Jahren die Filmwelt erobert haben. Obwohl eigentlich nur „Die Reise der Pinguine“ (ein Dokumentarfilm) und „Happy Feet“ (ein Animationsfilm über singende und steppende Watschelvögel) in den letzten zwei Jahren im Kino zu sehen waren, fühlen sich die Kinozuschauer übersättigt. „König der Wellen“ kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Anstatt auf der Pinguinwelle zu surfen, stößt das Animationsabenteuer im Vorfeld schon auf Ablehnung. Auch wenn surfende Pinguine noch nicht da waren und genauso abwegig sind wie ihre steppenden, trällernden Verwandten. Dabei ist die leicht abgedrehte Grundidee nett. Im Stil eines Dokumentarfilms – wackelnde Kamera, Pseudointerviews, Pannen und Kommentare vom Kameramann inklusive – willigt der antarktische Pinguin Cody Maverick ein, sich bei seiner Reise zum Surfwettbewerb auf Pen Gu Island von einem Filmteam begleiten zu lassen. Die Dialoge sind dadurch etwas frecher, natürlicher und lockerer als in den meisten Animationsfilmen. Statt platter Gags ist Situationskomik das große Plus der befrackten Wellenreiter. Der Rest kommt leider vom Reißbrett.
Erschienen in der Dewezet am 20. September 2007.
Erschienen in der Dewezet am 20. September 2007.
Rezept zum Verlieben
Dass sich Hollywood ganz gerne mal an Geschichten des europäischen Filmmarkts vergreift und diese als Remake leicht verdaulich für die eigenen Kinos aufbereitet, hat seit langem Tradition. Doch meist wildern die Story-Jäger eher auf der französischen oder auch mal italienischen Schaffenswiese. Mit „Rezept zum Verlieben“ ist nun auch mal eine deutsche Produktion amerikanisiert worden. Vor sechs Jahren spielte Martina Gedeck die kontrollfreakige und etwas spröde Spitzenköchin Martha in „Bella Martha“. Nun greift Catherine Zeta-Jones als kulinarisches Genie Kate zum Kochlöffel. Kate lebt einzig und allein für ihren Beruf. Sie hat keine Dates und die einzigen Männer, mit denen sie außerhalb ihrer Großküche kommuniziert, sind ihr Therapeut und der nette Nachbar von unten.Als ihre allein erziehende Schwester bei einem Autounfall ums Leben kommt, muss Kate ihre Nichte Zoe bei sich aufnehmen, was ihr Leben völlig aus den Fugen geraten lässt. Zu allem Übel kommt noch hinzu, dass die Kleine nichts von dem Essen mag, das Kate ihr vorsetzt und in der Restaurantküche nimmt der neue Sous-Chef Nick mit seiner Lebensfreude und Leidenschaft für italienische Opern alle für sich ein – außer Kate. Es braucht einige Anläufe, Zoes kindliche Ehrlichkeit und Nicks leckere Pasta bevor die verklemmte Eis-prinzessin ein wenig auftaut. Während „Bella Martha“ noch etwas Tiefgang hatte, ist „Rezept zum Verlieben“ doch sehr zuckersüße romantische Komödie. Die Figuren handeln alle viel zu stereotyp. Zum Glück haben die drei Darsteller, Catherine Zeta-Jones, Aaron Eckart als Nick und Abigail Breslin aus „Little Miss Sunshine“ als Waisenkind Zoe genug Charme und Energie, um „Rezept zum Verlieben“ trotz aller Mängel genießbar zu machen. Erschienen in der Dewezet am 22. September 2007.
Die Wächter des Tages
Als vor zwei Jahren die Verfilmung des ersten Teils von Sergei Lukianenkos Wächter-Trilogie, „Die Wächter der Nacht“ in die deutschen Kinos kam, war die Aufregung groß. Schließlich hatte der Film die russische Kinolandschaft revolutioniert. Die wirre Geschichte um den 1000-jährigen Waffenstillstand zwischen den Wesen des Lichtes und der Finsternis mit ihren Vampiren, Formwandlern, Hexen und anderen Gestalten begeisterte vor allem durch seine erstaunlich Optik. Die Dramaturgie war dagegen undurchsichtig. Die Figuren blieben blass.Im zweiten Teil – „Die Wächter des Tages“ – hält sich Regisseur Timur Bekmambetov mit dem visuellen Budenzauber weniger auf und konzentriert seine Geschichte auf die emotionale Achterbahn seiner Hauptfigur Anton, ein Wächter der Nacht und Anderer des Lichtes.Anton wird angeklagt, eine Gestalt der Nacht, Galina, ermordet zu haben. Doch Anton war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, ein Beweisstück verschwinden zu lassen, das seinen Sohn Igor des Mordes an Menschen belastet hätte. Denn Igor hatte sich am Ende des ersten Teils für die Seite der Finsternis entschieden. Die Wächter des Tages jagen nun Anton, was erneut zum Krieg zwischen den Mächten und zur Apokalypse in Moskau führen könnte.Mittendrin spielt die Kreide des Schicksals eine Rolle. So sehr verworren auch hier die Zusammenhänge sind, so ist doch zumindest die Geschichte logischer aufgebaut. Auch optisch hat der russische Film zwischen tristen Alltag in Moskauer Wohnsiedlungen und fantastischen Elementen wieder einiges zu bieten. Besonders die Hexe Alissa sorgt mit ihrem roten Flitzer für einige spannende Fahrten.Die Liebesgeschichte zwischen Anton und Svetlana erinnert allerdings eher an schlechte Bollywood-Schinken. Bleibt abzuwarten, ob der dritte Teil die vielen Fragen beantwortet oder ob doch ein Gang in die nächste Buchhandlung von Nöten ist, um mit Hilfe von Lukianenko literarischen Vorlage endlich Seelenfrieden zu finden.
Erschienen in der Dewezet am 24. September 2007.
Erschienen in der Dewezet am 24. September 2007.
Ratatouille
Seit Pixar vor zwölf Jahren mit dem ersten komplett computeranimierten Kinofilm ein neues Zeitalter in der Filmgeschichte einläutete, steht der Name für höchste Qualität. Auch diesmal wieder mit Remy, einer außergewöhnlichen Ratte aus Frankreich. Denn der wählerische Nager interessiert sich für die Haute Cuisine. Müll fressen ist einfach nicht sein Ding. Ein bisschen Safran auf einem geräucherten Pilz mit Käse und Rosmarin schon eher.Durch einen Zufall landet Remy direkt in einem der besten Restaurants in Paris und schließt Freundschaft mit einem Küchenjungen. Gemeinsam kreieren die beiden – Remy steuert seinen menschlichen Freund Linguini unter der Kochmütze über das Zupfen an dessen Haaren – die aufregendsten Gerichte, die das Gourmetrestaurant je gesehen hat. Bis das chaotisch-geniale Duo mit dem Schwindel natürlich auffliegt.Ausgerechneteine RatteWas Pixar dazu bewegt hat, eine Ratte in die Küche eines Spitzenrestaurants zu packen ist ungewöhnlich. Die Vorstellung: Ratte in der Küche, löst fast automatisch Ekel aus. Da mag Remy sich noch so oft die Pfötchen waschen und auf den Hinterbeinen gehen, damit seine „Hände“ fürs Kochen sauber bleiben.Zum Glück zieht die von Regisseur Brad Bird erzählte Geschichte den Zuschauer so sehr ins Geschehen, dass man seinen Ekel ganz schnell vergisst. Die Verbindung zwischen Remy und Linguini ist so niedlich und bietet so viele Gags, dass „Ratatouille“ zu einem riesigen Spaß wird.Hinzu kommt, dass der Film technisch brillant gestaltet ist, vollgestopft mit vielen netten, kleinen Ideen. So besitzt etwa der Arbeitsraum des ebenso miesepetrigen wie blassen Restaurantkritikers Anton Ego (sic!) die Form eines riesigen Sargs. Und Linguinis kleine Wohnung ist so bescheiden, dass das Badezimmer keine Tür, sondern nur einen Vorhang hat.Mit „Ratatouille“ ist den Pixar-Animateuren wieder ein liebenswertes Meisterwerk gelungen.
Erschienen in der Dewezet am 4. Oktober 2007.
Erschienen in der Dewezet am 4. Oktober 2007.
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